Tristes Bild: Das Gernsbacher Jugendhaus ist in die Jahre gekommen. Verwaltung und Gemeinderat beschäftigen sich deshalb mit einer Neukonzeption.
Tristes Bild: Das Gernsbacher Jugendhaus ist in die Jahre gekommen. Verwaltung und Gemeinderat beschäftigen sich deshalb mit einer Neukonzeption. | Foto: Körner

Aus dem Gemeinderat

Gernsbacher Jugendhaus streift Schmuddel-Image ab

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Schlechte Lage, veraltete Ausstattung, mangelnde Betreuung: Der Gernsbacher Gemeinderat hat sich einmal mehr mit dem Problemfall Gernsbacher Jugendhaus befasst. In seiner Sitzung am Montagabend beauftragte das Gremium die Verwaltung mit der Neukonzeption der Einrichtung, die sich seit 2018 im Besitz der Stadt befindet. Allgemeiner Konsens: Die Jugend soll umfassend in den Prozess eingebunden werden. Ob die Stadt das Haus künftig selbst betreibt oder ein freier Träger zum Zug kommt, ist dagegen noch unklar. Auch der Standort steht zur Debatte.

Gernsbacher Schüler hatten wiederholt den Zustand des Jugendhauses moniert. Sie kritisierten die unhygienische Umgebung, das unzureichende Durchsetzen von Regeln und machten auf einen schlechten Umgang mit legalen und illegalen Drogen aufmerksam. Seit zwölf Jahren betreut der städtische Jugendpfleger Mathias Winter die Einrichtung – nach Einschätzung der Gemeinderäte mit viel Herzblut, aber, auch das war Tenor, ihm fehle Unterstützung. „Er kann das nicht alleine bewerkstelligen“, meinte CDU-Sprecherin Frauke Jung und plädierte für ein Honorarkraft als Verstärkung.

Eine zweite Stelle ist dringend notwendig.

Unterstützung kam von den Freien Bürgern: „Wenn Mathias Winter ausfällt, ist niemand da“, mahnte Walter Schmeiser, „eine zweite Stelle ist dringend notwendig.“ Man müsse eine Lösung finden, räumte Bürgermeister Julian Christ ein, verwies allerdings auf die noch ungeklärte künftige Trägerschaft: „Wenn wir diese Frage ergebnisoffen behandeln wollen, wäre ein unbefristete Einstellung der falsche Weg.“ Sie würde faktisch eine Vorentscheidung für einen Betrieb durch die Stadt bedeuten.

Träger für das Gernsbacher Jugendhaus

Mit der Vergabe der Schulsozialarbeit an einen Träger, das evangelische Mädchenheim, habe man gute Erfahrungen gemacht, betonte Hauptamtsleiter Thomas Lachnicht. Ein ähnliches Modell sei daher auch für das Gernsbacher Jugendhaus denkbar. Die Verwaltung habe bereits „vielversprechende Gespräche mit einem freien Träger“ geführt und stehe einer Vergabe grundsätzlich positiv gegenüber.

Wir müssen uns jetzt Gedanken machen.

Allein: Um diese Frage ging es am Montag (noch) nicht. Zunächst wurde die Stadt mit der Neukonzeption betraut. Dafür will sich die Verwaltung ein bis zwei Jahre Zeit nehmen, um die Jugendlichen angemessen zu beteiligen. „In dieser Übergangsphase darf das Jugendhaus nicht ausbluten“, warnte Uwe Meyer (FBVG). Beate Benning-Groß (Grüne) bat darum, die konzeptionellen Überlegungen eng an den Gemeinderat anzubinden. Der Einwand von Benjamin Groß (FBVG), man möge sich dafür mehr Zeit lassen und die Neuausrichtung um drei Jahre nach hinten verschieben, fand keine Mehrheit. „Wir müssen uns jetzt Gedanken machen“, betonte Christ mit Blick auf das sanierungsbedürftige Gebäude.

Lage steht in der Kritik

Unterschiedliche Auffassungen gab es in der Standortfrage. Irene Schneid-Horn (SPD) hält die aktuelle Einrichtung am Bahnhof für „nicht ideal“. Es fehle eine Außenanlage, ferner müsse das Haus dringend renoviert werden. Nach Auskunft der Stadt würde eine Sanierung rund 150 000 Euro kosten. Schneid-Horn brachte deshalb eine Umnutzung städtischer Bestandsgebäude ins Gespräch, um das Jugendhaus an einem anderen Ort anzusiedeln.

Das ist aufgrund der finanziellen Möglichkeiten der Stadt nicht darstellbar.

Einen Neubau, wie von der Verwaltung ins Gespräch gebracht, lehnt die CDU ab: „Das ist aufgrund der finanziellen Möglichkeiten der Stadt nicht darstellbar.“ Die Stadt Gernsbach hatte das Kinder- und Jugendhaus im Juni 2018 von der Deutschen Bahn erworben (die BNN berichteten). Für Christ ein notwendiger Schritt: „Nur so können wir den Betrieb sicherstellen.“

Kommentar
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Überfällig

Der Gernsbacher Nachwuchs lässt an seinem Jugendhaus kein gutes Haar: Schlechte Umgebung, schlechte Ausstattung, schlechte Sanitäranlagen. Schon mehrfach hat der Gemeinderat über die Zukunft der Einrichtung beraten. Am Montag ebnete er den Weg für deren Neukonzeption – und sie tut dringend not. Das Jugendhaus ist schmuddelig und sanierungsbedürftig, es liegt im wenig ansprechenden Bahnhofsumfeld, kurz: Es gibt ein schlechtes Bild für Gernsbach ab.

Mitsprache für bessere Resonanz

Die Stadt hat den dringenden Handlungsbedarf erkannt, ohne in Aktionismus zu verfallen. Durch den Erwerb des Gebäudes im vergangenen Jahr hat man das Heft des Handelns in der Hand und kann nun in gebotener Ruhe ein neues Konzept entwickeln. Dabei will man, und auch das ist sinnvoll, die Jugend von Anfang an mit einbinden. Denn nur indem die Zielgruppe selbst zu Wort kommt, lässt sich gewährleisten, dass ein künftiges Angebot auch Resonanz findet.

Schwimmen im Luxus

In den vergangenen Jahren, das ist unstrittig, hat die Stadt vergleichsweise wenig Geld in das Jugendhaus gesteckt, dafür umso mehr in seine üppige Bäderlandschaft. Trotz klammer Kassen bietet sie ihren Bürgern den seltenen Luxus von vier Schwimmbädern. Angesichts hoher Investitionen in deren Betrieb und Sanierung war eine Preiserhöhung mehr als überfällig. 60 Euro für eine Jahreskarte – das ist den Gernsbachern allemal zumutbar und bewegt sich im Rahmen vergleichbarer Städte.

Notwendige Mittel

Nicht nur das: Die Anhebung ist sogar dringend notwendig. Wenn man in einer Kleinstadt gleich vier Bäder am Leben halten und der kommenden Generation einen soliden Haushalt hinterlassen will, bleibt gar keine andere Möglichkeit. Wer in Gernsbach jetzt über die Preiserhöhung jammert, der tut es auf hohem Niveau.