Zurück in der Schule: Am Montag kehrten auch im Murgtal die Abschlussklassen der allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in den Unterricht zurück – wie hier am Goethe-Gymnasium Gaggenau mit umfassenden Abstands- und Hygieneregeln. | Foto: Slobodan Mandic

Strenge Hygieneregeln

Freude selbst bei Schulmuffeln: Abschlussklassen im Murgtal kehren nach Corona-Zwangspause in den Unterricht zurück

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Endlich wieder die Klassenkameraden sehen, endlich ein Stück Normalität zurück: Am Montagmorgen ist die Freude sogar bei Schulmuffeln groß. Nach sieben Wochen Home-Schooling kehren auch im Murgtal die Abschlussklassen wieder in den normalen Unterricht zurück. Normal ist dieser erste Schultag in Zeiten von Corona allerdings keineswegs.

„Wir haben sämtliche Maßnahmen getroffen, um Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können“, sagt Bernhard Krabbe, Schulleiter des Goethe-Gymnasiums Gaggenau. Die Klassen der Oberstufe sind in Gruppen von maximal zwölf Schülern aufgeteilt, in den Gängen gilt wie vielerorts ein Einbahnstraßen-System, sämtliche Türen sind offen.

Die Sicherheitsmaßnahmen wurden vorab erklärt – sogar per Videoclip

Zudem müssen die Jugendlichen ihren Platz im Klassenzimmer selbstständig desinfizieren. „Der Start heute Morgen war sehr diszipliniert“, freut sich Krabbe. „Die Schülerinnen und Schüler halten sich vorbildlich an die Regeln.“

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Axel Zerrer, Rektor der Realschule Gaggenau, spricht ebenfalls von einem guten Auftakt. „Die Schüler wussten ja, was auf sie zukommt. Überrascht war keiner“, sagt er. Neben der ausführlichen schriftlichen Information hat sich die Schulleitung etwas Besonderes ausgedacht: In drei selbstgedrehten Clips über das Videoportal TikTok zeigen Lehrer, wie man den Weg zu seinem Klassenzimmer findet oder welche Regeln für die Pause gelten.

Schüler tragen teilweise freiwillig Schutzmasken

Den Prüflingen scheint der Ernst der Lage indes durchaus bewusst zu sein: Viele halten sogar größeren Abstand als vorgeschrieben, einige tragen freiwillig Gesichtsmasken – so auch an der Handelslehranstalt Gernsbach. „Bei uns kamen sehr viele Schüler mit Maske an“, bestätigt die stellvertretende Schulleiterin Christine Schwab.

Zwar gebe es keine Maskenpflicht, wohl aber eine dringende Empfehlung für die Pause und den Flur. Da die Desinfektionsspender an der HLA noch fehlen, hat Schwab die Schüler vor Unterrichtsbeginn mit einem Desinfektionsspray begrüßt. „Viele kommen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, deshalb ist die Desinfektion enorm wichtig“, sagt Schwab.

Desinfektionsspender und Hygieneregeln sind beim Betreten der Johann-Belzer-Schule nicht zu übersehen. | Foto: Johann-Belzer-Schule

Die meisten freuen sich, wieder in die Schule zu dürfen

Trotz der überall hohen Sicherheitsvorkehrungen freuen sich die meisten Schüler, wieder in den Unterricht gehen zu können – zumal das Lernen zu Hause nicht immer gut funktioniert hat. Große Angst vor einer Infektion haben nur wenige.

Zu Beginn war die Wiedersehensfreude so groß, dass die Abstandsregeln kurzzeitig in Vergessenheit gerieten.

Oliver Hintzen, Rektor Johann-Belzer-Werkrealschule Weisenbach

„Zu Beginn war die Wiedersehensfreude so groß, dass die Abstandsregeln kurzzeitig in Vergessenheit gerieten“, berichtet Oliver Hintzen, Schulleiter der Johann-Belzer-Werkrealschule in Weisenbach. Er habe zudem festgestellt, dass viele Schüler nach der langen Pause Redebedarf hätten.

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Deshalb seien auch Schulsozialarbeiter vor Ort. Realschulrektor Zerrer hält den direkten Kontakt vor den Abschlussprüfungen in zwei Wochen ohnehin für sehr wichtig. „Neben den Inhalten geht es auch darum, die Schüler mental zu unterstützen“, sagt er. „Die Lehrer versuchen jetzt, ihre Schüler richtig zu motivieren und bestmöglich vorzubereiten.“

Große Umstellung auch für die Lehrer

Apropos Lehrer: Für sie ist der Unterricht in der Corona-Krise ebenfalls ungewohnt. „Die Kollegen müssen sich gewaltig umstellen“, meint etwa Bernhard Krabbe. Dem Schüler mal eben direkt an dessen Platz die Mathe-Formel erklären? Nicht möglich. Nur Frontalunterricht aus sicherer Distanz ist erlaubt. Zudem hat jeder Lehrer die eigene Kreide dabei. Trotzdem habe er „viele lächelnde Gesichter gesehen“, erzählt Krabbe. Axel Zerrer berichtet von gemischten Reaktionen.

Von Normalität sind wir noch weit entfernt.

Bernhard Krabbe, Schulleiter Goethe-Gymnasium Gaggenau

„Manche haben Bedenken wegen des erhöhten Infektionsrisikos.“ Im Falle einer Infektion müsste sofort das Gesundheitsamt informiert werden, das dann weitere Schritte einleitet. Die Rektoren im Murgtal hoffen aber, dass alle gesund bleiben – wohl wissend, dass sie die Sicherheitsvorkehrungen noch länger begleiten werden. „Von Normalität sind wir noch weit entfernt“, betont Krabbe.