Tierisch gutes Miteinander: Die Schüler Matthew und Jessica versorgen Malou nicht nur mit Wasser, sondern auch mit Streicheleinheiten. | Foto: bba

Flauschiger Mitschüler

Gernsbacher Schulhund sorgt für gute Laune und lehrt Verantwortung

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Morgens gab es bei den Schülern der 6a noch ein paar lange Gesichter. Nicht jeder war mit den Ergebnissen seines Halbjahreszeugnisses so hundertprozentig zufrieden. Doch bald darauf hört man auf den Fluren und im Klassenzimmer schon wieder Lachen und angeregte Gespräche. Der Grund für die gute Laune hat vier Pfoten und hört auf den schönen Namen „Malou“.

Flauschige Trösterin

„Ich finde es richtig cool, dass wir einen Schulhund haben. Mit dem kann man spielen und er tröstet einen, wenn man mal traurig ist“, sagt Schülerin Jessica mit Nachdruck. Wenn die Hündin durch den Flur tollt, sich auf dem Rücken liegend streicheln lässt oder lachende Gesichter ableckt, wirkt ihr Anwesenheit wie ein Dominoeffekt: Alle entspannen sich sichtlich, schlechte Stimmung ist sofort wie weggefegt.
Seit eineinhalb Jahren begleitet die Golden-Retriever-Hündin ihr Frauchen Jenny Fabry, Lehrerin an der Von-Drais-Schule in Gernsbach, nun schon zum Unterricht. Malou ist der offizielle „Schulhund“. Aus dem kleinen Fellknäuel, dass mit neun Wochen an die Schule kam (die BNN berichteten), ist inzwischen eine ausgewachsene Dame geworden. Doch charakterlich ist die Hündin noch ganz die alte: „Sie ist nach wie vor völlig tiefenentspannt und sehr freundlich zu allen“, lobt „Mama“ Fabry. Wie zum Beweis zuckt die goldene Schönheit nicht mal mit der Wimper, als plötzlich aus den Lautsprechern eine Sekretariats-Durchsage schallt. Nach einer Weile Herumtollens hat es sich die Hündin vor der Tür des Klassenzimmers gemütlich gemacht, streckt zufrieden alle Viere von sich und lässt sich durch nichts aus der Ruhe bringen.

Ein Streifzug durchs Schulhaus

Wenn Malou hingegen mal einen Ausflug machen will, kommt ihr das besondere Lernkonzept der Gemeinschaftsschule zupass: Weil die Schüler hier viel selbstständig lernen und wiederholen, stehen die Klassentüren häufig weit offen. Sie kann herumstreifen, wie es ihr gefällt, macht auch mal einen Abstecher ins Sekretariat oder ins Lehrerzimmer.

Zertifikat „Schulhund“

Auch von offizieller Seite hat Malou immer wieder bestätigt bekommen, dass sie für den Job Schulhund wie gemacht ist: „Mit siebeneinhalb Wochen hat sie bereits einen Welpe-Prägetest beim Deutschen Retriever Club gemacht“, erklärt Fabry. Mit einem Jahr habe sie zudem einen Wesenstest absolviert, bei dem sie beweisen musste, dass die „schussfest“ ist, also möglichst wenig auf Knallen und Schüsse reagiert. Die Prüfer testeten zudem, ob Malou leicht zu erschrecken ist und beobachteten ihr Verhalten beim Spielen.

Die nassen Küsse von Malou bringen Schülerin Saskia zum Lachen
Die nassen Küsse von Malou bringen Schülerin Saskia zum Lachen | Foto: bba

Auch bei Eltern gefragt

Die anfänglich noch vereinzelte Skepsis der Eltern verschwand angesichts der tollen Erfahrungen mit dem Schulhund schnell, berichtet Schulleiterin Felicitas Heck: „Inzwischen haben wir sogar viele Anfragen von Eltern, die explizit möchten, dass ihr Kind in eine Klasse mit Malou kommt“, erzählt sie zufrieden. Dabei ist nicht nur alles Spiel und Spaß mit der Hündin, auch Dienste und Regeln gehören zum Zusammenleben. Alle zwei Wochen hat ein anderer Schüler „Hundedienst“, ist dann für Malous Wassernapf zuständig und sorgt dafür, dass ihre Hundesachen mit ins nächste Klassenzimmer wandern.

Schüler nehmen Aufgaben ernst

Als die junge Hündin noch nicht ganz stubenrein war, gehörte auch dazu, die ein oder andere Pfütze aufzuwischen. „Ich hätte gedacht, dass das schwierig werden könnte, aber für die Schüler war das gar kein Thema“, lobt Fabry. „Wir haben sie alle so lieb, da sorgen wir gerne dafür, dass es ihr gut geht. Unsere Malou ist einfach ein Star!“, meint Schülerin Saskia strahlend. Hundedienst, so bekommt man den Eindruck, sehen die Schüler der 6a eher als Ehre denn als lästige Pflicht an. Verantwortung lernen kann offenbar so einfach sein.

Ein ruhiger Hafen

Und wenn es in den Pausen oder zu Schulfesten hoch hergeht, wird das der Hündin nicht mal zu viel? „Ach, sie war ja von Anfang an dabei und ist das gewöhnt“, ist sich ihr Herrchen sicher. Und wenn sie mal eine Auszeit brauche, gehe sie eben in ihr Körbchen ins Lehrerzimmer oder in ihre „Hütte“. Diesen Rückzugsort respektieren alle Schüler gleichermaßen und stören die Hündin dort nicht. Aber meistens ist Malou lieber mittendrin als nur dabei. „Nach den Ferien ist es besonders schlimm. Da wedelt sie schon im Auto mit dem Schwanz und ist ganz wild darauf, alle wiederzusehen“, erzählt Lehrerin Fabry lächelnd.

Einen ruhigen Hafen im Sturm braucht selbst die verspielteste Hundedame mal: Malous „Hütte“ im Klassenzimmer.