Die Baustelle ist eingerichtet: Am Montag beginnen am Bahnhof Gernsbach die Arbeiten zur vorgeschriebenen Nachrüstung des Tunnels. Dort wird eines von vier zusätzlichen Rettungstreppenhäusern gebaut; die weiteren Standorte befinden sich am Blumenweg, am Kurparkeingang und in der Obertsroter Landstraße.
Die Baustelle ist eingerichtet: Am Montag beginnen am Bahnhof Gernsbach die Arbeiten zur vorgeschriebenen Nachrüstung des Tunnels. Dort wird eines von vier zusätzlichen Rettungstreppenhäusern für den Gernsbacher Tunnel gebaut; die weiteren Standorte befinden sich am Blumenweg, am Kurparkeingang und in der Obertsroter Landstraße. | Foto: Dorscheid

Weitere Bauarbeiten

Gernsbacher Tunnel: Nachrüstung ist ohne erneute Sprengungen nicht möglich

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Viele Gernsbacher können sich noch gut an die Bauphase des Gernsbacher Tunnels in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erinnern: Da bedurfte es zahlreicher Sprengungen, um die Tunnelröhre meterweise in den massiven Fels vorantreiben zu können. Sprengungen und Lärmbelästigungen wird es auch jetzt zur notwendigen Nachrüstung des Tunnels geben (müssen) – wenn auch bei Weitem nicht in der Dimension von damals.

Über den nachträglichen Einbau von vier Rettungstreppenhäusern (RTH) informierten am Donnerstagabend vom Regierungspräsidium Karlsruhe Jürgen Genthner, Leiter des Baureferats Mitte, und Projektleiter Dennis Saldern die rund 40 Zuhörer in der Stadthalle.

Verschärfte Vorschriften

Nach verheerenden Tunnelbränden in den Alpen zu Beginn des Jahrtausends mit vielen Toten wurden auch in Deutschland die Sicherheitsvorschriften für Straßentunnel verschärft. Was für den Gernsbacher Tunnel eine Nachrüstung in zwei Etappen bedeutete: Die Modernisierung der Betriebstechnik mit Lüftung und Signalanlagen wurde bereits 2013 fertiggestellt; jetzt folgt der nachträgliche Einbau von vier Fluchttreppenhäusern, damit sich Autofahrer bei einem Brand im Tunnel rasch vor den giftigen Dämpfen retten können.

Treppenhaus gibt es bereits

Nach Fertigstellung der Maßnahmen wird der maximale Weg im Tunnel zu einem Aufgang 300 Meter betragen. Ein Treppenhaus gibt es bereits: Es befindet sich etwa in der Tunnelmitte, oberirdisch beim Betriebsgebäude nahe der freikirchlichen Gemeinde im Blumenweg; in einem Container dort wird jetzt die Bauleitung zu finden sein. Die vier neuen Aufgänge werden am Bahnhof/Bahnübergang (in 18 Meter Tiefe/38 Meter weg vom Tunnel), am Blumenweg beim „Hotel Stadt Gernsbach“ (22/5 Meter), am Kurparkeingang/Bahnübergang (16/49 Meter) sowie in der Obertsroter Landstraße bei der Infotafel (in 10 Meter Tiefe, sehr nahe am Tunnel gelegen) errichtet.

Die Tunneldurchfahrt wird während des größten Teils der Baumaßnahmen ungehindert möglich sein. Erst zum Einbau der neuen Fluchttüren werden Vollsperrungen an acht Wochenenden angekündigt.
Die Tunneldurchfahrt wird während des größten Teils der Baumaßnahmen ungehindert möglich sein. Erst zum Einbau der neuen Fluchttüren werden Vollsperrungen an acht Wochenenden angekündigt. | Foto: Dorscheid

Die Treppen in den Fluchthäusern werden 1,50 Meter breit sein und Podeste erhalten, damit sich beispielsweise gehbehinderte Menschen etwas ausruhen können. „Oben“ werden Flächen für Rettungswagen eingeplant.

Gernsbacher Tunnel bis 2021 saniert

Der Großauftrag wurde an die Baufirma Reif vergeben; die Sprengungen erfolgen in Regie österreichischer Experten. Beginn der Arbeiten ist am Montag, 2. September. Bis Februar 2021 sollen die vier Treppenhäuser im Rohbau fertig sein; dann kann die Betriebstechnik eingebaut werden. Die Bauzeit insgesamt wird mit gut 18 Monaten veranschlagt. Teils wird an allen Baustellen parallel gearbeitet. Vielerorts bewegt man sich unterhalb des Grundwasserspiegels; „das erleichtert die Bauarbeiten nicht“, so Referatsleiter Genthner.

Vollsperrung für acht Wochenenden

Der Verkehr im Tunnel wird lange ungehindert fließen können; erst beim Anschluss der neuen Fluchttüren an die Röhre gibt es Beeinträchtigungen. Die Fachleute kündigten hier die Vollsperrung des Tunnels für acht Wochenenden an. Oberirdisch und innerstädtisch gibt es weitere Einschränkungen: Der Gehweg am Bahnhof auf der Parkplatzseite wie auch der Blumenweg auf Höhe des „Hotel Stadt Gernsbach“ müssen für die komplette Bauzeit gesperrt werden.

Im städtischen Umfeld geht es nicht ohne Beeinträchtigungen.

Die Scheuerner Straße muss zur Umlegung einer Abwasserleitung für etwa zwei Wochen dicht gemacht werden; die Zufahrt dort über den Bahnübergang zum Igelbachbad und in die Kelterbergstraße bleibt aber offen. Und in der Obertsroter Landstraße wird der Verkehr für rund drei Monate einspurig per Ampel an der Baustelle vorbeigeführt. „Im städtischen Umfeld geht es nicht ohne Beeinträchtigungen. Aber es liegen Erfahrungswerte vom Haupttunnel vor“, so Genthner.

60 bis 80 Sprengungen pro Treppe

Diese Erfahrungen dürften auch bei den Sprengungen weiterhelfen, die voraussichtlich Anfang November beginnen. Für jede der vier Rettungstreppen kann man im Schnitt zwischen 60 und 80 Sprengungen veranschlagen; dabei müssen nicht nur der Schacht in die Tiefe, sondern auch der „Querschlag“ hin zur Tunnelröhre freigeschlagen werden. Pro Sprengung kommen die Mineure etwa ein bis 1,50 Meter voran; schwere Abdeckmatten sollen einen Steinflug verhindern, Wassereinsätze bremsen die Staubentwicklung.

Kurzzeitige Erschütterungen.

Es wird „kurzzeitige Erschütterungen“ (Genthner) geben. Die Bewohner der umgebenden Häuser würden noch informiert, wobei teilweise Messgeräte installiert würden, die beim Überschreiten von Grenzwerten einen Alarm in der Zentrale auslösen. Die Sprengungen sollen ausschließlich in den Zugpausen erfolgen.