Mit viel Optimismus startet Julian Christ ins neue Jahr. Vor rund 300 Gästen in der Stadthalle ging der Gernsbacher Bürgermeister auf wichtige kommunalpolitische Themen ein, die den Gemeinderat 2019 beschäftigen werden. Dazu zählen unter anderem die Neugestaltung des Pfleiderer-Areals und die Aufwertung der Altstadt. | Foto: Körner

Neujahrsempfang in Gernsbach

Pfleiderer-Areal bleibt auch 2019 heißes Eisen

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Pfleiderer-Areal, Rathaussanierung und Einzelhandelskonzept: Für die Stadt Gernsbach war 2018 ein richtungsweisendes Jahr. Wichtige Weichenstellungen beschäftigten den Gemeinderat in teilweise hitzigen Diskussionen. Beim Gernsbacher Neujahrsempfang sprach Bürgermeister Julian Christ von einem „anstrengenden, aber auch motivierenden und erfolgreichen Jahr.“ Der Rathauschef schaute am Freitagabend in der Stadthalle auch auf kommunalpolitische Themen und die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 800-jährigen Bestehen Gernsbachs voraus.

Fokus aus Pfleiderer-Areal

Mit Blick auf das Pfleiderer-Areal, wo nach jahrelangem Stillstand Wohnungen, Lebensmittelmärkte und Naherholungsflächen entstehen sollen, betonte Christ, er habe ein klares Selbstverständnis: „Nicht zögern, sondern handeln. Nicht reden, sondern machen.“ Durch die Einigung mit der Investorengruppe Krause (die BNN berichteten) sei eine „Nutzung des Pfleiderer-Areals in greifbare Nähe gerückt.“

Beseitigung eines Schandflecks.

Zankapfel im Gemeinderat war zuletzt unter anderem die Dekontaminierung des mit Chemikalien belasteten Areals. Man habe das erklärte Ziel, so Christ, „den Schadenskern zu entfernen und mögliche Gefahren für das Grundwasser endgültig zu beseitigen.“ Er stehe aus Überzeugung für die Stärkung der Gernsbacher Nahversorgung und die „Beseitigung eines Schandflecks“. Wer die Planungen für das Pfleiderer-Areal betrachte, sehe, „dass wir noch nie so weit waren wie jetzt.“

Rathaus-Neubau wird geprüft

Positiv bewertet der Bürgermeister die Entscheidung des Gemeinderats, an der bisherigen Verkehrsführung in der Innenstadt festzuhalten. Man habe nun einen klaren Beschluss und könne „über neue Möglichkeiten nachdenken“, etwa die „überfällige Aufwertung des Kelterplatzes und die Neuanordnung der Gebäude.“ Christ begrüßte ferner die Gemeinderatsentscheidung, neben einer Rathaussanierung auch die Möglichkeit eines Neubaus auf dem Pfleiderer-Areal prüfen zu lassen. Dabei handele es sich nicht um eine Vorfestlegung, sondern um ein „ehrliches Abwägen beider Optionen“.

Jubiläumsfest wirft Schatten voraus

Der Höhepunkt dieses Jahres werde das Jubiläumsfest „800 Jahre Gernsbach“ mit Feuerwerk und historischem Umzug, das vom 12. bis 14. Juli stattfindet. Im Jubiläumsjahr wolle er auch die Aufwertung der Altstadt in den Fokus rücken. Dort gebe es „bauliche Fehlentwicklungen, Leerstände und viele ungeklärte Fragen“, so Christ. In diesem Zusammenhang sprach der Rathauschef von einem „Kraftakt, der sicherlich einige Jahre in Anspruch nehmen wird.“

Lautenbacher Bad soll saniert werden

Auch gelte es, die Stadtteile im Blick zu behalten. Der Gemeinderat habe bereits „wichtige Weichen gestellt“, indem er das Baugebiet „Hardt IV“ in Reichental in die Prüfung gegeben und sich zur Umsetzung von „Eben II“ in Hilpertsau bekannt habe.  Gute Nachrichten hatte Christ für die Freunde des Lautenbacher Schwimmbades. Er werde dem Gemeinderat vorschlagen, die erforderlichen Mittel für dessen Sanierung in den Haushalt einzustellen, kündigt der Bürgermeister an.

Reiner Sontheimer wird Ehrenbürger

Foto: Dürr
Die Ehrenbürgerschaft der Stadt verlieh Christ beim Neujahrsempfang Reiner Sontheimer. Der 1928 geborene Gernsbacher, der bereits 2015 mit der goldenen Verdienstmedaille ausgezeichnet wurde, engagierte sich über Jahrzehnte ehrenamtlich in Kommunalpolitik, Schullandschaft und Kirche und erwarb sich dabei große Verdienste. Zwölf Jahre saß Sontheimer im Gemeinderat, von 1994 bis 2003 als Fraktionssprecher der Freien Bürger. Nach seinem Ausscheiden aus dem Gremium übernahm er deren Vorsitz, 2005 wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Der geprüfte Prädikant der Evangelischen Landeskirche gestaltete zahllose Gottesdienste und übernahm in der St.-Jakobs-Gemeinde ab 2001 die Organisation des Seniorenbesuchsdienstes. Bis heute ist er für den ökumenischen Seniorentreff verantwortlich. Für die Jugend setzte sich Sontheimer von 1972 bis 1982 als Elternbeiratsvorsitzender der Realschule ein. Auch verfasste er den Text des „Gernsbachliedes“. In den letzten 14 Jahren seines Berufslebens leitete er das Bildungswerk der Deutschen Papierindustrie. Christ würdigte Sontheimer als „Brückenbauer“ und „umsichtiges Bindeglied zwischen allen Interessensgruppen“. Diesem Ruf wurde Sontheimer in seiner Ansprache gerecht: Er appellierte an den zerstrittenen Gemeinderat, seinen Zwist beizulegen und zur gemeinschaftlichen Arbeit zurückzufinden.