Der Papierhersteller Glatfelter in Gernsbach verringert derzeit die Arbeitszeiten seiner Mitarbeiter. | Foto: Slobodan Mandic

Angespannte Marktlage

Glatfelter Gernsbach setzt Kurzarbeit ein

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Beim Papierhersteller Glatfelter in Gernsbach ist seit mehreren Wochen im Produktionsbereich Kurzarbeit angesagt. Maschinen stehen immer wieder tageweise still, berichtet Karsten Rehbein. Er ist der zuständige Bezirksleiter von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie in Karlsruhe. Bis Ende des Jahres könnte es bei verringerten Arbeitszeiten bleiben.

Zumindest hat das Unternehmen diesen Zeitraum laut Rehbein bei der Agentur für Arbeit beantragt. Wann und wie lang die Zeiten tatsächlich verringert werden, hängt vom Bedarf ab. „Das muss man jetzt mal abwarten.“ Die Unternehmensleitung in Gernsbach macht keine Angaben zur aktuellen Situation.

Die Mitarbeiter spüren das natürlich.

Klar ist: Für die betroffenen Mitarbeiter bedeutet die Kurzarbeit weniger Gehalt. Der Verlust werde jedoch dank dem Kurzarbeitergeld aus der Arbeitslosenversicherung sowie Regelungen im Tarifvertrag und der Betriebsvereinbarung relativ gering gehalten, betont der Gewerkschaftler. „Die Mitarbeiter spüren das natürlich trotzdem.“

Kündigungen sollen vermieden werden

Kündigungen unter den rund 650 Mitarbeitern sollen nach Rehbeins Kenntnisstand weiterhin vermieden werden. Das hatte Martin Rapp, der bis zum 30. September einer der beiden Geschäftsführer der GmbH war, auch im Herbst vergangenen Jahres betont.

Damals kündigte er im eher kleinen Bereich der metallisierten Papiere – Rapp sprach von weniger als zehn Prozent – Kurzarbeit und Stellenstreichungen an. Diejenigen, die von den Streichungen betroffen waren, sollten Arbeitsplätze in anderen Bereichen der Firma erhalten.

Brexit sorgt für Unsicherheit

Als Grund nannte Rapp damals einen Rückgang der Nachfrage nach metallisierten Papieren. Diese werden zum Beispiel für Etiketten von Bierflaschen verwendet.

Grund der aktuellen Kurzarbeitsphase ist Rehbein zufolge eine angespannte Marktlage. Dabei spiele auch der Brexit eine Rolle. Als Hersteller von Teebeutel- und Filterpapier litte Glatfelter unter der Unsicherheit.

Von einer Panik bin ich ganz, ganz weit weg.

Entwicklungen im Ausland können sich grundsätzlich in der Papierindustrie deutlich auswirken. „Die Exportquote ist schon beträchtlich“, erklärt Rehbein. Laut dem Statistischen Landesamt lag sie in Baden-Württemberg im Bereich „Papier, Pappe und Waren daraus“ seit 2012 jährlich bei rund 42 Prozent.

Gewerkschaftler sieht Glatfelter gut aufgestellt

Rehbein äußerte sich trotzdem zuversichtlich: „Von einer Panik bin ich ganz, ganz weit weg.“ Mit ihren Haupteinsatzgebieten sei die Firma gut aufgestellt. Konsumgüter wie Kaffee und Tee blieben gefragt; und nicht zuletzt sei Papier als Alternative zu Plastikverpackungen interessant. In diesem Bereich sei Glatfelter bereits aktiv. „Die Papierindustrie ist eine innovative Industrie“, betont er.

Einen positiven Eindruck machen auch die aktuellen Quartalszahlen des US-Mutterkonzerns der Glatfelter Gernsbach GmbH. Sie zeigen im Vergleich zum Vorjahr einen deutlich höheren Gewinn: 9,7 Millionen US-Dollar anstelle von 0,2 Millionen US-Dollar.

Die P. H. Glatfelter Company aus Pennsylvania hat die Papierfabrik Schoeller & Hoesch GmbH & Co. KG 1998 in Gernsbach als Auslandsstandort erworben und weiterentwickelt. Weitere deutsche Glatfelter-Standorte sind Dresden, Falkenhagen, Steinfurt und Oberschmitten.

Auswirkung auf die Gewerbesteuer bleibt abzuwarten

Inwieweit die aktuelle Situation sich in den Gewerbesteuereinnahmen der Stadt Gernsbach niederschlägt, bleibt abzuwarten. Die Stadtverwaltung macht dazu keine Angaben. „Wir dürfen grundsätzlich zu Gewerbesteuereinnahmen einzelner Unternehmen aus steuerrechtlichen Gründen keine Auskünfte geben“, teilt Stadtsprecherin Nicoletta Arand mit.