Beliebter Treffpunkt: Das Lautenbacher Freibad steht bei Einheimischen und Gästen von außerhalb hoch im Kurs. Nach dem AfD-Antrag zur Schließung des Bades zum Jahresende schlagen die Wogen in Gernsbach hoch. Am Montag entscheidet der Gemeinderat über dessen Zukunft. | Foto: Mörmann

Gemeinderat Gernsbach

Große Spannung vor Entscheidung über Lautenbacher Schwimmbad

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Matthias Mörmann hat eine lange Woche hinter sich. Seit bekannt wurde, dass der Gernsbacher Gemeinderat am kommenden Montag über die Schließung des Lautenbacher Freibades entscheidet, steht sein Telefon nicht still. In den vergangenen Tagen suchte der Sprecher der Schwimmbad-Initiative Lautenbach (SIL) das Gespräch mit den Fraktionen, um das Bad zu retten. „Von 16 bis 23 Uhr war ich im Einsatz“, berichtet Mörmann – nach der Arbeit.

Die AfD-Gruppierung hat die Schließung des Bades zum Jahresende beantragt. Dabei hatte die Stadt Gernsbach der SIL versprochen, die Anlage für rund 900.000 Euro zu sanieren. Im Gemeinderat wird mit einer knappen Entscheidung gerechnet.

Für uns ist das ein Vertrauensbruch.

SIL-Sprecher Matthias Mörmann zur Debatte über das Lautenbacher Bad

„Ich habe in dieser Woche unzählige Gespräche geführt“, sagt Mörmann. Als vor Jahren der Lautenbacher Kindergarten geschlossen wurde, habe man der Schwimmbad-Initiative signalisiert, dass der Erhalt des Bades dadurch gesichert sei. „Für uns ist das ein Vertrauensbruch“, kritisiert Mörmann, „wir sind wahnsinnig enttäuscht.“

Schwimmbad-Initiative bleibt optimistisch

Mörmann und seine Mitstreiter ärgern sich auch darüber, dass das Thema kurzfristig auf der Tagesordnung gelandet ist. Jahrelang hätten sich die Ehrenamtlichen dafür eingesetzt, das Bad am Leben zu halten: „Und das ist nun der Dank dafür.“

In Lautenbach regt sich Widerstand gegen die Schließung des Schwimmbades. Vor Jahren hatte der Ort seinen Kindergarten verloren. | Foto: Fieting

Noch Anfang der Woche hatte er die Chancen auf ein Happy End für das Lautenbacher Bad auf „51:49“ beziffert. „Ich glaube, es sieht jetzt etwas besser aus“, sagt Mörmann, nachdem er in dieser Woche mit mehreren Gemeinderäten gesprochen hat.

Polemik ist nicht seine Sache: „Ich bin auch nach der Sitzung an einer guten Zusammenarbeit mit Stadt und Gemeinderat interessiert“, sagt Mörmann. Enttäuscht über das Vorgehen einiger Bürgervertreter sei er dennoch. Im Vorfeld habe es „keine Hinweise gegeben, dass sich da etwas zusammenbraut.“

Viele Gemeinderäte noch unentschlossen

Die Initiative erfahre eine große Unterstützung aus der Bevölkerung, auch außerhalb Lautenbachs. „Die Anteilnahme ist überwältigend“, sagt Mörmann. Der „Schwellwog-Treff“ sei nicht nur ein Schwimmbad, sondern die zentrale Begegnungsstätte im Ort.

Bürgermeister Julian Christ will an der Sanierung des Bades festhalten. Im Gemeinderat zeichnet sich keine klare Mehrheit ab. Bei den Freien Bürgern seien einige Räte noch „unentschlossen“, sagte Sprecher Uwe Meyer auf BNN-Anfrage am Freitag. Die CDU will alle Investitionen prüfen lassen, nicht nur die Lautenbacher Bad-Sanierung. Außerdem werde die Fraktion „grundsätzlich keinem AfD-Antrag zustimmen“, teilt Sprecherin Frauke Jung mit.

Knappe Entscheidung zu erwarten

Dagegen haben offenbar auch einige SPD-Räte Vorbehalte. Sprecherin Irene Schneid-Horn rechnet damit, dass es „keine geschlossene Abstimmung“ geben wird. Die Grünen wollen laut eigener Aussage für den Erhalt des Bades votieren. Der AfD-Antrag sei ein „Schlag mitten ins Gesicht der Schwimmbad-Initiative.“ Vor dem Hintergrund ihrer bundespolitischen Ausrichtung wolle man überdies keine „Koalition“ mit der AfD eingehen.