Ihr Lieblingsplatz ist der kleine Gartenteich bei der Terrasse: Dieter Knittel, der am Sonntag, 8. September, 70. Geburtstag feiert, und Gattin Ingeborg Knittel-Gosing im trauten Heim. | Foto: Dorscheid

Dieter Knittel wird 70

Für einige ist er noch „Herr Bürgermeister“

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Ob er in der Stadt immer noch mit „Herr Bürgermeister“ angesprochen wird? Dieter Knittel sitzt entspannt auf seiner Terrasse und schmunzelt: Ja, meint er, das kommt in der Tat noch vor. Er ergänzt dann immer und sagt: „a. D.“ Außer Dienst ist der langjährige Rathauschef, der drei Amtszeiten oder 24 Jahre lang die Geschicke Gernsbachs mitgeprägt hat, bereits seit rund zwei Jahren. Am Sonntag, 8. September, feiert er seinen 70. Geburtstag. Die BNN haben ihn besucht.

Den Geburtstag wird er nach eigenen Angaben nicht in Gernsbach, sondern außerhalb und mit Familie und Freunden verbringen. Tags darauf, am Montag, 9. September, freue er sich, wenn er bei einem „Tag der offenen Tür“ zu Hause viele Gäste begrüßen könne. Dass er nunmehr deutlich mehr Zeit für Familie und Freunde hat, genießt er. Und zu den fünf Kindern des Ehepaars Knittel haben sich inzwischen vier Enkel im Alter zwischen zwei und acht Jahren hinzugesellt, für deren Betreuung Oma und Opa sich gerne und oft einspannen lassen.

Mehr zum Thema: Die Verabschiedung von Bürgermeister Knittel

Erstmals ein Sechs-Wochen-Urlaub

Auch für das Reisen ist jetzt deutlich mehr Zeit. So führte der erste wirklich lange Trip („Sechs Wochen im Urlaub waren wir vorher noch nie“) im vergangenen Jahr nach Kanada; auch für das Skifahren („Meine große Leidenschaft“), etwa im geliebten Schweizer Wallis, ist jetzt genügend Muße. Rückblick: Durchaus überraschend setzt sich der damalige Herausforderer Dieter Knittel bei der Gernsbacher Bürgermeisterwahl im Herbst 1993 gegen den Amtsinhaber Wolfgang Müller durch: Im zweiten Wahlgang hat Knittel mit 51,6 Prozent die Nase vorne, Müller kommt auf 48,2 Prozent. Bei den zwei weiteren Wahlgängen 2001 und 2009 gibt es keinen Herausforderer, der Knittel hätte ernsthaft gefährden können.

Ehrenamt ist ihm wichtig

Nach drei Amtszeiten tritt der damals 68-Jährige zur Bürgermeisterwahl im Jahr 2017 nicht mehr an; zu seinem Nachfolger wird Julian Christ gewählt. Mit anhaltendem Applaus wird der gebürtige Bad Herrenalber Dieter Knittel, der in Bad Säckingen aufwuchs, am 30. September 2017 in der proppenvollen Gernsbacher Stadthalle aus dem Amt verabschiedet. Ehrenämter hat er in seiner Dienstzeit schon ausgeübt, auf diesem Feld ist er weiterhin aktiv. Am meisten Zeit beanspruche das SPD-Kreistagsmandat („Die Wiederwahl hat gutgetan, aber der Fraktionsvorsitz stand nicht auf meiner Agenda“). Nach wie vor ist er Vorsitzender des Bezirks Murgtal im Blasmusikverband Mittelbaden; Knittel gehört ferner dem Vorstand des evangelischen Mädchenheims an. Aktiv ist er zudem im Forum Zehntscheuern, bei der Gernsbacher Kulturgemeinde und dem Verein Kunstweg Reichenbachtal. Es hätte noch einiges mehr sein können: „Ich musste wirklich abwehren“, betont der Altbürgermeister. „Ich bin immer noch beschäftigt, aber das ist jetzt etwas Anderes als zusätzlich zu einem anstrengenden Hauptberuf. Außerdem habe ich immer für ein Ehrenamt geworben, deshalb will ich selbst ein Beispiel geben.“

Frau Knittel sitzt am Ratstisch

Knittel betont aber auch, sich aus kommunalpolitischen Themen heraushalten zu wollen. „Dazu äußere ich mich nicht mehr, weil ich das nicht möchte. Meine Zeit, was Kommunalpolitik in Gernsbach angeht, ist vorbei.“ Auch wenn er weiterhin in der Stadt auf eben solche Fragen angesprochen werde.
Allerdings: Verschwinden wird der Name Knittel sicher nicht aus der Kommunalpolitik in der Alten Amtsstadt; Gattin Ingeborg Knittel-Gosing, ebenfalls Parteimitglied, hat auf der SPD-Liste bekanntlich den Sprung in den Gemeinderat geschafft. „Es war nicht von mir gesteuert, dass sie kandidierte“, betont der Gemahl, der im BNN-Gespräch andeutet, dass ihre Entscheidung, zur Kommunalwahl im Mai diesen Jahres anzutreten, dann doch die ein oder andere Diskussion im Hause Knittel entfacht habe.