Beim Kurparkeingang (links) starten im September die Arbeiten für das erste von vier zusätzlichen Rettungstreppenhäusern, die im Zuge einer notwendigen Nachrüstung des Gernsbacher Tunnels errichtet werden.
Beim Kurparkeingang (links) starten im September die Arbeiten für das erste von vier zusätzlichen Rettungstreppenhäusern, die im Zuge einer notwendigen Nachrüstung des Gernsbacher Tunnels errichtet werden. | Foto: Dorscheid

Nachrüstung kommt

Gernsbacher Tunnel erhält vier neue Rettungstreppen

Anzeige

Es wird eine größere Baustelle im öffentlichen Straßenraum sein, von der die Verkehrsteilnehmer überwiegend nur wenig mitbekommen werden: Beim Gernsbacher Tunnel steht eine Nachrüstung an, deren Arbeiten überwiegend außerhalb der Tunnelröhre erfolgen und somit – bis auf die Endphase – den Durchgangsverkehr nicht beeinträchtigen werden.

Der Baubeginn steht jetzt laut „Bauherr“ Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe fest: Für Montag, 2. September, ist der Startschuss geplant, im März 2021 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Das Verkehrsministerium in Stuttgart hat die kalkulierten rund 16 Millionen Euro Bundesmittel freigegeben. Die dreimonatige Planungsphase läuft laut RP bereits seit Juni.

Verschärfte Vorschriften

Im Kern geht es bei dieser Nachrüstung des 1997 in Betrieb genommenen, exakt 1527 Meter langen Tunnels um den nachträglichen Einbau von vier Rettungstreppenhäusern. Nach mehreren schweren Tunnelunfällen und -bränden vor allem im Alpenraum, die vielen noch als Katastrophenszenarien in Erinnerung sind, waren auch in Deutschland die Vorschriften für den Betrieb von Straßentunneln überarbeitet und verschärft worden.

Erhöhte Selbstrettung

Dabei gilt: Mit zusätzlichen und in kurzen Abständen erreichbaren Rettungstreppenhäusern ist die Chance zur Selbstrettung, etwa bei Bränden mit starker Rauchentwicklung, von in der Röhre feststeckenden Autofahrern deutlich höher. Denn bis Rettungskräfte in einem engen und verrauchten Tunnel an Ort und Stelle sein können, vergeht wertvolle Zeit – Zeit, die Menschen das Leben kosten kann.

Gernsbacher Tunnel mit Rettungstreppen

Die vier künftigen Rettungstreppenhäuser des Gernsbacher Tunnels werden in vergleichsweise geringen Abständen so gebaut, dass sie oberirdisch in einem kleinen Betriebsgebäude enden: Am Park-and-ride-Parkplatz des Gernsbacher Bahnhofs in der Schwarzwaldstraße, dann etwa in Höhe des Hotels „Stadt Gernsbach“ am Blumenweg, weiterhin am Kurparkeingang (Einfahrt nach Scheuern) und in der Obertsroter Landstraße bei der Infotafel. Ein Aufgang befindet sich von Beginn an bereits beim Tunnel-Betriebsgebäude bei der freikirchlichen Gemeinde nahe der Loffenauer Straße.

Unverzichtbar: Der Gernsbacher Tunnel unterquert die Stadt.
Unverzichtbar: Der Gernsbacher Tunnel unterquert die Stadt. | Foto: Dorscheid

Arbeiten laufen parallel

Zunächst starten im September die Arbeiten für das Rettungstreppenhaus (RTH) am Kurpark; im Oktober beginnen die Arbeiten am Bahnhof, es folgt im November der Startschuss im Blumenweg und schließlich im Dezember der Baubeginn in der Obertsroter Landstraße. Ab diesem Zeitpunkt laufen die Arbeiten laut der Karlsruher Behörde für etwa zehn Monate parallel in allen vier neuen RTH.

Wir werden so wenig wie möglich in den Verkehr eingreifen.

Die Bauzeit beträgt insgesamt gut 18 Monate; im Wesentlichen wird aber außerhalb der Tunnelröhre gearbeitet, sodass der fließende Verkehr im Regelfall nicht beeinträchtigt wird. Erst zum Ende der Arbeiten, wenn der Durchstich der Rettungstreppen zum Tunnel ansteht, gibt es Behinderungen beim Durchfahrtsverkehr in der Röhre. Jürgen Genthner, Leitender Baudirektor im Baureferat Mitte des Regierungspräsidiums Karlsruhe, hat bereits zu einem früheren Zeitpunkt gegenüber den BNN gesagt: „Wir werden so wenig wie möglich in den Verkehr eingreifen.“

Notwendige Nachrüstung des Tunnels

Der Einbau der vier Rettungstreppenhäuser stellt die zweite Maßnahme innerhalb eines notwendigen Nachrüstungspakets für den Gernsbacher Tunnel dar und erfolgt deutlich später als geplant: Unter anderem wegen Problemen bei der Ausschreibung – vorgeschrieben war zunächst eine europaweite Ausschreibung der Baumaßnahme, es gingen hierbei aber keine adäquaten Angebote ein – waren die Arbeiten verschoben worden. Der erste Teil der Nachrüstung betraf die Betriebstechnik der unterirdischen Röhre (unter anderem Lüftung, Beleuchtung, Brandmeldung und Notrufanlagen) sowie die Beschilderung; er wurde bereits 2013 abgeschlossen.

Nach rund fünf Jahren Bauzeit (mit etwa 1 700 Sprengungen) wurde der 1527 Meter lange Tunnel, der die Alte Amtsstadt Gernsbach vom Durchgangsverkehr der B462 entlastet, am 6. Oktober 1997 für den Verkehr freigegeben. Das damalige Investitionsvolumen betrug 120 Millionen D-Mark, von denen der Bund den Löwenanteil trug.
Laut Regierungspräsidium Karlsruhe nutzen täglich im Schnitt rund 19.000 Fahrzeuge den Tunnel.