Denkwürdige Bürgermeisterwahl vor vier Jahren in Gaggenau: Herausforderer Michael Pfeiffer schlägt die Amtsinhaberin Brigitte Schäuble. | Foto: Mandic

Bürgermeister im BNN-Interview

„Ich fühle mich als Gaggenauer“

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Es war eine denkwürdige Bürgermeisterwahl vor vier Jahren in Gaggenau: Für viele Beobachter überraschend votiert der Gemeinderat am 23. Februar 2015 in geheimer Abstimmung mit der knappen Mehrheit von 14:12 Stimmen für den parteilosen Michael Pfeiffer, bislang Abteilungsleiter im Rathaus Bühl. Damit ist Amtsinhaberin Brigitte Schäuble geschlagen. Betretene Mienen in Reihen der CDU-Fraktion, ungläubiges Staunen in den prall gefüllten Zuhörerreihen. Schon bald kann Pfeiffer viele durch seine fachlich fundierte Arbeit überzeugen. Überregional bekannt wird Pfeiffer, als er in Abwesenheit von OB Christof Florus vor zahlreichen TV-Kameras im März 2017 souverän erklärt, warum die Stadt Gaggenau eine Veranstaltung mit dem türkischen Justizminister nicht genehmigt; auch tags darauf, bei der Bombendrohung im Rathaus, steht er Rede und Antwort. Mit Michael Pfeiffer (56), der bald „Halbzeit“ seiner achtjährigen Amtszeit hat, sprach BNN-Redakteur Thomas Dorscheid.

Welche Erinnerung haben Sie an den 23. Februar 2015?

Pfeiffer: Es war extrem spannend, ein aufwühlender Tag für mich und meine Frau. Die knapp verlorene Direktwahl in Rheinmünster bei der Wahl zum Bürgermeister lag erst wenige Monate zurück. Aber hier war es aufwühlender, wohl deshalb, weil es in Gaggenau auf das Wahlverhalten einer begrenzten Gruppe ankam, das schwer einzuschätzen war. Als dann die Wahl gewonnen war, hatte ich ein tolles Gefühl. Bei meinem Amtsantritt Anfang Mai habe ich nirgendwo mehr Gräben gespürt, stattdessen viel Offenheit. Das Gefühl, das alle zusammen für die Stadt arbeiten, war von Beginn an da.

Am Tag nach der Bürgermeisterwahl sagten Sie im BNN-Gespräch: „Ich werde Gaggenauer“. Fühlen Sie sich inzwischen als Gaggenauer?

Pfeiffer: Ja, absolut. Zu meinem Amtsantritt am 1. Mai 2015 wohnten wir bereits in Bad Rotenfels. Wir hatten ganz schnell ein geeignetes Objekt gefunden, sind eingezogen und haben dann renoviert. Wir haben eine wunderbare Nachbarschaft, tolle Freunde gefunden, fühlen uns in der näheren Umgebung wohl und überhaupt sehr gut aufgenommen. Das harmonische Miteinander ist ganz wichtig. Wir wollen hier nicht mehr weg.

Was hat Sie denn nach knapp vier Jahren Amtszeit hier in Gaggenau am Meisten überrascht?

Pfeiffer: Auch in Bühl gibt es ein großes ehrenamtliches Engagement, aber hier in Gaggenau ist es noch stärker. Wenn ich sehe, dass es hier zwei Bäder, eine Halle und zwei Museen in Vereinsregie gibt, dann sind das ebenso Highlights wie das Engagement der Obst- und Gartenbauvereine im Naturschutz, etwa durch die Pflege der Streuobstwiesen.

Gibt es für Sie aktuell das eine zentrale Thema für Gaggenau, das Priorität haben sollte?

Pfeiffer: Das Aufgabenfeld in einer Kommunalverwaltung lässt sich nicht auf ein zentrales Thema reduzieren. Ganz wichtig für Gaggenau ist die Stadtentwicklung mit dem anhaltenden Bedarf an Wohnraum, ferner überarbeiten wir jetzt unser Mobilitätskonzept, kümmern uns um die Qualität der Landschaft – siehe Murgpark und Kurpark – und das Thema Hochwasserschutzkonzept ist eine wichtige Aufgabe für Generationen. Hinzu kommen ständig sich neu ergebende Aufgaben, aktuell etwa das Thema Brücken.

Sie kandidieren bei der Kommunalwahl im Mai auf der SPD-Liste für den Kreistag. Wie viel Sozialdemokrat steckt denn in Michael Pfeiffer, der noch von 1994 bis 1999 Stadtrat in Lichtenau und Vorsitzender der CDU-Fraktion war, ohne Mitglied der Partei zu sein?

Pfeiffer: Ich habe auch jetzt der SPD erklärt, dass eine Parteimitgliedschaft für mich nicht in Frage kommt. Ich fühle mich als politischer Mensch der Mitte. Auch wenn ich mich in keiner Partei zu 100 Prozent wiederfinde, so sehe ich doch beim SPD-Programm für die Kommunalwahl sehr viele Punkte, die für mich sehr gut passen. Wichtig ist, soziale mit gesellschaftlichen Aspekten so zusammenzubringen, dass ein gedeihliches Zusammenleben nachhaltig funktioniert.

Was sagt Ihnen das Datum 2. und 3. März 2017?

Pfeiffer: Eine große Herausforderung. Es waren denkwürdige Tage. Im Nachhinein betrachtet ist damals vieles gut und richtig gelaufen. In der Situation war es eine schwierige Aufgabe, mit der ich als kleiner Bürgermeister nicht gerechnet hatte.

In den Tagen nach der Veranstaltungsabsage und der Bombendrohung im Rathaus gab es viele Stimmen in der Stadt, die mit Blick auf Ihre souveränen TV-Interviews gesagt haben: „Der hat das Zeug zum nächsten Oberbürgermeister…“

Pfeiffer: Ich bin für acht Jahre als Bürgermeister gewählt, das ist meine Aufgabe und die möchte ich machen. Im Moment fühle ich mich an dieser Stelle und in der Stadt sehr wohl. Derzeit mache ich mir noch keine Gedanken, wie es in vier Jahren weitergeht.

Sie sind gebürtiger Gelsenkirchener und Schalke 04-Fan. Schalke enttäuscht in dieser Saison, macht Fußballgucken überhaupt noch Spaß?

Pfeiffer: Nicht wirklich.