Manfred Schmalzbauer ist Vorsitzender des Vereins der Hundefreunde Gaggenau und Umgebung 1918 e.V. (kurz VdH Gaggenau). Er berichtet ym 19.02.2020 von der Begleithundeprüfung. Worauf es ankommt, zeigt er mit seinem Hund Duc.
Hoch konzentriert wartet Manfred Schmalzbauers Hund Duc auf das nächste Kommando. Er gehorcht aufs Wort – und genau darauf kommt es an. | Foto: Christiane Widmann

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Gaggenauer Verein der Hundefreunde spricht sich für Begleithundeprüfung aus

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1.573 Hunde sind derzeit bei der Stadt Gaggenau gemeldet – fast 250 mehr als noch vor zehn Jahren. Kommandos wie „Sitz“, „Platz“ und „Hierher“ dürfte so gut wie jedes dieser Tiere kennen. Allzu häufig hapert es jedoch am Gehorsam, beobachtet Manfred Schmalzbauer. Er ist der Vorsitzende des Vereins der Hundefreunde Gaggenau und Umgebung. „Eigentlich sollte jeder die Begleithundeprüfung machen“, sagt er deshalb. „Im eigenen Interesse, im Interesse des Hundes und im Interesse der Umwelt.“

Neben rechtlichen Fragen geht es ihm um eine artgerechte Haltung: Für Hunde bedeute es Lebensqualität, sich ohne Leine (oder gar Maulkorb) zu bewegen. Das geht aber nur, solange sie aufs Wort gehorchen und sozialverträglich sind.

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Schlecht ausgebildete Hunde gehören zum Alltag

Doch Manfred Schmalzbauer sieht immer wieder Hunde, die taub für Rufe und Pfiffe über Wiesen jagen, an der Leine zerren oder an Fremden hochspringen.

Er bemerkt auch fehlende Umweltgewöhnung. Zum Beispiel, wenn Hunde auf klingelnde Radfahrer verschreckt oder aggressiv reagieren. „Das hat er noch nie gemacht“ drückt dann nach seiner Einschätzung vor allem eines aus: Der Besitzer kennt seinen Hund in solchen Reizlagen nicht.

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Grundausbildung und kontinuierliches Gehorsamstraining sind wichtig

Sinnvoll findet er deshalb eine solide Grundausbildung für Welpen und Junghunde sowie ein kontinuierliches Gehorsamstraining. Alle drei bietet der Verein an – ebenso wie die freiwillige Begleithundeprüfung. Diese nehmen Richter des Südwestdeutschen Hundesportverbands zweimal im Jahr ab. Teilnehmen können Halter mit Hunden, die mindestens 15 Monate alt sind.

Informationsnachmittag zur Begleithundeprüfung 
Am Samstag, 29. Februar, bietet der Verein der Hundefreunde Gaggenau und Umgebung um 13 Uhr ein Sondertraining an. Es richtet sich an Halter, die in absehbarer Zeit eine Begleithundeprüfung ablegen wollen. Die Übungsleiter erklären, was die Prüfungsordnung verlangt und geben Einzeltrainings.
Der Verein bietet zwei Prüfungstermine pro Jahr an. 2020 sind das der 3. Mai und der 18. Oktober. Wer teilnehmen will, muss Mitglied in Gaggenau oder in einem anderen Verein im Verband für das Deutsche Hundewesen sein. Für Mitglieder vor Ort ist die Prüfung kostenlos.
Nähere Informationen gibt es auf der Webseite vdh-gaggenau.de.

Gaggenauer Absolventen winkt eine Steuerermäßigung. Diese dient laut Stadtsprecherin Judith Feuerer dem Zweck, „das Zusammenleben durch geschulte Hundehalter und trainierte Hunde zu verbessern.“ Weitere Ermäßigungen gibt es für speziell ausgebildete Tiere wie Blinden- und Rettungshunde.

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Nur wenige Teilnehmer bei Begleithundeprüfung

Doch obwohl der Verein seinen 550 Mitgliedern die Teilnahme bezahlt, melden sich pro Jahr nur zehn bis 15 Prüflinge an. Ein Grund sei der Zeitaufwand, vermutet Schmalzbauer. Es sparen auch nur diejenigen nennenswert bei der Hundesteuer, die zwei Tiere haben: 84 Euro. Sonst sind es nur neun Euro.

Inhaltlich ist die Begleithundeprüfung nahe an einem Hundeführerschein dran, wie er etwa in Niedersachsen erforderlich ist. Halter müssen im Theorieteil ihre Sachkunde nachweisen. Im Praxisteil sollen sie zeigen, dass sie die Kontrolle über ihr Tier haben.

Manfred Schmalzbauer ist Vorsitzender des Vereins der Hundefreunde Gaggenau und Umgebung 1918 e.V. (kurz VdH Gaggenau). Er berichtet ym 19.02.2020 von der Begleithundeprüfung. Worauf es ankommt, zeigt er mit seinem Hund Duc.
Eine Prüfungsaufgabe ist, einen Hund – hier Manfred Schmalzbauers Hund Duc – zu rufen. Er muss sofort kommen. | Foto: Christiane Widmann

Hundeführerschein ist bislang kein Thema in Gaggenau

Die Hunde wiederum müssen beispielsweise gelassen bleiben, wenn sie Joggern begegnen oder wenn sie eine Gruppe einengt. Sie dürfen auch keine Hunde ankläffen, während sie vor einem Geschäft warten.

Ein Hundeführerschein ist in Gaggenau bislang kein Thema. „Aus Sicht der Verwaltung würden wir es begrüßen, wenn es eine solche allgemeingültige, gesetzliche Regelung geben würde“, sagt Judith Feuerer. Zwischenfälle hingen oft mit Fehlverhalten der Besitzer zusammen. Unabhängig von der Rasse und noch vor dem Kauf sei „die Vermittlung solcher Kenntnisse deshalb sehr sinnvoll.“

Auch Schmalzbauer findet einen verpflichtenden Hundeführerschein grundsätzlich vernünftig. Doch es sei Sache der Politik, Aufwand und Zumutbarkeit für Besitzer, Behörden, Vereine und Hundeschulen abzuwägen.

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