Dem Maler, Rebell und Genie Caravaggio hat das Figurentheater Raphael Mürle Pforzheim ein Stück gewidmet.
Dem Maler, Rebell und Genie Caravaggio hat das Figurentheater Raphael Mürle Pforzheim ein Stück gewidmet. | Foto: figurentheater pforzheim

Puppentheater in Gernsbach

Große Kunst auf kleiner Bühne

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Sie ist aus dem Kulturprogramm der Stadt Gernsbach nicht wegzudenken. Zum nunmehr 30. Mal wird die beliebte Puppentheaterwoche zwei Wochen vor Ostern, am Freitag, 16. März, ihren Vorhang öffnen. 24 Vorstellungen auf 17 Bühnen mit 28 Puppenspielern aus Deutschland, Belgien und der Schweiz stehen auf dem Programm.

Bürgermeister Julian Christ freute sich bei der gestrigen Pressekonferenz sehr darauf, die „identifikationsstiftende Kulturveranstaltung der Stadt“ zum ersten Mal in seiner Amtszeit mitzuerleben. Welche Stücke zu seinen Favoriten zählen, verriet der Bürgermeister allerdings nicht.

Auch diesmal ist es den Organisatoren rund um die Stadtverwaltung und den künstlerischen Leiter Frieder Kräuter gelungen, ein abwechslungsreiches, spannendes und bisweilen erheiterndes Programm für Kinder und Erwachsenen zusammenzustellen. Von Anfang an war es ein großes Anliegen mit dieser beliebten Veranstaltungsreihe alle Altergruppen anzusprechen und mit dem Vorurteil aufzuräumen, Puppentheater sei nur etwas für die „Kleinen“, informiert Frieder Kräuter. „Puppentheater ist nicht nur heile Welt oder Komödienstadel“, so der künstlerische Leiter. . Auch ernste Stücke gehören traditionell zum Repertoire der Puppentheaterwoche.

Auch ernste Stücke im Repertoire

Mit diesem Konzept einer breiten Basis sei man sehr erfolgreich gewesen, so Kräuter. Dies belegten die außerordentlichen Zuschauerzahlen, die „steigend gleichmäßig gut“ seien. Im vergangenen Jahr wurden rund 3.000 gezählt. Seit ihrer Gründung habe sich die Puppentheaterwoche in die Herzen von weit mehr als 65.000 Puppenspielfans gespielt. Tradition hat mittlerweile auch das Engagement des Werkladens Staufenberg, der seit vielen Jahren einen begleitenden Workshop für Kinder anbietet sowie eine begleitende Ausstellung im Foyer der Stadthalle. Möglich machen dieses weit über die Grenzen Gernsbachs beliebte Festival zu einem nicht geringen Teil auch die Sponsoren. 21 sind es in diesem Jahr, die sich mit einem Betrag von 19.200 Euro am Gelingen der Puppenspielwoche beteiligen.

Los geht es bereits am Freitag, 16. März um 20 Uhr mit dem Stück „Wilde Reise durch die Nacht“. Das Puppentheater Magdeburg nimmt die Zuschauer mit auf einen wilden Sinnestrip quer durch das zeichnerische Universum Gustave Dorés. Mit zwölf Jahren ist Gustave eindeutig zu jung, um zu sterben. So macht er sich auf, um sechs scheinbar unlösbare Aufgaben zu bewältigen. Besteht er die Prüfungen, packt der Knochenmann die Sense wieder ein.

Jubiläumsabend am 17. März

„Hereinspaziert, wertes Publikum..“ heißt es am Jubiläumsabend am 17. März um 19.30 Uhr. Ein Abend voller Live-Musik, Puppenturbulenzen und nachhaltigen Ereignissen erwartet die Besucher. Schon die „Ouvertüre“ verspricht besonderen Genuss. Denn dank der singenden Puppenspieler Bernd Lang und Markus Dorner vom Dornerei Theater mit Puppen stehen sie erstmals gemeinsam im Rampenlicht: die unvergleichlichen drei Tenöre, die unvergessenen Comedian Harmonists und der unsterbliche Amadeus Mozart. In RATATA – Die Rattenfanfare vom (Straßen)Theater PasParTout erobert eine abgefahrene Rattengang die große, weite Welt jenseits der engen Kanalisation. Als knallige Nagercombo spielt die einzigartige Vierbeinergang Musik von rattig bis scharf.

Theatestücke für Kinder ab vier Jahren

Das Holzfeuerwerk von Hans Krüger geht einher mit einem Ökofeuerwerk ganz aus Holz: Raketen, Riesensonne, das Superufo „Tornado“, der Spiralnebel „Galactica“- ein Meilenstein in der Geschichte der mechanischen Pyrotechnik.

Am Sonntag, 18. März, präsentiert das marotte Figurentheater aus Karlsruhe das Kinderstück „Kuh Lieselotte“. Um 11.15 Uhr und um 15 Uhr können Kinder ab vier Jahren die Kuh Lieselotte auf ihren Abenteuern mit der Bäuerin und dem Postboten Heiner begleiten. Um 19 Uhr verdichtet dann das Seifenblasen-Figurentheater das diesjährige Familienstück „Der Sturm“, eines der schönsten Shakespeare-Schauspiele, zu einem turbulent-zauberischen Theatererlebnis für Kinder ab acht Jahren.

Hommage an Caravaggio

Janoschs Kinderbuchklassiker „Die Fiedelgrille und der Maulwurf“ wird am Dienstag, 20. März, um 15 Uhr, spannend und liebevoll vom Figurentheater Hattenkofer inszeniert. Eine Hommage an den Maler Caravaggio ist am Dienstag, 20. März um 20 Uhr zu sehen. Im Stück „Caravaggio – Maler, Rebell und Genie“ huldigt das Figurentheater Raphael Mürle einem der geheimnisvollsten und revolutionärsten Maler der Kunstgeschichte. Ein „schwarzes Schaf“ ist man nicht, man wird dazu gemacht. Auf dieser Erfahrung basiert die Geschichte vom Theater Laku Paka, die am Mittwoch, 21. März um 15 Uhr unterhaltsam zeigt, wie Konflikte in einer Herde entstehen und bewältigt werden können.

In „Schwarze Schafe leben besser“ bebildern ausdrucksstarke Figuren, eine rasante Fabel für Kinder ab vier Jahren. Am Mittwoch, 21. März erwartet Zuschauer ab 14 Jahren um 20 Uhr das Stück „Schlafes Bruder“, inszeniert vom Theatrium Figurentheater Dresden. Es ist die Geschichte eines Musikers, dessen ungewöhnliches Musikertalent nicht erkannt und extremes Menschsein nicht akzeptiert wurde, dessen ungewöhnliche Liebe sich nicht erfüllte und in die Verweigerung jeglichen Schlafes bis zum Tode mündete, weil er erkannt zu haben glaubte: Wer schläft, liebt nicht.

Zwei kleine freche Mäuse und ein großer mächtiger Löwe, der seinen Mittagsschlaf hält. Zack, schon ist eine der Mäuse gefangen und baumelt über dem riesigen Maul des Löwen. Mit viel Witz und Selbstvertrauen überredet sie den Löwen, sie wieder freizulassen. Am nächsten Tag verletzt sich der Löwe. Ein Dorn steckt tief in seiner Pranke. Die tapfere Maus hört von seiner Not und beschließt ihm zu helfen. Wie sie das anstellt, das verrät das Theater Fithe am Donnerstag, 22. März, um 15 Uhr im Stück „Der Löwe und die Maus“ für Kinder ab vier Jahren.

Beitrag zur Flüchtlingsdebatte in Puppentheaterwoche

Ein Haus, das mangels Zement immer wieder einstürzt. Wände aus Karton und Pappe die beim nächsten Regen wie ein nasser Lumpen zusammensacken. Der Matsch ist kniehoch und am Himmel steht diese dunkle Regenwolke. Da gibt es in der Ferne auf einem Hügel hinter einer weißen Mauer einen Friedhof. . . Dem Ensemble Materialtheater ist mit dem Stück „Der Friedhof oder das Lumpenpack von San Cristóbal“ ein poetisch-beklemmender Beitrag zur Flüchtlingsdebatte gelungen, der am Donnerstag, 22. März um 20 Uhr gezeigt wird.

Am Freitag, 23. März, präsentiert die Hör- und Schaubühne Stuttgart das Stück „Aprikosenzeit“ für Kinder ab sechs Jahren. Einen romantischen Albtraum verspricht das Stück „Elchjagd“ am Freitag, 23. März um 20 Uhr, gespielt von den Thalias Kompagnons aus Nürnberg. Elchjagd ist eine aberwitzige, gespenstische Komödie über Beziehungen, das Eheleben, bürgerliche Ideale und die Geister der Vergangenheit, heraufbeschworen mit einer Handvoll untoter Puppenköpfe.

Karten gibt es ab dem 5. Februar

Ein Theater im Schuhkarton – das verspricht der diesjährige Workshop „Die Fiedelgrille“ im Werkladen Staufenberg am Samstag, 24. März um 14.30 Uhr für Kinder ab sechs Jahren. Die Anzahl der Teilnehmer ist begrenzt. Anmeldungen bei Agnes Pliester, Telefon (0 72 24) 44 73.

Irrungen und Wirrungen eines liebenden Ebers erleben die Zuschauer am Samstag, 24. März, um 20 Uhr, im Stück „Schwein, Weib und Gesang“, inszeniert vom Theater Fleisch und Pappe. Karl-Heinz Schwein hat sich in Sissi Schwein verliebt und scheut keinen Aufwand, um ihr Herz zu gewinnen.

Alle Aufführungen in der Stadthalle

Alle Aufführungen finden in der Stadthalle Gernsbach statt, Der Kartenvorverkauf beginnt beim Kulturamt Gernsbach am Montag, 5. Februar um 9 Uhr oder online unter www.reservix.de oder www.gernsbach.de.