Die (eigentlich bedrohte) Gottesanbeterin profitiert vom Klimawandel und ist mittlerweile auch im Murgtal heimisch geworden. | Foto: Deck

Lust und Leiden im Tierreich

Unfruchtbar ab 32 Grad

Anzeige

Was haben Bienenfresser, Borkenkäfer und Gottesanbeterin gemeinsam? Sie alle profitieren von der Gluthitze und vermehren sich prächtig. Für andere Arten ist das extreme Klima der vergangenen Wochen indes lebensbedrohlich: Sie leiden unter Sauerstoffmangel, sitzen auf dem Trockenen und werden bei hohen Temperaturen sogar unfruchtbar. Gemeinsam mit dem Gernsbacher Naturschutzexperten Stefan Eisenbarth geben die BNN einen Überblick über Gewinner und Verlierer des Sommers in der Tierwelt.

Gewinner

Wiedehopf: Der gefiederte Geselle mit der Federhaube mag es warm und trocken. Deshalb ist er vornehmlich in Afrika, Südasien und Südeuropa verbreitet, das momentane Klima kommt dem in Deutschland bedrohten Vogel also durchaus entgegen. Seine Beute, meist Insekten, fängt er per pedes, indem er sie mit seinem gebogenen Schnabel aufwühlt. Ist ein Raubvogel in Sicht, legt sich der Wiedehopf flach auf den Boden und stellt sich tot.

Der Wiedehopf mag es warm und trocken. | Foto: dpa

Gottesanbeterin: Bislang in Südeuropa zu Hause, breitet sich das bizarr anmutende Insekt über den Kaiserstuhl auch in Richtung Murgtal aus. Stefan Eisenbarth selbst hat ein Exemplar im Gernsbacher Pfleiderer-Areal gesichtet. „Die Gottesanbeterin profitiert enorm vom Klimawandel“, erklärt er. Ihren ungewöhnlichen Namen hat sie ihren oft angewinkelten Vorderbeinen zu verdanken. Trend: Das Insekt des Jahres 2017 ist bei uns auf dem Vormarsch.

Bienenfresser: „Auch er hat über Südbaden den Weg ins Murgtal gefunden“, sagt Eisenbarth. Der ausgesprochen farbenfrohe Vogel sitzt mit Vorliebe auf Ästen und Leitungen – und ist ein überaus findiges Kerlchen: Seine Beute – Bienen, Hummeln, Wespen und Hornissen – knetet er solange, bis deren Giftstachel vollends entleert ist. Erst dann bittet er seine Jungen zu Tisch.

Schmetterling: Das groß-geflügelte Insekt hat einen Feind: Regen. Die Tropfen sind für das zarte Geschöpf derart schwer, dass sie es töten können. Ist es zu kalt, können sie nicht mehr fliegen und sind so eine leichte Beute. Weil die reichen Sonnenstunden die Natur blühen lassen, geht es den Nektar saugenden Tieren derzeit hervorragend.

Borkenkäfer: Heiß und trocken – das ideale Klima für den hartnäckigen Schädling. Flachwurzelige Bäume wie die Kiefer haben jetzt Hitzestress. Sie trocknen aus und können kaum noch Harz produzieren, das den Borkenkäfer abwehren soll. Der hat freie Fahrt und vermehrt sich munter.

Verlierer

Gelbbauchunke: „Amphibien mögen es feucht, da bei anhaltender Trockenheit ihr Lebensraum schrumpft“, erklärt Eisenbarth. Bedrohlich ist der heiße Sommer vor allem für die Gelbbauchunke: Sie laicht bevorzugt in lehmigen Pfützen und Kleintümpeln ab, in denen noch keine Fressfeinde wie die Libelle beheimatet sind. Gerade diese Mikro-Gewässer trocknen besonders schnell aus. Die Folge: Der Nachwuchs stirbt.

Fischen geht bei anhaltender Trockenheit der Sauerstoff aus. | Foto: Thissen

Fische: Auch Fische leiden in diesem Sommer. Eisenbarth: „Seen und Flüsse trocknen aus, der Sauerstoffgehalt reduziert sich auf ein Minimum“. Hinzu kommt: Im Sommer wuchern viele Gewässer mit Algen zu, wodurch der Sauerstoff noch knapper wird. Selbst am Bodensee rechnen Behörden bereits mit einem Fischsterben.

Kirschessigfliege: Die gute Nachricht zum Schluss: Die Kirschessigfliege, die Obst und Weinreben befällt und Landwirten damit die Ernte verhagelt, hat derzeit keinen leichten Stand. Der aus Südostasien stammende Plagegeist schätzt ein feuchtes Klima, Hitze bekommt ihm gar nicht gut. Sie führt (ab 32 Grad) dazu, dass die Männchen unfruchtbar werden.