Viele Wege führen den Fels hinauf: Die Gausbacher Kletterwand am Rappenfelsen hat sich zu einem beliebten Ausflugsziel für Freizeitsportler entwickelt. Sie bietet vielfältige Routen und ist gut erreichbar.
Viele Wege führen den Fels hinauf: Die Gausbacher Kletterwand am Rappenfelsen hat sich zu einem beliebten Ausflugsziel für Freizeitsportler entwickelt. Sie bietet vielfältige Routen und ist gut erreichbar. | Foto: Peter Finkbeiner

Schutzmaßnahmen in Forbach

Gausbacher Kletterfelsen: Spagat zwischen Naturschutz und Freizeitangebot

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Seit mehr als vierzig Jahren erklimmen Freizeitsportler die Rappenfelsen in Forbach-Gausbach. 45 Routen haben sie mittlerweile eingebohrt, manche leicht, andere herausfordernd. Sie tragen so klingende Namen wie „Kleiner König Kallewisch“ oder „Grande Bambini“ und führen bis zu 35 Meter in die Höhe. Doch neue Strecken wird es nicht geben.

Der Grund ist der aktuell noch im Entwurfsstadium befindliche Managementplan für das FFH-Gebiet „Unteres Murgtal und Seitentäler“, ein 2.000 Hektar großes Natur- und Landschaftsschutzgebiet.

Er schreibt Maßnahmen zum Schutz der Arten und ihrer Lebensräume fest. Dazu wird nicht nur gehören, die Zugangsbereiche zur Murg als Schutzgebiet zu kennzeichnen und zu kontrollieren. Sondern auch, die Kletterer in Gausbach auf bestehende Routen zu beschränken.

Vorgesehen sind Informationstafeln und Kontrollen

Neue Schilder sollen über das FFH-Gebiet, die Touren und das Kletterverbot in Nist- und Brutzeiten informieren. Außerdem soll die Gemeinde Forbach Kontrollen ansetzen.

Peter Finkbeiner findet es nicht schlimm, dass es keine neuen Routen gibt. Er gehört zur Kletter-Community in Forbach, die die Anlage nicht nur nutzt, sondern mit Unterstützung des Deutschen Alpenvereins und der Gemeinde Forbach auch säubert und sichert.

Zwar gebe es durchaus Platz für weitere Strecken, aber die vorhandenen Wege nach oben reichten aus, sagt er.

Finkbeiner wünscht sich jedoch, dass auf den Infotafeln nicht nur Verbote Platz finden, sondern auch praktische Hinweise für Besucher. Zum Beispiel: Was dürfen Kletterer? Wo können sie parken? Was können sie in der Nähe unternehmen? Und wo gibt es Toiletten?

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Rappenfelsen sind auch überregional beliebt

Denn die Felsen locken nicht nur Sportler aus der Umgebung, sondern auch ortsfremde Ausflügler aus Freudenstadt, Karlsruhe und weit darüber hinaus. „Das ist neben dem Grafensprung in Gernsbach mit Abstand der beliebteste Felsen“, sagt Finkbeiner.

Der Reiz: Das „Straßenwandl“ bietet nicht nur Touren mit ganz unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, sondern es liegt auch direkt am Ortsrand und ist leicht mit dem Auto und der Bahn zu erreichen.

Manche Kletterer kommen aus dem Murgtal, andere reisen aus Karlsruhe, dem Elsass oder weiter entfernten Gegenden an.
Manche Kletterer kommen aus dem Murgtal, andere reisen aus Karlsruhe, dem Elsass oder weiter entfernten Gegenden an. | Foto: Peter Finkbeiner

Fehlende Toiletten sind ein Problem

Das Thema Toiletten ist Peter Finkbeiner besonders wichtig. Denn es gibt vor Ort keine. Um ihre Notdurft zu verrichten, gehen die Besucher meist ein paar Schritte in den Wald – oder hinter die Holzlager der nahen Häuser, zum Ärger der Anwohner.

Finkbeiner hat einige Vorschläge. Die Gemeinde könnte auf die Toiletten im nahen Montana-Bad hinweisen. Oder auf die öffentlichen WCs in der (nicht ganz so nahen) Murghalle. Sie könnte auch eine Kompost-Toilette aufstellen.

Eine weitere Möglichkeit wäre eine Kooperation mit Björn Dieterle, dem Inhaber des nahegelegenen Wohnmobilstellplatzes. Wenn er eine Sanitäranlage für seine Gäste bauen würde, könnten Kletterer sie gegen einen Obolus mitbenutzen.

Dieterle könnte sich das schon vorstellen, sagt er auf Nachfrage. Aber nur mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde. Gespräche darüber habe er vor einiger Zeit aufgenommen, aber sie ruhen im Moment.

Gemeinde Forbach stimmt sich wegen der Schilder ab

Was letztlich auf den Infotafeln zu lesen sein wird, bleibt abzuwarten. Der zuständige Mitarbeiter der Gemeinde Forbach, Georg Wunsch, hat schon mit örtlichen Kletterern und dem Deutschen Alpenverein über mögliche Inhalte gesprochen.

Gespräche mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Rastatt stehen aber noch aus. Diese werden die genauen Vorgaben liefern.

Finkbeiner hofft, dass die Verbotszeiten fürs Klettern nicht zu lang werden. „Das wäre fatal“. Zum Einen aus touristischer Sicht, zum anderen wegen der Routenpflege.

Wo normalerweise Hände und Füße beim Klettern den Fels sauberreiben, könnten dann Flechten und Moos wuchern. „Wegen vier Wochen würde keiner was sagen“, versichert er.

Wie künftig online über den Kletterfelsen informiert wird, ist ebenfalls ein Thema für die Gemeinde. Sie hofft unter anderem auf eine Kooperation mit dem Deutschen Alpenverein.

Die Idee ist, die eher spärlichen Angaben in dessen Fels-Informationssystem auf den neuesten Stand zu bringen und um ausführliche Informationen zu ergänzen.