Schweres Schicksal: Joanna Kühn leidet seit vielen Jahren an Magen-Darm-Problemen und musste mehrfach operiert werden. Im Internet bittet die junge Gaggenauerin um Spenden.
Schweres Schicksal: Joanna Kühn leidet seit vielen Jahren an Magen-Darm-Problemen und musste mehrfach operiert werden. Im Internet bittet die junge Gaggenauerin um Spenden. | Foto: Privat

Journalismus zeigt Gesicht

Gaggenau: Berichterstattung gibt neue Hoffnung

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In Zeiten von Falschmeldungen und erstarkendem Rechtspopulismus ist das Vertrauen der Menschen in unabhängige Berichterstattung sehr wichtig – gerade auch im Lokalen. In der Kampagne „Journalismus zeigt Gesicht“ werden ausgewählte Journalisten vorgestellt, die direkt vor Ort im Einsatz sind – wie Dominic Körner.

Es gibt Geschichten, die ein Redakteur mit nach Hause nimmt. Die trotz journalistischer Distanz unter die Haut gehen. Wie die von Joanna Kühn. Im Februar 2019 kommt die junge Gaggenauerin in die Redaktion. Bleich, schwach und mit müdem Blick.

Joanna Kühn, Mitte Zwanzig, hat eine schier endlose Leidensgeschichte hinter sich: In ihrer Krankenakte stehen das Dunbar-Syndrom, eine Magenlähmung, ein Knochentumor, das Budd-Chiari-Syndrom, eine Fehlbesiedelung im Dünndarm, ein Aneurysma. Und mehr. Die Befunde liegen den BNN vor.

Wegen schwerer Magen-Darm-Probleme bringt die junge Frau ab 2010 mehr als 200 Arzttermine, unzählige Operationen und Untersuchungen hinter sich. Jahrelang muss sie auf eine Diagnose warten. Joanna Kühn verliert 40 Kilogramm, wird arbeitsunfähig. Sie verschuldet sich, weil ihre Krankenkasse nicht für ihre Medikamente zahlt.

Leserspenden lindern die Not

In ihrer Verzweiflung bittet die Gaggenauerin im Netz um Hilfe. Auf einer Crowdfunding-Plattform startet sie einen Spendenaufruf. Dort stoßen die BNN auf ihre Geschichte und – wie auch in anderen Fällen – unterstützen sie. Der Verlag nutzt seine Reichweite, um auf die Not von Joanna Kühn aufmerksam zu machen. Mit Erfolg: Nach der Veröffentlichung melden sich viele Leser bei der Redaktion. Menschen, die helfen wollen. Joanna Kühn macht das Mut. Innerhalb von wenigen Tagen verdreifacht sich der Spendenstand.

Seit Jahren quälen die Murgtälerin Schmerzen im Darm. Sie kann kaum noch essen, muss ihre Ausbildung abbrechen. Da die Ärzte lange im Dunkeln tappen, vermuten sie psychische Ursachen. „Aus der Schublade kam ich nicht mehr raus“, erzählt Kühn.

Diagnose nach langem Leidensweg

Die junge Frau wendet sich an Jürgen Schäfer, den deutschen „Dr. House“. Der Marburger Arzt ist auf seltene Krankheiten spezialisiert. Er ist Joanna Kühns letzte Hoffnung: „Ich habe mich vor seine Tür gesetzt, bis er sich Zeit für mich nahm.“ Endlich gibt es eine Diagnose: Dunbar-Syndrom. Es wird durch die Einklemmung einer Arterie verursacht. Kühn wird mehrfach operiert.

Die längste OP dauert 13 Stunden. Später wird bei ihr eine Fehlbesiedelung im Dünndarm diagnostiziert. Dort befinden sich Bakterien, die eigentlich im Dickdarm sein sollten. Ein Medikament hilft, aber die Krankenkasse zahlt nicht – weil es in Deutschland nicht zugelassen ist.

98 Tabletten kosten laut Kühn 672,56 Euro. Sie reichen ihr sieben Wochen. Ihren Glauben an ein Leben in Gesundheit hat sie dennoch nicht verloren: „Ich beginne jeden Tag mit einem Lächeln, egal wie schmerzhaft er wird.“

Hier geht es zu Joanna Kühns Spendenkonto.