Chronischer Leerstand: Die oberen Stockwerke des Eisenhöfer-Gebäudes werden seit vielen Jahren nicht mehr genutzt. Das soll sich nun ändern.
Chronischer Leerstand: Die oberen Stockwerke des Eisenhöfer-Gebäudes werden seit vielen Jahren nicht mehr genutzt. Das soll sich nun ändern. | Foto: Körner

Leer und hässlich

Gaggenauer „Schandfleck“ erhält ein neues Gesicht

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Der Weg für die Neugestaltung des alten Eisenhöfer-Gebäudes in Gaggenau ist frei. Wie Bürgermeister Michael Pfeiffer im Gemeinderat mitteilte, hat der Investor am Montag den Vertrag unterzeichnet. Er will an der Ecke der Hauptstraße und der Theodor-Bergmann-Straße bis zu 21 Wohnungen auf fünf Stockwerken bauen lassen.

Bei der Stadt ist man mit der Entwicklung zufrieden: Sie konnte ihre wichtigsten Wünsche in den Vertrag einbringen. Zustimmung kam auch aus den Fraktionen: „Es wird Zeit, dass dieser Schandfleck beseitigt wird“, sagte SPD-Sprecher Gerd Pfrommer.

Das Eisenhöfer-Gebäude, ein ehemaliger Möbelmarkt, wird nur vom Textilmarkt „Kik“ im Erdgeschoss genutzt. Die oberen Stockwerke stehen leer. In den vergangenen Jahren hatten mehrere potenzielle Interessenten das Eisenhöfer-Gebäude prüfen lassen. Im Gemeinderat war man sich einig: „Wohnraum wird dringend gebraucht“, betonten Heike Röhlen (Grüne) und Armin Kellert (AfD).

„Das Gebäude im derzeitigen Zustand passt nicht zur Gaggenauer Innenstadt“, unterstrich Martin Hahn (FWG). Er sei „zufrieden, dass der unschöne Blickfang verschwindet“. Zustimmung signalisierte auch die FDP, wobei Theo Gehrmann von einem „nicht unproblematischen Investor“ sprach.

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Im ehemaligen „Glasshouse“ soll eine Shisha-Bar eröffnet werden

Dessen Pläne, auf der anderen Straßenseite im ehemaligen „Glasshouse“ eine Shisha-Bar zu eröffnen, hatten im Gemeinderat nicht gerade Freudenstürme ausgelöst. Die neue Konzeption für das Gebäude, und damit auch den Bebauungsplan, goutierte das Gremium indes einstimmig. In den kommenden Jahren sollen dort auf fünf Stockwerken Wohnungen mit einer Größe von 60 bis 120 Quadratmetern entstehen.

Gebäude soll um ein Stockwerk erhöht werden

Geplant ist eine Erhöhung des Gebäudes um ein Stockwerk. Im fünften Geschoss werden Penthouse-Wohnungen gebaut, das Erdgeschoss soll weiter für den Einzelhandel genutzt werden. Möglich seien ein Um- wie auch ein Neubau, informierte Stadtplanerin Lisa Niegel den Gemeinderat. Sicher ist: „Die maximale Gebäudehöhe beträgt 19 Meter.“

Für die Stadt Gaggenau bietet sich die Chance, Wohnungsbau in unmittelbarer Zentrums- und Bahnhofsnähe realisieren zu lassen. Auch ist es ihr gelungen, in Verhandlungen mit dem Investor eigene Wünsche einzubringen.

Er ist dazu verpflichtet, in den kommenden zehn Jahren zwei Ladesäulen für Elektro-Autos zu installieren – eine auf dem Grundstück, eine weitere in einem Umkreis von maximal 150 Metern. „Der genaue Standort muss noch gefunden werden“, sagte Michael Pfeiffer.

Außerdem stellt der Investor den künftigen Bewohnern ein Fahrzeug zum Carsharing zur Verfügung. Der Stellplatzschlüssel beträgt 1,1 pro Wohnung. Eine Tiefgarage, wie von der Stadt gewünscht, wird es aus wirtschaftlichen Gründen voraussichtlich aber nicht geben. Stattdessen entstehen auf dem Grundstück Carports, Stellplätze und Garagen, wodurch sich der bereits jetzt spürbare Parkplatz-Engpass an der Hauptstraße zumindest nicht verschärfen soll. „Eine Tiefgarage hätten wir gerne gehabt“, räumte Martin Hahn ein, „aber es können nicht immer alle Wünsche in Erfüllung gehen.“

Dächer werden begrünt

Die Dächer des Gebäudes und der Garagen werden begrünt. Auch das war ein städtisches Anliegen. „Wir haben viele Ideen in den Bebauungsplan einbringen können“, freute sich deshalb auch CDU-Sprecher Andreas Paul. Gute Nachrichten brachte das Lärmschutz-Gutachten für die Anwohner: Demnach muss der Investor an der Zu- und Abfahrt sowie an den Carports Lärmschutzwände bauen lassen.

Kommentar
Die Revitalisierung des Eisenhöfer-Gebäudes in Gaggenau hat die nächste Hürde genommen: Bereits am Montagmittag brachte die Stadt den Vertrag mit dem Investor unter Dach und Fach. Wenige Stunden später verabschiedete der Gemeinderat den Bebauungsplan.
Im Rathaus hat man Grund zur Freude: Der Stadtverwaltung ist es in den Verhandlungen gelungen, viele ihrer Wünsche im Vertragswerk zu verankern. Das Modell, Investoren zur Installation von Elektro-Ladesäulen zu verpflichten, könnte Schule machen. Gleiches gilt für das Carsharing-Angebot. Beides sind klare Bekenntnisse zur Verkehrswende. Sie kann nur gelingen, wenn die Infrastruktur für die E-Mobilität gestellt wird – was bislang längst nicht allenthalben der Fall ist.
Die nördliche Innenstadt, darüber sollte kein Zweifel bestehen, wird durch das Bauprojekt aufgewertet. Im Ensemble mit dem Murgtalcenter und dem modernen Restaurant-Würfel am Flussufer wirkte der Eisenhöfer-Bau, auch wenn er im Erdgeschoss noch genutzt wird, ohnehin wie ein Relikt längst vergangener Tage. Nun blickt man in der Benz-Stadt nach vorne: In Zentrumsnähe entstehen bis zu 21 Wohnungen, die dringend benötigt werden.
Ob die Shisha-Bar im benachbarten „Glasshouse“ den Standort attraktiver macht oder nicht, muss jeder für sich entscheiden. Ein Problem dürfte bleiben – trotz Garagen, Stellplätzen und Carports: Die Parkplatz-Situation an der nördlichen Hauptstraße wird sich kaum entspannen.
Die große Lösung einer Tiefgarage bleiben Stadt und Gemeinderat wohl versagt. „Man kann nicht alles haben“, lautete dazu der Tenor im Gemeinderat – und recht haben die Bürgervertreter. Eine deutliche Verbesserung des Ist-Zustandes bringen die Investorenpläne allemal.