Doppelter Abschied: Die Lukasgemeinde geht in der fusionierten evangelischen Kirchengemeinde Gaggenau auf, und Pfarrerin Andrea Kampschröer verlässt auf eigenen Wunsch Gaggenau.
Doppelter Abschied: Die Lukasgemeinde geht in der fusionierten evangelischen Kirchengemeinde Gaggenau auf, und Pfarrerin Andrea Kampschröer verlässt auf eigenen Wunsch Gaggenau. | Foto: Dorscheid

Pfarrerin verlässt Gaggenau

„Für mich ist der Wechsel die richtige Entscheidung“

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Die „Berufsehe“ mit ihrer Pfarrkollegin Helga Lamm-Gielnik hätte für eine gedeihliche Fusion passen müssen, sie hat aber aus Sicht von Andrea Kampschröer menschlich nicht gepasst. Kampschröer verlässt Gaggenau auf eigenen Wunsch und tritt eine Pfarrstelle in Walzbachtal-Jöhlingen an. Am Sonntag, 11. März, wird die evangelische Pfarrerin gemeinsam mit ihrem Mann Heribert Kampschröer, der katholischer Theologe ist, feierlich von der evangelischen Kirchengemeinde Gaggenau verabschiedet.

Dienstantritt war Juli 2013

Andrea Kampschröer hatte im Juli 2013 ihren Dienst als Pfarrerin der Lukasgemeinde (zuständig für Ottenau, die Sommerhalde, Hörden, Selbach und Sulzbach) angetreten. Die Fusion der evangelischen Kirchengemeinde Gaggenau hat sie als Vorsitzende des Lenkungsausschusses mitgeprägt. Im BNN-Interview geht sie auf die Gründe ihres Abschieds und den Zusammenschluss der Kirchengemeinden in Gaggenau ein.

Wie fällt Ihre persönliche Bilanz nach insgesamt viereinhalb Jahren in Ottenau aus?

Kampschröer: Das möchte ich aufteilen: Zu den ersten dreieinhalb Jahren als Pfarrerin der Lukasgemeinde kann ich nur sagen: Es hat nicht besser sein können. Ich bin mit offenen Armen empfangen worden und ich habe alles sehr gerne gemacht – seien es Hausbesuche, Schulunterricht oder Konfirmandenbetreuung. Das letzte Jahr war durch den Fusionsprozess geprägt, wobei ich diesen Weg zu 100 Prozent für richtig und wichtig halte. Auf meine Initiative hin wurde der Lenkungsausschuss ins Leben gerufen, dessen Vorsitz ich jetzt an Cornelia Becker abgegeben habe.

Gibt es das eine schöne Erlebnis in Ihrer Zeit hier, auf das Sie später gerne zurückblicken werden?

Kampschröer: Als ein Highlight fällt mir spontan die Kirchentour de Murg im vergangenen Sommer mit Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh ein. Und es hat viele wunderbare Begegnungen mit Jugendlichen im Konfirmandenunterricht gegeben.

Als Vorsitzende des Lenkungsausschusses sind Sie mittendrin im Fusionsprozess, der von zuvor drei Gemeinden hin zu einer vereinigten evangelischen Kirchengemeinde Gaggenau führt. Wie haben Sie diesen Abschnitt persönlich erlebt?

Kampschröer: Die drei ehemaligen Gemeinden haben eine unterschiedliche Trauerkultur, wie der Fusionsprozess gezeigt hat. Bei uns in der Lukasgemeinde gab es viel Traurigkeit, aber wenig Wut. Ich kann aber die Wut von Menschen durchaus auch verstehen, und es tut mir auch leid für die Menschen, die das Ganze nicht nachvollziehen können.

Was genau sind die Gründe für Ihren Weggang?

Kampschröer: Ich weiß, dass man für einen Fusionsprozess ein Pfarrteam braucht, das gerne und mit Lust zusammenarbeitet – und das ist hier nicht der Fall. Im vergangenen Jahr war ich längere Zeit krank, und das hat mir eindringlich gezeigt: Achte auf Dich! Für mich ist der Wechsel die richtige Entscheidung. Denn hier ist es nun eine Gemeinde mit einer Dienstgruppe – aber die Frage ist doch, ob dafür die beiden Personen zusammenpassen.

Daran anknüpfend: Ihr Verhältnis zu Pfarrerin Helga Lamm-Gielnik, mit der Sie das Pfarrteam bilden, gilt als sehr belastet. Ist dies der Hauptgrund für Ihren Abschied?

Kampschröer: Es funktioniert einfach nicht. Eine Art Berufsehe, wie wir sie eingehen müssen und die wir schon geworden sind, passt nicht.

Anfang Februar wurde Ihr Wechsel bekanntgegeben, bereits am 15. März treten Sie die neue Stelle an, was einigen doch als ziemlich plötzlich vorkommt…

Kampschröer: Nach außen hin mag es durchaus so aussehen, aber der Kirchengemeinderat wusste es bereits seit Oktober, als ich mit der Suche angefangen habe. Und im Übrigen: Ich wechsle ja nicht meinen Arbeitgeber.

Das Pfarramt in Ottenau fällt weg, das Gemeindezentrum wird verkauft – ist Ottenau neben Bad Rotenfels der Verlierer der Kirchenfusion?

Kampschröer: Das finde ich nicht – im Gegenteil: Wir gewinnen alle durch die Fusion. Nehmen Sie zum Beispiel die gemeinsame Sommerkirche vom letzten Jahr, sie ist ein Gewinn für alle. Es tut mir leid, dass das Gemeindezentrum Ottenau verkauft wird, aber ich sehe auch, dass die Mitglieder des Seniorenkreises die Treppen fast nicht mehr hochkommen. Wenn wir ein großes Gemeindehaus haben werden, wird das ein Gewinn für alle sein. Früher hatten wir vier Gottesdienste am Wochenende, jetzt noch einen oder zwei, aber jetzt kommen die Menschen zu Begegnungen zusammen. Im Übrigen: Zwei volle Pfarrstellen für 4 700 Gemeindemitglieder reichen aus.

Wie sieht Ihre Erwartung an die neue Stelle in Walzbachtal-Jöhlingen aus?

Kampschröer: Es fühlt sich für mich dort so an wie hier am Anfang in der Lukasgemeinde. Es ist eine kleine Diasporagemeinde, die sehr offen ist und zu der die Menschen auch von außerhalb kommen. Mein Vorgänger hat mir gesagt: Sie können hier alles ausprobieren. Wir werden uns zusammensetzen und versuchen, in Offenheit Gemeinde zu leben. Im Übrigen wird es eine Dreiviertelstelle sein: Zu einem Viertel werde ich Krankenhausseelsorgerin in Bretten – ein neues Feld für mich.

Ihr Ehemann Heribert ist katholischer Theologe und Trauerbegleiter – hat diese Konstellation eigentlich jemals Auswirkung auf Ihre Amtsführung als evangelische Pfarrerin gehabt?

Kampschröer: Die Konstellation hat meinen Horizont erweitert, zum Beispiel beim Verständnis des Abendmahls. Die Frage der Konfession wäre ganz sicher bei einem gemeinsamem Kind aufgeworfen worden. Das ist aber nicht der Fall – wir sind beide in zweiter Ehe verheiratet und haben beide zwei Kinder mit in die Ehe gebracht.