Starker Rückhalt: Hans-Peter Fries zu seiner aktiven Zeit im Tor des TuS Schutterwald, der damals in der Ersten und Zweiten Bundesliga spielte. Fries wechselte als junger Mann vom TB Bad Rotenfels in den Ortenaukreis.
Starker Rückhalt: Hans-Peter Fries zu seiner aktiven Zeit im Tor des TuS Schutterwald, der damals in der Ersten und Zweiten Bundesliga spielte. Fries wechselte als junger Mann vom TB Bad Rotenfels in den Ortenaukreis. | Foto: BNN

Hans-Peter Fries im Interview

Handball-Veteran aus Ottenau: Der „Popper“ setzt auf den Heimvorteil

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Sieben Jahre spielte er für den TuS Schutterwald in der Bundesliga, 17-mal für die deutsche Nationalmannschaft: Hans-Peter Fries aus Ottenau. 20 Jahre nach seinem Karriereende verfolgt der Ex-Profi die Handball-WM als Fan von der Couch aus. Mit BNN-Redakteur Dominic Körner sprach „Popper“, wie ihn Mitspieler einst wegen seines ausgefallenen Schuhwerks riefen, über die großen Veränderungen im Handball-Sport, die Unterschiede zum Fußball – und legt sich auf einen Weltmeister fest.

Herr Fries, die deutsche Mannschaft hat alle Chancen auf den WM-Titel. Überrascht?

Fries: Nein. Das Team besitzt eine herausragende Qualität und war für mich schon vor dem Turnier einer der Favoriten. Die Abwehr ist super, im Angriff sehe ich dagegen noch Luft nach oben. Bislang sind unsere Handballer im Soll, aber jetzt kommen die großen Kaliber …

… die da wären?

Fries: Frankreich ist überragend, auch Dänemark muss man auf der Rechnung haben. Gegen diese Gegner entscheidet letztlich die Tagesform. Ab dem Halbfinale kann jeder jeden schlagen.

Deutschland wird Weltmeister.

Reicht es am Ende für den großen Wurf?

Fries: Es wird auf jeden Fall eng. Aber wenn ich mich festlegen muss, sage ich: Deutschland wird Weltmeister. Man sollte den Heimvorteil nicht unterschätzen. Die Unterstützung der deutschen Fans kann die Mannschaft zum Titel tragen.

Könnte der 30-jährige Hans-Peter Fries bei der WM 2019 spielen?

Fries: Bei den Favoriten sicher nicht. Aber wenn ich die Torhüter von schwächeren Nationen sehe, denke ich: Da hätte ich in meiner Glanzzeit auch mithalten können.

Es ist eine andere Sportart.

Hat sich das Spiel seit Ihrem Karriereende vor 20 Jahren verändert?

Fries: Und wie. Es ist eine andere Sportart! Schneller, physischer. Ich war Amateur und habe damals schon bei Benz gearbeitet. Die heutigen Profis trainieren viel häufiger und unter besseren Bedingungen.

Auch die Gehälter haben sich verändert. Der deutsche Nationalspieler Uwe Gensheimer verdient bei Paris St. Germain eine halbe Million Euro im Jahr …

Fries: Das war zu meiner Zeit undenkbar. Mein erster Profivertrag in Schutterwald brachte mir monatlich gerade mal 200 Mark ein. Plus Spritgeld. Heute kann ein Erstliga-Torwart gut von seinem Gehalt leben.

Man darf keine Angst haben.

Für den Südbadischen Handballverband bilden sie Torhüter aus. Was muss ein Talent mitbringen, um es – wie Sie – in die Bundesliga zu bringen?

Fries: Stellungsspiel, Athletik, ein gutes Auge. Das Gesamtpaket muss stimmen. Und man darf keine Angst haben. Immerhin fliegen einem Würfe mit bis zu 180 Stundenkilometern um die Ohren. Aber Talent alleine reicht nicht: Für die Weltspitze braucht es eine gewisse Größe, unter 1,90 Meter ist da keiner.

Die Bundesliga boomt: Die Hallen sind voll, für viele gilt sie als beste Liga der Welt. Trotzdem werden die Partien nicht im Free TV übertragen. Dabei holte Deutschland bei der letzten Heim-WM 2007 den Titel. Wie kann es diesmal gelingen, die Euphorie in den Liga-Alltag zu retten?

Fries: Gute Frage. Damals hat es leider nicht geklappt. In Deutschland überlagert der Fußball alles, dabei ist Handball für mich das attraktivere Spiel. Ein 0:0 werden Sie jedenfalls nicht erleben. Und eines kommt noch hinzu …

Bitte?

Fries: Denken Sie an Ribéry und sein vergoldetes Steak. Der Fußball ist teilweise etwas abgehoben. Handball ist bodenständiger und ehrlicher. Schauspieleinlagen wie von Neymar bei der Fußball-WM gibt es auch nicht. Vielleicht erkennen das die Menschen.

Ein großes Problem eint mittlerweile alle Sportarten: Immer weniger Kinder spielen noch im Verein. Was kann man tun, um die Jugend für den Handball zu begeistern?

Fries: Wir müssen in die Schulen gehen, Werbung machen. Gerade jetzt muss man die Begeisterung ausnutzen. Die Strukturen und die Förderung im unteren Bereich sind da. Nach oben hin wird es allerdings dünn. Leider haben wir in Südbaden keinen hochklassigen Verein mehr. Deshalb zieht es die größten Talente in andere Regionen, wo sie in den Handball-Internaten der großen Klubs gezielt gefördert werden.

Von 1985 bis 1999 spielte Hans-Peter Fries für den TuS Schutterwald, darunter sieben Jahre in der Ersten Bundesliga. Er absolvierte 17 Länderspiele für Deutschland. Den Höhepunkt seiner Karriere erlebte der Torwart im Halbfinale des deutschen Handball-Pokals gegen den THW Kiel. Vollprofi war er nie: Damals wie heute arbeitete Fries bei Daimler. Nach seiner aktiven Laufbahn trainierte der 53-Jährige zunächst die Jugend seines Heimatklubs TB Rotenfels (heute: Panthers Gaggenau). Mittlerweile ist Hans-Peter Fries Torwarttrainer beim Südbadischen Handballverband, dem TV Willstätt (Dritte Liga Herren) und der SG Kappelwindeck/Steinbach (Dritte Liga Damen). Fries wohnt wie schon zu seiner Profizeit in Ottenau, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Fernsehtipp

Handball-WM, Hauptrunde: Deutschland-Spanien, Mittwoch, 23. Januar, 20.15 Uhr, ARD