Signierstunde: Reinhold Messner berichtete in Gaggenau über seine Expeditionen. Für den mittlerweile 74-Jährigen geht es in der kommenden Woche nach Patagonien. | Foto: Keller

Reinhold Messner in Gaggenau

Gipfelstürmer denkt noch nicht ans Rasten

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Von Georg Keller 

Er bestieg als erster Mensch alle 14 Achttausender ohne Zuhilfenahme von Sauerstoff und sicherte sich damit einen Platz im Buch der (Berg-)Geschichte: Auf den Südtiroler Extrembergsteiger Reinhold Messner trifft die Bezeichnung lebende Legende ohne Übertreibung zu. Der mittlerweile 74-Jährige sprach am Mittwochabend in der Jahnhalle über seine Motivation, in lebensfeindliche Höhen von über 8 000 Meter vorzudringen.

Bergsteiger-Legende spricht in der Jahnhalle

Der Südtiroler, der über seine Abenteuer etliche Bücher veröffentlichte und auch eine Wahlperiode für die italienischen Grünen im Europaparlament saß, gastierte auf Einladung der Sparkassenstiftung Baden-Baden/Gaggenau im Murgtal. Anstelle von Eintrittsgeldern wurde um Spenden für die Stiftung gebeten, dabei kamen 5.500 Euro für Projekte in der Region zusammen, freute sich der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Baden-Baden/Gaggenau, Lothar Volle.

Erste Himalaya-Expedition endet in Tragödie

Reinhold Messner wuchs mit acht Geschwistern in Südtirol auf. Als fünfjähriger Bub stand er auf dem ersten 3.000er-Gipfel. „Es ist der größte Berg, den ich in meinem Leben bestiegen habe“, sagt er noch heute. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Günther entwickelte er sich in den folgenden Jahren zu einem der weltbesten Felskletterer.

Wir bewegen uns in einer Welt, in die der Mensch nicht gehen sollte.

Reinhold Messner

Die erste Himalaya-Expedition im Jahr 1970 zum Nanga Parbat sollte allerdings in einer Tragödie enden: Beim Abstieg wurde Günther Messner von einer Lawine erfasst und starb, Reinhold Messner überlebte, verlor aber sechs Fußzehen. Auch dieses Thema sprach der 74-Jährige in seinem Vortrag offen an. „Wir hatten eine Jung-Siegfried-Haltung: Uns kann nichts umbringen.“ Erst Jahre später gab der Gletscher die Leiche des Bruders frei, die Familie konnte Abschied nehmen.

Ohne Sauerstoff auf den Mount Everest

„Wir bewegen uns in einer Welt, in die der Mensch nicht gehen sollte“. Nach dem Tod des Bruders und Seilgefährten revolutionierte Messner die Besteigungen im Himalaya, in dem er im Alpenstil, ohne große und entsprechend teure Expeditionen vorging. Im Jahr 1978 bestieg er zusammen mit Peter Habeler ohne Sauerstoff den Mount Everest.

Messner: Mentale Ausdauer ist entscheidend

Bei Temperaturen von minus 40 Grad Celsius brauchte die Seilschaft rund zwei Stunden für die letzten Höhenmeter. Noch wichtiger als die körperliche Konstitution ist laut Reinhold Messner für den Gipfelerfolg der Kopf: „Es ist eine Frage der mentalen Ausdauer.“ Aber auch Scheitern gehört dazu: „Etwa ein Drittel meiner großen Projekte ist gescheitert und gelernt habe ich beim Scheitern mehr als bei meinen Erfolgen.“

Neue Herausforderung

Nachdem der Südtiroler alle Achttausender und die Seven Summits, die höchsten Berge aller sieben Kontinente bestiegen hatte, suchte er sich eine neue Herausforderung und durchquerte zusammen mit Arved Fuchs die Antarktis: In 92 Tagen legten sie 2 800 Kilometer zurück.

Exkurs über den Yeti

Ach ja: Der Yeti, den Messner im Jahr 1986 gesehen haben will, durfte natürlich nicht fehlen. Das Phänomen scheint mittlerweile gelöst: Demnach geht die Legendenfigur auf eine in den Höhenlagen des Himalaya lebende Bärenart zurück, so Messner. Ein englischer Journalist habe den Namen Yeti erfunden, durch einen Übersetzungsfehler wurde daraus „Schneemensch“.

Dreharbeiten in Patagonien

Das von Reinhold Messner gegründete Messner Mountain Museum mit sechs Standorten in Südtirol wird mittlerweile von seiner Tochter geführt. „Ohne Subventionen“, wie Messner sagte. Er selbst lebt auf seiner Burg und einem autarken Bergbauernhof: „Lieber eine Selbstversorgerlandwirtschaft als irgendwelche Papiere auf der Bank“, scherzte er. Rasten kann er auch mit 74 Jahren noch nicht: Nächste Woche geht es für ihn zu Dreharbeiten nach Patagonien.