Ensemble mit Geschichte: Die Gernsbacher Altstadt ist reich an historischen Gebäuden, aber auch an Problemen. Bröckelnde Fassaden und leerstehende Geschäfte mindern den Reiz des alten Stadtkerns. Der Gemeinderat hat nun ein Strategiepapier verabschiedet, das eine Aufwertung des Bereichs zum Ziel hat. Auch die Bürger sollen in den Prozess eingebunden werden. | Foto: pr

Stadt will Bürger beteiligen

Gernsbacher Altstadt soll aufgewertet werden

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Die Stadt Gernsbach will ihre Altstadt aufwerten. Ein entsprechendes Strategiepapier hat der Gemeinderat am Montag einstimmig verabschiedet. Die erforderlichen Mittel sollen im Haushalt 2020 bereitgestellt werden. Das alte Herz der Papiermacherstadt wartet seit Jahrzehnten auf eine Frischzellenkur: Bröckelnde Fassaden, leerstehende Geschäfte und zugeparkte Wahrzeichen trüben das Bild.

Die Stadtverwaltung spart deshalb nicht an Kritik an den früheren Verantwortlichen: „Mit Ausnahme der Sanierung der Zehntscheuern hat die Stadtpolitik seit mehr als 40 Jahren keine neuen Impulse für die Aufwertung der Altstadt gegeben“, war der Sitzungsvorlage des Gemeinderats zu entnehmen.

Bürger werden beteiligt

Das soll sich nun ändern: Eine Steuerungsgruppe mit Vertretern aus Gemeinderat, Verwaltung, Anwohnern und Gewerbetreibenden soll ab 2020 Impulse für eine Aufwertung der Altstadt geben. Ihre Aufgabe wird es sein, konkrete Meilensteine zu definieren sowie weitere Bürger und Experten in ihre Überlegungen miteinzubinden, etwa durch eine Zukunftswerkstatt. Bürgermeister Julian Christ sprach von einer „Fehlentwicklung“. Es sei dringend „notwendig, die Umkehr einzuleiten.“

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Altstadt steht unter Denkmalschutz

Die Gernsbacher Altstadt steht seit den 70er Jahren unter Ensemble-Denkmalschutz. Prägend für sie sind historische Gebäude wie das Alte Rathaus, das Kornhaus, die Zehntscheuern und der Storchenturm. Allerdings wurden viele Gebäude nicht denkmalgerecht saniert.

Verwaltung beklagt Leerstände

Mehrere Geschäfte stehen leer, weil der Einzelhandel unter der geringen Besucherfrequenz leidet. Hinzu kommen Bausünden – von grellen Werbeschildern über Rollläden, Rolltore bis hin zu neuzeitlichen Bauelementen.

Historisches Gebäude: Die Zehntscheuer prägt das Bild der Gernsbacher Altstadt. | Foto: Christian Haas

„Aufgrund der hohen Auslastung des Baurechtsamtes gibt es ein Defizit bei der Kontrolle der Einhaltung der Gestaltungssatzung“, teilt die Gernsbacher Stadtverwaltung mit.

Kundenverkehr ist ein Problem

Auch der Verkehr ist ein Problem: So verlieren die historischen Gebäude nach Auffassung der Verwaltung durch die geparkten Autos an Wahrnehmbarkeit. Da die Geschäftsinhaber gleichzeitig auf einen regen Kundenverkehr angewiesen sind, bringt die Stadt, nicht zum ersten Mal, den Bau eines Parkhauses auf dem Färbertorplatz ins Gespräch.

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Aufwertung wird zeitintensiv

Im Rathaus ist man sich bewusst, dass eine Aufwertung des alten Stadtkerns viel Zeit in Anspruch nehmen wird, betont aber auch: „Es ist erforderlich, zeitnah sichtbare Zeichen der Veränderung zu setzen.“ Denkbar sei die Aktion „Mein Herz schlägt für die Altstadt“, bei der Bürger und Besucher gegen eine Spende einen entsprechenden Aufkleber oder Pin erwerben können.

Bürgerstiftung als Partner

Die Einnahmen aus der Aktion könnten in einen städtischen Denkmalfonds fließen, der Hausbesitzer bei der denkmalgerechten Sanierung ihrer Gebäude unterstützt. „Hier bietet sich die Bürgerstiftung Gernsbach als Partner an“, heißt es dazu aus dem Rathaus.  Sie wolle den Schwerpunkt ihrer Arbeit der Altstadt widmen.

Es wird Zeit, dass wir diese Baustelle angehen.

Der vor zehn Jahren gegründete Arbeitskreis Stadtleitbild hatte sich vor wenigen Wochen aufgelöst. Zuletzt hatten sich immer weniger Bürger in die Arbeitsgruppe eingebracht. Die meisten Ideen waren in der Schublade gelandet.

Gemeinderat ist sich einig

Die Gemeinderäte begrüßten das Strategiepapier einstimmig. „Die Altstadt ist ein wichtiger Identifikationspunkt in Gernsbach“, betonte Uwe Meyer von der FBVG. Er sprach sich zudem für ein Parkhaus aus. Auch aus den anderen Fraktionen kam Zustimmung: „Es wird Zeit, dass wir diese Baustelle angehen“, sagte Nico Fatebene (SPD).