Großer Wurf: Der Orientexpress, hier um 1901 mit Georg Wiss, Franz Lipfert und Theodor Bergmann (hinten rechts) war bei seiner Erfindung der erste markenfähige Benzin-Kraftwagen.
Der Orientexpress, hier um 1901 mit Georg Wiss, Franz Lipfert und Theodor Bergmann (hinten rechts) war bei seiner Erfindung der erste markenfähige Benzin-Kraftwagen. | Foto: Archiv Dieter Bastian

Korso und Bandkonzerte geplant

Gaggenau feiert 125 Jahre Automobilgeschichte

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Mit einem Jubiläumskorso und Konzerten feiert die Stadt Gaggenau am Samstag, 7., und Sonntag, 8. September, 125 Jahre Automobilgeschichte. Organisatorin Heidrun Haendle vom Kulturamt rechnet mit einem großen Besucherandrang auf der Festmeile, die sich vom Marktplatz bis zum Kirchplatz an St. Josef erstrecken wird. Zu den kulturellen Höhepunkten zählen Auftritte von den Moonlights und Elvis-Imitator Eric Prinzinger. Das Fest-Motto lautet: „Gaggenau voll in Fahrt.“

„Wir sind stolz darauf, dass hier Automobilgeschichte geschrieben wurde“, erklärte OB Christof Florus bei der Programmvorstellung gegenüber Pressevertretern am Dienstag. In der Benz-Stadt wurde 1923 der erste Diesel-Lkw der Welt mit einer Nutzlast von fünf Tonnen gebaut.

Gaggenauer entwickelt ersten marktfähigen Benziner

Zudem gilt der Gaggenauer Theodor Bergmann als einer der bedeutendsten Industriepioniere Deutschlands. Gemeinsam mit dem Ingenieur Joseph Vollmer entwickelte er 1894 mit dem „Orientexpress“ den ersten marktfähigen Benzin-Kraftwagen. Benannt nach der legendären Eisenbahn, die 1883 erstmals von Paris nach Konstantinopel verkehrt war, wurde das revolutionäre Gefährt von den beiden Visionären „im Hinterhof zusammengebaut“, so Florus.

Seltene Automobile rollen durch die Innenstadt

Beim Jubiläumskorso am Sonntag, 8. September, werden neben dem „Orientexpress“ rund 20 weitere Automobil-Raritäten zu sehen sein, darunter mehrere historische Lastwagen. Die Schaufahrt startet um 14.30 Uhr am Benz-Werk und rollt dann Richtung Innenstadt, wo die Fahrzeuge auf Marktplatz empfangen werden. Über die Berliner Brücke und die Bismarckstraße fährt der Korso durch den Kurpark, um sich am Unimog-Museum aufzulösen.

Die neue Murgtal-Band Soulzentrale steht beim Jubiläumsfest zur Automobilgeschichte zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne.
Die neue Murgtal-Band Soulzentrale steht beim Jubiläumsfest zur Automobilgeschichte zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne. Foto: Jens Lingenau | Foto: Schwemin

In der Innenstadt treten die Showtanzgruppe des Goethe-Gymnasiums um 16 Uhr und zum abendlichen Abschluss die unter Federführung von Roland Hasenohr formierte Soulzentrale auf. In das Jubiläumsfest eingebettet werden die „Tour de Gaggenau“ und der „Tag des offenen Denkmals“.

Am Sonntag führt Christel Kinzinger-Korte, die Urenkelin Theodor Bergmanns, durch die nach dem Erfinder benannte Kapelle auf dem Waldfriedhof. Bereits am Samstag um 17 Uhr wird Kinzinger-Korte eine Büste ihres Urgroßvaters enthüllen, die in die Dauerausstellung zur Gaggenauer Automobilgeschichte im Rathaus einziehen soll.

Theater und Musik auf dem Kirchplatz

Das Festprogramm beginnt am Samstag um 15 Uhr und dauert bis Mitternacht. Startschuss am Sonntag ist um 10 Uhr. Ein Blickfang dürfte das Gastspiel der niederländischen Theatergruppe „Tukkerconnexion“ am ersten Festtag werden, die, inspiriert von den Pionieren der Automobilgeschichte, mit viel Humor in die Vergangenheit reist.

Ihr folgen die Band Livingroom auf dem Kirchplatz, die neue Formation „Die Tollenhechte“ und zwei bewährte Publikumsmagneten: die Moonlights um 19.30 Uhr und zum Finale ab 22 Uhr der Murgtäler Elvis, Eric Prinzinger.

Kaffee aus dem Fiat 500

Ergänzend dazu haben die Geschäfte am Samstag bis 18 Uhr geöffnet. Zu den Kuriositäten des Fest-wochenendes, das vom Kulturamt, dem City-Management und der Pressestelle der Stadt Gaggenau gemeinsam organisiert wird, gehört die Bewirtung aus alten Fahrzeugen. So wurde ein Fiat 500 zum Kaffeemobil umgerüstet. Live-Musik auf Wunsch bietet eine Band als „lebende Musikbox“ am Sonntag.

Kommentar
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Visionär

Die Stadt Gaggenau stellt anlässlich des Jubiläums 125 Jahre Automobilbau ein Fest-Wochenende auf die Beine. Damit feiert sie die großen Errungenschaften ihrer klugen Köpfe – und ein wenig auch sich selbst. Stolz trägt sie ihren Spitznamen als „Benz-Stadt“ und dokumentiert damit, wie eng ihr Wachstum mit der Automobil-Industrie, einer deutschen Erfolgsgeschichte, verwoben ist. Mit viel Herzblut haben die Organisatoren ein Programm auf die Beine gestellt, das die Bürger unterhalten und an den Erfindergeist ihrer Vorfahren erinnern soll.

Ansporn für die Zukunft

Der Bau des Gaggenauer „Orientexpress“ markiert einen Meilenstein auf dem Weg zur Entwicklung des massentauglichen Personenkraftwagens. Kaum vorstellbar, mit welch einfachen Mitteln die genialen Tüftler ihre revolutionären Ideen realisierten. Auch in Krisenzeiten der Autoindustrie dürfen vergangene Leistungen gewürdigt werden. Darauf ausruhen sollte sie sich indes nicht.