Würdigt die Arbeit des Teams des Nationalparks Schwarzwald: Forbachs Bürgermeister Katrin Buhrke. Forbach war einst eine Hochburg der Nationalparkgegner.
Würdigt die Arbeit des Teams des Nationalparks Schwarzwald: Forbachs Bürgermeisterin Katrin Buhrke. Forbach war einst eine Hochburg der Nationalparkgegner. | Foto: Bernd Kamleitner

Bürgermeisterin Buhrke

Großes Lob für den Nationalpark – auch aus Forbach

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Das wäre vor Jahren undenkbar gewesen: Völlig ohne Proteste von Nationalpark-Gegner verlief das „Meilenstein“-Fest des Nationalparks zum vollendeten Nationalparkplan. In der einstigen Hochburg der heftigsten Kritiker des Schutzgebiets gab es vielmehr Lob für die NP-Verwaltung – von Forbachs Bürgermeisterin Katrin Buhrke.

Wer hätte das vor Jahren gedacht: Der Nationalpark Schwarzwald ist in Forbach Gastgeber einer Feier – und keiner protestiert gegen das seit fünf Jahren bestehende Schutzgebiet. In einer der früheren Hochburgen der Nationalpark-Gegner würdigt dagegen Forbachs Bürgermeisterin Katrin Buhrke das Projekt auf der ganzen Linie, spricht von einem Grund „zum Feiern“, lobt Transparenz und bestätigt der Nationalparkverwaltung „eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit“. Verkehrte Welt? Nein, es ist Realität!

Kritische Stimmen gegen Schutzgebiet sind so gut wie verstummt

Auch Umfragen belegten zuletzt, dass der erste Nationalpark im Südwesten in der Region angenommen wird. Kritische Stimmen sind so gut wie verstummt. Das vom Land Baden-Württemberg realisierte Schutzgebiet gilt als Vorzeigeprojekt, das der Region hohe Aufmerksamkeit und mehr Touristen beschert, die bewusst Erholung in der Natur suchen.

Befürworter und Kritiker auch in Familien

Als die damalige grün-roten Landesregierung ankündigte, das Schutzgebiet auf einer Fläche von 10 000 Hektar im Nordschwarzwald zwischen Freudenstadt und Baden-Baden auszuweisen, teilte das Für und Wider bisweilen sogar Familien. Der Umgangston wurde rauer. Auch in Forbach.

  • Können sich über Lob für die Arbeit des Nationalparkteams freuen: Die beiden Leiter Wolfgang Schlund (links) und Thomas Waldenspuhl.
  • Viele Interessenten verfolgten die "Meilenstein"-Feier anlässlich des vollendeten Nationalparkplans in der Murghalle in Forbach.
  • Lob gab es auch aus Forbach: von Bürgermeisterin Katrin Buhrke. Forbach war in der Vergangenheit eine Hochburg der Nationalpark-Gegner.
  • Staatssekretär Andre Baumann aus dem Umweltministerium in Stuttgart stellte die Beteiligungsmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger bei der Entwicklung des Nationalparks heraus. In Forbach konnten die Teilnehmer der Veranstaltung ebenfalls ihre Meinung zum Thema äußren.
  • Expertenrunde in der Murghalle: Moderiert wurde die Veranstaltung von der bekannten Schauspielerin Ursula Cantieni ("Die Fallers").
  • Ursula Cantieni im Gespräch mit Stephanie Aeffner, der Behindertenbeauftragten des Landes Baden-Württemberg.
  • Süße Liebeserklärung an den Nationalpark.
  • Waffeln in Herzform gab es für die Gäste, die den Nationalpark in ihr Herz geschlossen haben, in der Murghalle Forbach.
  • Mit Sekt wurde auf den vollendeten Nationalparkplan angestoßen. Er ist so etwas wie ein Betriebshandbuch für das Schutzgebiet.
  • Überraschungsgast: Der ehemalige Agrarminister Alexander Bonde (links) und die beiden Nationalparkleiter Thomas Waldenspuhl (Mitte) und Wolfgang Schlund.
  • Im Nationalpark gibt es viel zu entdecken - auch für junge Besucher.
  • Ein viel diskutiertes Thema: das Wegekonzept
  • Moderierte charmant und kompetent: Ursula Cantieni. Als Dankeschön gab es von NP-Leiter Schlund ein Insektenhotel für die Schauspielerin.
  • Reger Austausch: Das Meilenstein-Fest in der Murghalle kam gut an.
  • Aufmerksame Zuhörer: Viele Gäste informierten sich in Forbach über den Nationalparkplan.

Buhrke betont bei der Feier zum abgeschlossenen Nationalparkplan, der einem Betriebshandbuch für das Gebiet entspricht, dass sie die „damaligen Vorbehalte aus der Distanz beobachtet“ habe. Am 16. März 2014, zweieinhalb Monate nach dem Nationalpark-Start am 1. Januar vor fünf Jahren, war sie zur Bürgermeisterin der Murgtalgemeinde gewählt worden.

Kein Hinweis auf Nationalpark auf der Forbacher Homepage

Die kann einen Aufschwung im Tourismus gut gebrauchen. Während andere Nationalparkanlieger längst mit dem Schutzgebiet werben, sucht man auf der Homepage der Gemeinde Forbachs heute vergeblich einen Hinweis auf das Projekt. Nicht mehr zeitgemäß erscheint auch der Zustand der Murghalle: An vielen Stellen ist der Lack ab, Sanierungsbedarf ist nicht von der Hand zu weisen.

Videobotschaft des Ministerpräsidenten

Bei unterschiedlichen Themen des Nationalparkplans wurden erste Ausarbeitungen im Gespräch mit Beteiligten dagegen bereits überarbeitet und nachgebessert Dass bei allen 14 Modulen – darunter Verkehrs- und Wegekonzept sowie Wildtier- und beim Borkenkäfermanagement – ein Konsens gefunden wurde, wird in der gut gefüllten Murghalle von Beteiligten immer wieder herausgestellt. Ein Grußwort des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann wird per Video eingespielt.

Nationalpark ist ein Mehrgenerationenprojekt

Charmant und kompetent moderiert wird die Experten-Runde von einer Nationalpark-Begeisterten: Schauspielerin Ursula Cantieni („Die Fallers“). Für Umweltstaatssekretär Andre Baumann ist das Gebiet „ein Mehrgenerationenprojekt“. Er verweist zudem auf eine „einzigartige breite Beteiligung“ der Menschen. Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider wertet die Bürgerbeteiligung am Nationalpark sogar als „Wandel im klassischen Verwaltungshandeln“.

Setzt sich engagiert für eine Zusammenlegung der beiden Nationalparkgebiete ein: Gerhard Goll (links) Vorsitzender des Nationalparkbeirats. Neben ihm sitzt der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider.
Setzt sich engagiert für eine Zusammenlegung der beiden Nationalparkgebiete ein: Gerhard Goll (links) Vorsitzender des Nationalparkbeirats. Neben ihm sitzt der Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider. | Foto: Bernd Kamleitner

Goll: Erfolg nicht allein an Besucherzahlen messen

Für den Freudenstädter Landrat und Vorsitzenden des Nationalparkrats, Klaus Michael Rückert, ist das Gebiet nicht nur Naturschutz-, sondern auch regionales Entwicklungsprojekt. Gerhard Goll, Vorsitzender des beratenden Nationalparkbeirats, der über 30 Interessengruppen vertritt, mahnt, den Erfolg des Gebiets nicht allein an Besucherzahlen zu messen. Wer das tue, denke falsch, weil nur an den Menschen, aber nicht an die Natur: „Dann haben wir einen Rummelplatz gemacht.“