Auf ins Getümmel oder die närrische Zeit verweigern? Einige haben keine Lust auf Fastnacht und lassen beim Feiern der Jugend der Vortritt. Auch zu viel Müll und Alkohol während der Fastnacht sehen die Befragten kritisch.
Auf ins Getümmel oder die närrische Zeit verweigern? Einige haben keine Lust auf Fastnacht und lassen beim Feiern der Jugend der Vortritt. Auch zu viel Müll und Alkohol während der Fastnacht sehen die Befragten kritisch. | Foto: dpa

Statement zur Narrenzeit

Bei Gernsbachern herrscht Fastnachts-Flaute

Anzeige

Pappnase aufsetzen und den Jahresurlaub in die fünfte Jahreszeit verlegen oder kurzerhand Fastnacht verweigern? „Wie halten es die Gernsbacher?“, lautete der Tenor einer Umfrage. Unter wehender Narrenbeflaggung gab es überraschende Antworten.

Von unserer Mitarbeiterin Christiane Krause-Dimmock

„Bei mir dauert Fastnacht 365 Jahre im Jahr“, hat Michael Tschans eine einleuchtende Erklärung für dieses überraschende Statement. „Ich bin das ganze Jahr über ich und verstelle mich nicht“, meint der Tenniscoach schmunzelnd. Um fröhlich und ausgelassen zu sein, dafür braucht es nach seiner Ansicht keinen festen Termin. Passen muss es einfach.

Michael Tschans
Michael Tschans | Foto: Krause-Dimmock

Wenn seine Mitmenschen das anders sehen, stört ihn das allerdings auch nicht. Da ist er vielmehr sehr tolerant. „Das nervt mich nicht“, winkt er auf Nachfrage ab. Wenn beim närrischen Treiben allerdings zwangsläufig Alkohol in unverhältnismäßigen Mengen im Spiel ist, dann findet er es nicht so toll, insbesondere nicht bei Jugendlichen. Auch Josef Merkel tritt in diesen Dingen eher kurz. „Momentan steht mir der Sinn nicht nach Fasching.“ Keine Frage, dass auch er als Kind voller Eifer dabei gewesen ist und kostümiert in den Horden dabei war.

 

 

Josef Merkel
Josef Merkel | Foto: Krause-Dimmock

Das war immer eine tolle Sache.

Doch heuer sieht er das anders. Mit der Ausgelassenheit hat er im Augenblick nicht viel am Hut. Ein Fastnachtsgegner sei er deshalb nicht. Vielleicht entdecke er ihn ja wieder, den Gefallen an der Heiterkeit und Ausgelassenheit. Denn auch das hat seine Existenzberechtigung, richtet Harry Samboll den Blick auf das Brauchtum, das mit manchen Veranstaltungen am Leben gehalten wird.

Harry Samboll
Harry Samboll | Foto: Krause-Dimmock

Leider fehlt dabei häufig der Nachwuchs, der das auch so sieht.

 

Stattdessen treiben die närrischen Tage häufig Auswüchse, die ihm nicht gut gefallen. Zu viel Alkohol und leider auch Gewalt sowie die Verschmutzung der Straßen. Das kommt bei ihm nicht gut an. Die Auswirkungen ließen sich regelmäßig an den Haltestellen der Stadtbahn ablesen. „Ich würde es begrüßen, wenn man sich Gedanken um den Müll machen würde, der jedes Mal auf der Straße entsorgt wird.“ Das sei zum einen der Erziehung geschuldet, die manchem in diesen Dingen fehle, weil einfach kein Bewusstsein geschaffen wurde.

Müllaufkommen

Zum anderen fehlt es aber häufig auch an Müllgefäßen. Da müsste sich was tun, verweist er auf den Baden-Badener Weihnachtsmarkt, der regelrecht gespickt ist mit attraktiv gestalteten Tonnen, die munter schlucken, was zu entsorgen ist. Wie man es dreht und wendet, was dem einen gefällt, reizt den anderen eher gar nicht. Auch Martina Wörner verspürt wenig Lust sich den fastnachtlichen Auswüchsen hinzugeben.

Martina Woerner
Martina Woerner | Foto: Krause-Dimmock

Klar waren wir in den jungen Jahren auch viel unterwegs. Aber das hat sich doch sehr gelegt.

Dass sie früher oder später, wenn ihre Enkel etwas größer sind, mit den Kinder zu den Umzügen gehen wird, das hält sie da schon eher für wahrscheinlich. Mit Kindern habe man da auch wieder einen ganz anderen Zugang. Eine Haltung, die auch Jolanta Korichi teilt.

Jolanta Korichi
Jolanta Korichi | Foto: Krause-Dimmock

Ich selbst habe mit Fastnacht nichts am Hut.

Doch als Mutter kennt sie da auch die andere Seite. Mit den Kindern sei sie schon zu den Umzügen gegangen. Doch die sind inzwischen alt genug, um daran alleine teilnehmen zu können. Sie selbst hatte jedoch nie den Drang sich auf diese Weise auszupowern, weder als Erwachsene noch als Kind. Doch dem eigenen Nachwuchs sei es von  Herzen gegönnt, meint sie mit Augenzwinkern.