Bürgerwerkstätten sowie Befragungen und Podiumsrunden kennzeichneten das Pilotprojekt „Ein gutes Jahr mehr“ in Gaggenau. Doch nach fast drei Jahren fällt das Fazit ernüchternd aus. | Foto: Archiv Stadtverwaltung

„Ein gutes Jahr mehr“

Gaggenauer Gemeinderat zeigt sich von Projekt enttäuscht

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Die Landesförderung endet zum 30. April, die von der Stadt Gaggenau ausgerufene kommunale Gesundheitsstrategie wird aber weitergeführt. Vor diesem Hintergrund gab es am Montagabend in der öffentlichen Sitzung des Gemeinderats einen Sachstandsbericht von Carmen Merkel zu den (weiter) laufenden Aktivitäten der Stadt sowie von Professor Joachim Fischer einen Abschlussbericht zum Ende der rund dreijährigen Förderung des Pilotprojektes in Gaggenau.

Dieses Projekt stand unter dem griffigen Titel „Ein gutes Jahr mehr“, der zu einer hohen Erwartungshaltung geführt haben dürfte. Weniger griffig sieht es bei den bisher erzielten oder bekannt gegebenen konkreten Ergebnissen aus. Deshalb fielen auch die Bewertungen aus dem Gemeinderat heraus überwiegend kritisch aus. Dem Mannheimer Institut für Public Health der Universität Heidelberg waren vom Land Baden-Württemberg für „Ein gutes Jahr“ Forschungsgelder im Rahmen der Sonderlinie Medizin bewilligt worden.

Selbstkritischer Projektleiter

Projektleiter Fischer, der durchaus auch Selbstkritik übte, betonte, dass die Wissenschaft zwar Anregungen geben, aber selbst nicht handeln könne. Auch würde eine Umsetzung in der Stadt unter Berücksichtigung der politischen Rahmenbedingungen einen größeren Zeithorizont als die – jetzt zu Ende gehende – Projektförderung benötigen, anders ausgedrückt: Sein Institut hätte mehr Zeit benötigt.

Markert hakt nach

Gemeinderätin Ellen Markert (CDU) hakte im Bemühen um konkrete Ergebnisse mehrfach nach; CDU-Fraktionsvorsitzender Andreas Paul stellte die Gretchenfrage („Was ist eigentlich am Ende rausgekommen?“), um selbst die Antwort zu geben, dass man wenigstens in Einzelfragen weitergekommen sei.

Pfrommer: Ergebnis ist ernüchternd

SPD-Fraktionsvorsitzender Gerd Pfrommer sprach davon, dass „das Ergebnis ernüchternd ist“, die Erwartungshaltung viel zu hoch gewesen und der Funke nie übergesprungen sei. Eine Umkehr des Prozesses sei besser: Bestimmte Projekte vorantreiben, um dann, wo es nötig ist, wissenschaftliche Begleitung hinzuzunehmen. In eine ähnliche Richtung argumentierte auch Eric Peplau von den Grünen („Die Transparenz hat gefehlt“), und Jan Stenger von der FWG sah „immerhin eine Bestätigung dessen, was wir gut gemacht haben, etwa die Entwicklung des Helmut-Dahringer-Hauses.“

Es ist nicht so nachvollziehbar, was da läuft.

Gerlinde Stolle, SPD-Gemeinderätin

Allein Theo Gehrmann (FDP) war voll des Lobes über das Wirken der Wissenschaftler („Wir haben viel von Ihrer Arbeit profitiert“), während SPD-Gemeinderätin Gerlinde Stolle an ihre früher bereits geäußerte Kritik anknüpfte: „Es ist nicht so nachvollziehbar, was da läuft.“

Koordinierungsstelle wird derzeit nicht weiterverfolgt

Zuvor hatte Carmen Merkel für die Stadt Gaggenau unter anderem ausgeführt, dass die – früher einmal geplante – Einrichtung einer Koordinierungsstelle für Gaggenauer Unternehmen in Sachen Gesundheitsmanagement „derzeit nicht weiterverfolgt“ werde; die Firmen wollten hierzu keinen finanziellen Beitrag leisten.

Projekt für Schulen wird konkret

Konkret wird dagegen das Projekt „Learn Light“ für die Schulen, das darauf basiert, dass Lernerfolg von unterschiedlichen Parametern abhängig ist. So zeigen neuere Forschungsergebnisse, dass sich Lernerfolge bei optimierten Lichtbedingungen signifikant verbessern, etwa weil die Konzentrationsfähigkeit besser wird. Laut Merkel sind im aktuellen Doppelhaushalt der Stadt 50.000 Euro für „Learn Light“ eingestellt: Für drei Fachräume im Zuge der Erweiterung der Merkurschule Ottenau und für die Ausstattung eines Muster-Klassenzimmers im Pavillon zwei des Goethe-Gymnasiums.