Ein architektonisches Glanzstück im Rotenfelser Gewerbegebiet ist die Firma König Metall. Doch intern scheint die Beziehung zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung am Tiefpunkt angelangt zu sein. | Foto: Dorscheid

Betriebsrat gegen Firmenspitze

Heftiger Streit bei König Metall in Gaggenau

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Bei König Metall, einer der traditionsreichsten Firmen in Gaggenau, scheint der Haussegen gewaltig schief zu hängen. Zumindest wenn man den Ausführungen des Betriebsrats Glauben schenken darf. „Der Betriebsrat und Firmeninhaberin Nina Zwiebelhofer sehen sich derzeit einer Konfrontation auseinandergesetzt, die nie da gewesene Ausmaße annimmt und eine Ära beendet hat: Die Ära der vertrauensvollen Sozialpartnerschaft zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung“, steht es wörtlich in der in diesen Tagen verteilten Ausgabe von „Klartext“, der Zeitschrift des Betriebsrats. Der Konflikt in dem mittelständischen Unternehmen hat sich nach BNN-Informationen bis zu einer Auseinandersetzung vor Gericht hochgeschaukelt, wobei es im Kern um die Kompetenzen und das Mitspracherecht der Arbeitnehmervertretung geht. Dies alles vor dem Hintergrund einer sehr positiven geschäftlichen Entwicklung.

„Unternehmen wird nicht verkauft“

Auch ist im „Klartext“ zu lesen, dass die Firmeneigentümerin und Geschäftsführerin daran denke, das Unternehmen zu verkaufen – nur eine Drohgebärde? Auf BNN-Nachfragen unter anderem zu ihrem Verhältnis zum Betriebsrat ließ Firmenchefin Nina Zwiebelhofer der Redaktion eine schriftliche Mitarbeiterinformation der Geschäftsführung zukommen, die als Reaktion auf die Vorwürfe des Betriebsrats im „Klartext“ zu verstehen ist. Weitergehende Fragen dieser Zeitung wurden nicht beantwortet.
In der von drei Geschäftsführern unterzeichneten Mitarbeiterinformation heißt es, dass ein Unternehmensverkauf „nicht zur Debatte steht – im Gegenteil: Die Eigentümerfamilie Zwiebelhofer investiert derzeit aus eigenen Mitteln in den Neubau der König Metall Academy. Hier wird Platz geschaffen für moderne Ausbildungsräume, um künftige, junge König Metaller auszubilden und so langfristig die Zukunft der Firma zu sichern.“

Firmenspitze sieht „andere Ansichten“

Was die vom Betriebsrat beschriebenen schwerwiegenden Störungen angeht, heißt es in dem Schreiben der Geschäftsführung: „Seit März 2018 gibt es einen neuen Betriebsrat, mit dem sich die Geschäftsführung im Moment etwas intensiver austauscht, als wir das bisher gewohnt waren. Sicherlich sind mit dem neuen Gremium andere Ansichten über bestehende Regelungen aufgekommen. Im Sinne einer lebendigen Sozialpartnerschaft ist ein offener Austausch der Positionen wünschenswert. Die Geschäftsführung steht für einen konstruktiven Austausch … selbstverständlich zur Verfügung.“

Flächentarif gilt nicht

König Metall gibt es bereits seit über 100 Jahren, das Unternehmen mit architektonisch ansprechendem Ambiente im Rotenfelser Gewerbegebiet verarbeitet Bleche und Rohre als Zulieferer für die Automobilindustrie und weitere Branchen. Die Firma beschäftigt laut Betriebsrat knapp 700 Mitarbeiter, wovon rund 75 einen befristeten Vertrag haben. König Metall gehört unter Nina Zwiebelhofer seit 2016 nicht mehr dem Flächentarif für die Metall- und Elektroindustrie an – bemerkenswert deshalb, weil der frühere Firmeninhaber Otmar Zwiebelhofer (gestorben im November 2014) als langjähriger Vorsitzender von Südwestmetall viele Pilot- und Tarifabschlüsse aus der ersten Reihe heraus mitverhandelt hat.

„Raue Umgangsformen“

Aktuell stehen die Zeichen hinter der attraktiven Fassade wohl eher auf Sturm. „König Metall hat in den vergangenen Jahren seinen einst sehr guten Ruf als Arbeitgeber in der Region verloren. Dies ist nicht die Meinung des Betriebsrats, sondern allgemeiner Tenor…“, heißt es unter anderem im „Klartext“. Von rauen Umgangsformen, hohem Druck, ungerechter Bezahlung und schlechten Arbeitsbedingungen ist dort die Rede. Der Betriebsrat spricht von mehreren Gründen für die angeführten Missstände: Zum einen der hohe Leistungsdruck; so soll sich das Umsatzvolumen in den vergangenen Jahren bei fast gleicher Beschäftigtenzahl um mehr als 70 Prozent erhöht haben. Zweitens wird eine schlechte Organisation angeführt, Vorgänge und Projekte seien nicht zu Ende gedacht. Drittens führt der Betriebsrat unklare Strukturen an; so seien Personalentscheidungen der Belegschaft oft nicht kommuniziert worden, zum Beispiel Veränderungen auf Abteilungsleiterebene spät oder gar nicht mitgeteilt worden.

Die Zahlen stimmen

Dass die wirtschaftliche Entwicklung sehr positiv ist, kommt auch in der schriftlichen Mitarbeiterinformation der Geschäftsführung zum Ausdruck. Dort heißt es: „Wir als neue Geschäftsführungsgeneration haben den Umsatz seit 2013 fast verdoppelt und die Anzahl der Beschäftigten um nahezu 40 Prozent erhöht. Seit 2015 wurden 37 Millionen Euro investiert. Die Investitionen sind auch in den nächsten Jahren weiter auf einem hohen Niveau geplant.“ Zudem wird von der Firmenspitze darauf verwiesen, dass für 2017 eine Gewinnbeteiligung ausgezahlt worden sei. Auch das laufende Jahr entwickle sich sehr positiv; bei der Neugewinnung von Aufträgen liege man jetzt schon voll im Ziel.