Billard und Tischkicker gehören zu den Angeboten des Jugendhauses. Jugendpfleger Mathias Winter berät bei Bedarf und achtet auf die Regeln. | Foto: Nähring

Neukonzeption steht an

Gernsbacher Jugendhaus: „Es ist fast wie ein zweites Zuhause“

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Die Fliesen sind abgesplittert, die Wände können einen neuen Anstrich vertragen und die Mädchentoilette müsste renoviert werden: So sieht das Kinder- und Jugendhaus Gernsbach von innen aus. Aber die zwölf Jugendlichen, die an diesem Tag da sind, fühlen sich wohl. „Es ist fast wie ein zweites Zuhause,“ so Laura, die seit 2013 regelmäßig das alte umfunktionierte Signalgebäude der Deutschen Bahn besucht. Die BNN haben sich vor Ort umgesehen und mit einigen Jugendhausbesuchern gesprochen – schließlich steht eine Neukonzeption für die Jugendeinrichtung an und die Stadtverwaltung hat versprochen, die Jugendlichen einzubeziehen.

Von Sophie Nähring

Die zahlreichen gespendeten Sitzgelegenheiten haben schon viele Gebrauchsspuren, da sie oft genutzt werden. Laut Jugendpfleger Mathias Winter kommen um die 20 bis 40 Jugendliche pro Treff, bei gutem Wetter können es aber weniger sein. Früher seien viele mit Migrationshintergrund da gewesen; dann gab es eine Zeit, in der eine ausländerfeindliche Gruppe oft hier war, aber jetzt herrsche eine sehr gute „soziale Durchmischung“, so Winter weiter.

Breites Angebot

Vor allem das breite Angebot an Aktivitäten gefällt den Jugendlichen. Hier können sie sich mit ihren Freunden selbst bei schlechtem Wetter treffen und Tischtennis, Brettspiele, Billard oder Tischkicker spielen. Aber nicht ohne Regeln – denn wer die Hausordnung missachtet, kann Hausverbot bekommen. So ist zum Beispiel die Computernutzung, genau wie die Musikauswahl und der Alkoholkonsum geregelt.

Klare Ordnung

Im Gebäude ist der Alkoholgenuss gar nicht, und auf dem Außengelände nur mit Einschränkungen erlaubt. Ab 18 Jahren darf draußen auch geraucht werden. Illegale Drogen sind verboten. Dem Jugendhaus wird trotz der klaren Ordnung eine Drogenproblematik nachgesagt. Die Jugendlichen können sich auch denken, warum dies so ist. „Im Sommer stehen einige Leute draußen und rauchen Zigaretten, auch einzelne Personen mit Vorstrafen sind dabei. Da wird dann sofort angenommen, dass das mehr als nur Zigaretten sind, also sind alle gleich asozial“, meint Melina. Jonas fügt hinzu, dass es ein paar wenige gebe, die über die Stränge schlagen und diese Minderheit überschatte dann die positiven Dinge.

Einrichtung besteht seit 22 Jahren

Dafür, dass hier viele Jugendliche fast täglich ein und aus gehen, ist das Jugendhaus gepflegt. Die Toiletten sind sauber, nur der Wasserhahn spritzt, wenn man sich die Hände wäscht, die Klobrille des Mädchenklos verrutscht oft und die Spülung ist zu laut, bemängeln die Nutzer. Die Waschküche sowie Küche sind erst vor etwa drei Jahren neu eingebaut worden. Eine Renovierung sei im Inneren trotzdem angebracht, so Jonas, am besten solle diese groß angesetzt werden, denn die Jugend würde mithelfen und sich dadurch noch mehr mit dem Gebäude verbunden fühlen. Auch in der 22-jährigen Geschichte des Jugendhauses halfen die Jugendlichen immer wieder bei den Renovierungsarbeiten mit, das letzte Mal im Jahr 2000.

Jugendliche sollen mitbestimmen

Thomas Lachnicht, der Hauptamtsleiter der Stadt Gernsbach, will die Jugendlichen zudem durch Gespräche und Workshops in die Neukonzeption miteinbeziehen. Aber auch Winter möchte sich gerne einbringen.

Der Jugendpfleger ist bei allen Besuchern sehr beliebt. Winter habe sie durch die Pubertät begleitet, erklärt Laura. Einen Personalwechsel wollen die Jugendlichen deshalb nicht, aber Hilfe für den „Jugendhauspapa“, wie Melina ihn nennt, wäre gut.

Jugendpfleger wünscht sich Verstärkung

„Ja, es ist ungünstig so. Ich kann nicht gleichzeitig Pizzabaguettes und Cola verkaufen, Beratungsgespräche führen und aufpassen, dass nichts getrunken wird,“ erklärt Winter. Er würde eine Verstärkung des derzeitigen Ein-Mann-Teams ebenfalls begrüßen. Vor allem von einer Mitarbeiterin könnten die Mädchen profitieren, da sie 50 Prozent der Besucher ausmachen. Eine Frau könnte den Mädchentag wieder anbieten; dadurch kann die jüngere Generation erreicht werden, planen zwei der Mädchen.

Sowohl sie als auch die anderen Jugendlichen haben viele Erinnerungen die sie mit dem Jugendhaus verbinden – sei es das gemeinsame Grillen im Sommer, der Mädchentag oder andere Erlebnisse.