Dicht gedrängt stehen die Zuschauer am Sonntagnachmittag nicht nur am Marktplatz, um einen Blick auf die Raritäten aus 125 Jahren Automobilgeschichte von Gaggenau zu werfen.
Dicht gedrängt stehen die Zuschauer am Sonntagnachmittag nicht nur am Marktplatz, um einen Blick auf die Raritäten aus 125 Jahren Automobilgeschichte von Gaggenau zu werfen. | Foto: Mandic

Autokorso zum Festwochenende

Gaggenauer Oldtimer locken Besucher in die Fußgängerzone

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Gaggenau hat am 7. und 8. September gefeiert. 125 Jahre Automobilgeschichte – dazu war in der Innenstadt einiges geboten. Straßenkünstler begeisterten die Zuschauer und Musiker animierten zum Tanzen. Höhepunkt der Veranstaltung war der Autokorso am Sonntagmittag, bei dem Gaggenauer Raritäten durch die Fußgängerzone rollten.

Graue Abgaswolken hängen in der Luft, es riecht nach Diesel und Benzin und die unterschiedlichsten Hupen tröten durch die Gaggenauer Innenstadt. Der Autokorso ist gestartet. Um halb drei fahren die insgesamt 36 Fahrzeuge am Benz-Werk los. Von dort geht es für sie in gemächlichem Tempo über die Hauptstraße bis hin zum Marktplatz, wo Moderator Stefan Schwaab vom Unimog-Museum auf die Kolonne wartet.

„Wir haben es hier mit betagten Maschinen zu tun“, erzählt Schwaab. „Die letzten Tage hatten wir viel Angstschweiß, weil wir nicht wussten, ob heute wirklich alle laufen.“

LKW L5000 macht Probleme

Und tatsächlich, genau das Lieblingsgefährt von Schwaab hat es nicht geschafft. Eigentlich hätte der Lkw L5000 aus dem Jahr 1951 an neunter Stelle des Korsos mitfahren sollen, dort klafft aber eine Lücke. „Er ist ausgegangen und nicht wieder gestartet“, berichtet Beifahrer Thomas Neuenburger vom Unimog-Museum.

Das ist laut Schwaab nicht verwunderlich. „Das ist wie bei alten Menschen, da funktioniert auch mal etwas nicht so, wie es soll“, sagt er.

Orient-Express ist wettergeschützt

Um weiteren Störungen vorzubeugen, fahren die ältesten Autos an diesem Tag nicht selbst. „Es war Regen angesagt“, erklärt Schwaab. Aus diesem Grund fahren der Orient-Express von 1897 und der Bergmann-„Liliput“ von 1905 auf einem Hänger mit. Und auch der Lkw der Süddeutschen Automobilwerke aus dem Jahr 1909 wird auf einem Tieflader gezogen.

Ein weiteres seltenes Gefährt bleibt ganz stehen. Der Besitzer des Motorrads aus Gaggenauer Produktion ist verhindert. Vor dem City-Kaufhaus kann es dennoch betrachtet werden, während davor die Oldtimer vorbeifahren.

Oldtimer „Kohlenkuli“ und „Tausendfüßler“ sind mit dabei

Da ist beispielsweise ein Fahrzeug der Gaggenauer Feuerwehr mit Baujahr 1938, von den Feuerwehrleuten liebvoll „die Oma“ genannt. Oder ein Omnibus aus dem Jahr 1936, der laut Schwaab „immerhin 90 Stundenkilometer“ schnell ist. Auch der Lkw „Kohlenkuli“ von 1953 rollt durch die Stadt, ebenso wie der 16-Tonnen-Lkw „Tausendfüßler“ von 1960.

Bei derart breiten Gefährten wird es auf dem Marktplatz ganz schön eng. Die Zuschauer stehen in mehreren Reihen, die hintersten stellen sich auf Bierbänke, um einen Blick auf die Fahrzeuge zu erhaschen. Durch den Motorenlärm und die Hupen fällt es manchmal schwer, den Moderator zu verstehen. Aber das stört das Publikum nicht, gefachsimpelt werden kann trotzdem.

Am Ende fahren alle

Damit die Besucher die Fahrzeuge noch besser aus der Nähe anschauen können, bleiben die Oldtimer nach ihrer Fahrt eine Weile in der Fußgängerzone stehen, bevor sie schließlich in den Kurpark weiterfahren. Da bleibt Zeit für das ein oder andere Gespräch mit dem jeweiligen Fahrer des Oldtimers.

Und fast ganz am Ende kommt schließlich auch der anfangs liegen gebliebene L5000. „Der Unimog dahinten hat uns angeschleppt“, verrät Beifahrer Neuenburg.