Die "Enthüllung": Oberbürgermeister Christof Florus (links) gibt zusammen mit Ururenkeln des früheren Rotenfelser Arztes das neue Schild "Dr.-Isidor-Meyerhoff-Straße" frei. | Foto: Schneid-Horn

Straße umbenannt

Gaggenau ehrt den jüdischen Arzt Isidor Meyerhoff

Im Jahr 1938 wurde er, zuvor von Nazischergen brutal zusammengeknüppelt, aus seiner Heimat Rotenfels vertrieben – 80 Jahre später ist ihm mit einer Straßenumbenennung eine späte Ehre zuteil geworden: 19 Nachfahren des jüdischen Arztes Isidor Meyerhoff aus den USA waren am Montag in Gaggenau dabei, als aus der Bruchgrabenstraße nun auch offiziell die „Dr.-Isidor-Meyerhoff-Straße“ wurde.

Früheres Arzthaus stand offen

Zur Umbenennung vor Ort waren neben Oberbürgermeister Christof Florus und Bürgermeister Michael Pfeiffer auch zahlreiche Gemeinderäte sowie viele weitere Repräsentanten des öffentlichen Lebens gekommen. Ebenso der „Arbeitskreis Gedenken“ mit Ulrich Behne an der Spitze, durch dessen Recherchen das Wirken des Arztes Isidor Meyerhoff wie auch die Geschichte der Juden in Gaggenau öffentlich wurden.
Gerold Stefan von der Musikschule Gaggenau und der Realschulchor („We Are The World“) umrahmten die Feierstunde im Außenbereich musikalisch. Andreas Spindler, der heutige Eigentümer des früheren Arzthauses von Isidor Meyerhoff, hatte für die Gäste die Türen in der Murgtalstraße 101 geöffnet und zeigte, was heute noch erhalten ist, zum Beispiel die frühere Durchreiche an der Tür für Rezepte. Isidor Meyerhoff, der im Ersten Weltkrieg für das Kaiserreich als Stabsarzt im Einsatz war, hatte das Haus im Jahr 1920 bezogen.

Zeitzeuge vor Ort

Ein Grußwort sprach auch Alexander Fitterer, Vorsitzender des Heimatvereins Bad Rotenfels; er ging auf die Vorgeschichte der Straßenumbenennung ein, hatte einige Exponate aus damaliger Zeit zusammengetragen und übergab an die Gäste aus den Staaten unter anderem ein Buch über Bad Rotenfels. Zeitzeuge Eugen Glasstetter erzählte, wie er einst als neun Monate altes Baby von Meyerhoff weitsichtig behandelt wurde – und er sprach von einer Begegnung mit einem 91-jährigen Bad Rotenfelser: „Dr. Isidor Meyerhoff war für Rotenfels und Umgebung ein großer Segen“, habe der Senior ihm gesagt. Ellen Radüg hatte eine Fotografie aus dem Jahr 1918 gefunden, das die drei Kinder Meyerhoffs zeigt; Bildkopien verteilte sie jetzt an die Nachfahren.

„Bleibende Verdienste“ von Meyerhoff

Isidor Meyerhoff habe sich als Arzt, der Menschen in Gaggenau, Bischweier und Kuppenheim behandelte, große und bleibende Verdienste erworben, betonte OB Florus in seiner Ansprache. „Ausgezeichnet haben ihn eine große Hilfsbereitschaft, ein mustergültiges Pflichtbewusstsein, eine herausragende Kompetenz sowie auffallende und bemerkenswerte Selbstlosigkeit, gepaart mit einer durchweg sozialen Einstellung, die ihn auch Menschen behandeln ließ, die die Therapie nicht bezahlen konnten.“ Sein segensreiches Wirken hätte sicherlich noch weiterhin Früchte getragen, wären nicht 1933 die Nazis ans Ruder gekommen. Als hochdekorierter Teilnehmer des Ersten Weltkriegs und wegen seiner großen Beliebtheit in der Bevölkerung habe Meyerhoff zwar noch bis 1938 praktizieren können, um dann aber doch in das vernichtende Räderwerk der braunen Machthaber zu gelangen. 1940 starb der verdiente Arzt „in ärmlichen Verhältnissen und gebrochenen Herzens“ in Mannheim.

Nachfahren aus den USA bei der Feier

Zu diesem Zeitpunkt waren zwei seiner drei Kinder bereits emigriert; die jüngste Tochter wurde zusammen mit der Mutter deportiert und überlebte den Krieg nur durch glückliche Umstände, bevor beide in die USA auswanderten. Über den großen Teich sind jetzt für einige Tage Nachfahren von Isidor Meyerhoff zum Akt der Straßenumbenennung nach Bad Rotenfels gekommen. Unter anderem von Mitgliedern des „Arbeitskreis Gedenken“ werden sie während ihres Aufenthaltes privat beherbergt. Mit bewegten Worten schilderte Susan Baum, wie Carol Weiß eine Enkelin des verdienten Arztes, wie sie 1967 erstmals Gaggenau besucht habe. Am Rotenfelser Bahnhof angekommen, sei sie mit einer Frau ins Gespräch gekommen – und die habe ihr berichtet, wie viel Gutes sie über den Arzt Meyerhoff gehört habe. Für die US-Bürgerin Susan Baum ein unvergessliches Erlebnis.

OB würdigte Ulrich Behne

Dem pensionierten Gymnasiallehrer Ulrich Behne und seinen Mitstreitern sei es zu verdanken, so OB Florus in seiner Rede, dass die Erinnerung an den unvergessenen Mediziner nicht erloschen sei. Mit seiner grundlegenden Forschungsarbeit über die Juden in Gaggenau habe Behne das Fundament für die Stolpersteine-Aktion in Gaggenau gelegt. Schüler der Realschule helfen bei der Reinigung der Stolpersteine und legen zum Gedenken an die Verfolgten Blumen nieder. Über diese Aktion, über die auf der Homepage der Realschule berichtet wurde, entstand dann der Kontakt zu den in den USA lebenden Nachfahren des Arztes Isidor Meyerhoff.