Verlassenes Grün: Der Murgpark in unmittelbarer Nähe der Gaggenauer Innenstadt bietet ein großes Potenzial zur Naherholung. Die Bevölkerung nimmt ihn bislang aber nicht in dem Umfang an, den sich Verwaltung und Gemeinderat wünschen. Sie wollen die Murg in den kommenden Jahren erlebbarer machen. | Foto: Bracht

Neugestaltung der Murgufer

Gaggenau: Schwimmende Gärten gehen baden

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Wie lässt sich das Gaggenauer Murgufer aufwerten? Diese Frage stellen sich die Stadtverwaltung und der Gemeinderat nicht erst seit gestern. Im laufenden Jahr soll es Antworten geben: „Die Verwaltung hat Planungen entwickelt, mit denen sich der Gemeinderat beschäftigen wird“, teilt Pressesprecherin Judith Feuerer auf BNN-Anfrage mit. Man wolle „die Murg mehr im Leben der Stadt integrieren.“ Der Doppelhaushalt 2019/20 sieht 116 000 Euro für die Planung entsprechender Maßnahmen vor. Im Gemeinderat setzt man auf eine Bewirtung, einen Zugang zum Fluss und Veranstaltungen im Murgpark. Ein Gaggenauer Bürger bringt einen ungewöhnlichen Vorschlag ins Spiel, mit dem Einheimische und Touristen angelockt werden sollen.

Publikumsmagnet statt Schmuddelecke

„Wir müssen das Murgufer aus der Schmuddelecke holen“, betont Andreas Paul. Dem CDU-Fraktionsvorsitzenden ist besonders der Müll im Murgpark ein Dorn im Auge: „Nur mit Rasenmähen ist es nicht getan, die Anlage muss intensiv gepflegt werden.“ Durch eine gesteigerte Aufenthaltsqualität wolle man eine Belebung erreichen. Paul fällt auf, „dass zwar viele Bürger durch den Park laufen, die wenigsten aber dort verweilen.“ Der CDU-Sprecher hofft auf ein Café im ehemaligen Stadthotel, weist aber auf die Abhängigkeit vom dortigen Investor hin: „Mittelfristig erscheint mir das leider nicht realistisch.“ Auch das Angebot öffentlicher Fitnessgeräte nach amerikanischem Vorbild könnte eine Belebung begünstigen, so Paul – allerdings „nur bei einem stimmigen Gesamtkonzept“, etwa integriert in Joggingpfade.

Treppe zur Murg: Spielen die Behörden mit?

„Der Murgpark fristet ein Schattendasein im Rücken der Innenstadt“, bedauert auch SPD-Sprecher Gerd Pfrommer. Es müsse gelingen, „die Murg mehr in den Blick zu rücken.“ Eine dem Ufer zugewandte Ladenzeile sei „wünschenswert, aber unwahrscheinlich.“ Stattdessen kann sich Pfrommer eine Treppe zum Fluss vorstellen, um die Murg erlebbarer zu machen, sieht gleichwohl auch hier ein Problem: „Vielleicht stellt sich das Wasserwirtschaftsamt wegen Hochwasserschutzauflagen quer“, sagt Pfrommer, betont allerdings: „Da müssten wir dran bleiben. Steter Tropfen höhlt den Stein – und in anderen Städten klappt’s auch.“

SPD will Murgpark beleben

Die SPD wolle ihren Beitrag zu Belebung der Murgufer leisten, erklärt Pfrommer, indem sie dort – wie beim Public Viewing zur Fußball-WM 2018 – weitere Veranstaltungen auf die Beine stellt. Eine Neuauflage der Beachparty ist bereits geplant: Sie soll im Vorfeld der Kommunalwahlen im Mai stattfinden. Erfreulich sei die Entwicklung am ehemaligen „Glasshouse“. Im 2018 geschlossenen und wieder eröffneten Restaurant mit Murgblick, das nun den Namen „Spritz“ trägt, werden mittlerweile wieder Speisen angeboten.

Grüne pochen auf Naturschutz

Eric Peplau (Grüne) kündigt unterdessen an, seine Gruppierung werde „mit Argusaugen auf die Einhaltung des Naturschutzes achten.“ Schließlich liege das Murgufer innerhalb eines ausgewiesenen FFH-Gebietes (siehe Grafik), das nach europäischen Richtlinien geschützt werden müsse. Bereits jetzt würde der Murgsee zur Energieerzeugung genutzt. „Für uns Grüne ist das ein zweischneidiges Schwert: Grundsätzlich begrüßen wir die Gewinnung regenerierbarer Energie, die Ausgewogenheit im Verhältnis zum Naturschutz muss aber gewährleistet sein.“

Eine weitere Vitalisierung der Murgufer durch bauliche Maßnahmen lehnt Peplau ab: „Der Naturschutz hat für uns Priorität.“ FDP-Sprecher Theo Gehrmann unterstreicht, es müsse „alles getan werden, um die Murg mehr in das städtische Leben miteinzubeziehen.“ Seine Gruppierung sei „für alle Vorschläge offen.“ Die Freien Wähler gaben auf Anfrage keine Stellungnahme ab.

Schwimmende Gärten am Murgufer?

Sensibler Bereich: Der Gestaltungsspielraum am Murgufer ist begrenzt, da es in einem FFH-Gebiet liegt. | Foto: Körner

Eine außergewöhnliche Idee bringt Daniel Chaventré in die Diskussion ein – und das nicht zum ersten Mal, wie er gegenüber den BNN erklärt: „Schon vor Jahren habe ich im Rahmen einer Bürgerbeteiligung zur Entwicklung Gaggenaus schwimmende Gärten auf der Murg vorgeschlagen. Daraus wurde bis heute nichts.“ Chaventré schwebt nach eigenen Angaben vor, Flöße in Ufernähe auf die Murg zu setzen, auf denen begehbare Gärten angelegt und gepflegt werden. Der Haken: „Man müsste den Fluss stauen, damit er immer ausreichend Wasser führt.“ Alternativ könne man die Flöße auf Pflöcken installieren, wodurch sie bei Niedrigwasser in der Luft hingen. Der Einfall kam dem Franzosen bei der Besichtigung der „Hortillonages“ von Amiens. Dabei handelt es sich um in Feuchtgebieten angelegte Kleingärten, die durch ein Kanalnetz erschlossen sind. „Meine Idee ist ambitioniert“, räumt Chaventré ein, er finde aber, dass man ihr damals „keine Chance“ gegeben habe. „Es hieß: Geht nicht, zu teuer – damit war das Thema durch“, erinnert sich der Gaggenauer.

Stadt tritt auf die Bremse

Auf die Vision der schwimmenden Gärten, die laut Chaventré ein Anziehungspunkt für Einheimische und Auswärtige sein könnten, reagiert die Stadt nach wie vor zurückhaltend. „Aus heutiger Sicht halten wir die Idee für nicht realisierbar“, heißt es aus dem Rathaus. Aufgrund der Lage im FFH-Gebiet würde man für eine Aufstauung des Wassers „mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Genehmigung erhalten“. Ferner würden Flöße die Durchflussbreite der Murg verringern und dadurch den Hochwasserschutz erschweren. „Eine weitere Frage wäre der Umgang mit Bodenbrütern in den Gärten“, teilt die städtische Pressestelle mit Blick auf die Gartenpflege mit.

Gemeinderat befasst sich mit Plänen

Die Verwaltung hat bereits Pläne zur Aufwertung des Murgufers in der Schublade liegen, in die Karten schauen lässt sie sich indes nicht: „Damit soll sich der Gemeinderat in diesem Jahr befassen“. Der Hochwasser- und der Naturschutz würden dabei berücksichtigt.

„Eine verstärkte Freizeitnutzung und stärkere Einbindung der Uferflächen in den Stadtraum sind geplant.“

Die Aufnahme der gesamten Murg und ihrer Ufer in die FFH-Verordnung sieht die Verwaltung, wie berichtet, kritisch. Sie widerspreche den geplanten Nutzungen, hatte Christian Frey, Leiter des Stadtplanungsamtes, im vergangenen Juli kritisiert. Die Uferbereiche zwischen Eisenwerksteg und Murgtalcenter würden von Spaziergängern genutzt. Im Gemeinderat hatte Frey angekündigt: „Eine verstärkte Freizeitnutzung und stärkere Einbindung der Uferflächen in den Stadtraum sind geplant.“