Auf die neue Tarifrunde bereitet man sich auch in der IG Metall-Geschäftsstelle in Gaggenau vor. "Wir stehen diesmal vor einer anderen Tarifrunde", sagt die Erste Bevollmächtigte Claudia Peter. | Foto: Dorscheid

Führungsduo kandidiert erneut

IG Metall Gaggenau verzeichnet Mitgliederrekord

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Die IG Metall im Murgtal freut sich in der Bilanz des abgelaufenen Jahres über einen erneuten Mitgliederanstieg. Das Führungsduo Claudia Peter und Bodo Seiler wird sich bei der Delegiertenversammlung der IG Metall Gaggenau erneut zur Wahl als Bevollmächtigte stellen.

Die IG Metall-Geschäftsstelle in Gaggenau vermeldet einen Mitgliederrekord: Ende Dezember 2019 zählte die Gewerkschaft exakt 25.021 Mitglieder, das sind im Vorjahresvergleich über 1.000 mehr. „Wir freuen uns besonders über den Anstieg bei den betrieblichen Mitgliedern“, verkündete die Erste Bevollmächtigte Claudia Peter.

Einen nennenswerten Anstieg habe es 2019 vor allem bei König Metall Gaggenau sowie bei den Kontraktlogistikern gegeben. Bei diesen Logistikdienstleistern sind betriebliche Tarifrunden für die Firmen Schmitt und Rhenus, die in der Region Güter für die Mercedes-Benz-Werke transportieren, angelaufen. Bereits 2018 verzeichnete die Gewerkschaft ein Mitgliederplus, wenn auch nicht so deutlich wie im vergangenen Jahr.

Mehr zum Thema: Bei König Metall in Gaggenau geht es jetzt um Stellenabbau

In diesen Wochen werden in Mitgliederversammlungen in 17 Wahlkreisen die Delegierten bestimmt, die bei der Versammlung der IG Metall am 1. April in Rastatt zur Wahl der Führungsspitze aufgerufen sind.  Bei einer Pressekonferenz im IG Metall-Haus in Gaggenau wurde auch zur anstehenden Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie Stellung genommen. Betriebsräte aus den großen Unternehmen legten aktuelle Berichte vor.

„Andere Tarifrunde“

„Wir stehen diesmal vor einer anderen Tarifrunde“, sagte die Erste Bevollmächtigte im Beisein mehrerer Betriebsräte, unter anderem der Benz-Werke Gaggenau und Rastatt sowie von Siemens in Rastatt. Mit Blick auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen führte Peter aus, dass man nicht von einer Rezession, wohl aber von einem Wirtschaftswachstum auf sehr niedrigem Niveau ausgehe, das Auswirkung auf die Umsatzzahlen und Auftragseingänge habe. Auch seien die weiteren Aussichten rückläufig.

Keine Kurzarbeit

Positiv sei, dass derzeit kein Betrieb im Zuständigkeitsbereich der IG Metall Kurzarbeit angemeldet habe; es gebe auch keinen Personalabbau in der Größenordnung, wie ihn andere Regionen schon verzeichnen müssten. Es gebe aber „große Unsicherheit in den Belegschaften“, was die Sicherheit der Arbeitsplätze angehe.

Kandidiert im April erneut: Die erste Bevollmächtigte der IG Metall Gaggenau Claudia Peter. | Foto: Dinger

Weil der private Konsum und damit die Kaufkraft ein wichtiger Beitrag zur wirtschaftlichen Stabilität im Land sei, müsse es zwar in der neuen Tarifrunde mehr Geld geben, es könne aber innerhalb eines Gesamtpakets auf eine konkrete Forderung in Prozent verzichtet werden – unter der Voraussetzung, dass die Arbeitgeberseite in einer Art „Moratorium“ unter anderem auf Personalabbau und Standortschließungen verzichtet.

Zeitarbeitskräfte werden übernommen

In der Pressekonferenz stellten Betriebsräte die aktuelle Situation in ihren Unternehmen mit Blick auf die Umwälzungen durch die Transformation dar. So verzeichne das Pkw-Werk Rastatt „noch eine gute Programmsituation“, hieß es; gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für die Mitarbeiter für die Produktion der E-Modell an. 200 Zeitarbeitskräfte werden in Rastatt in feste Arbeitsverhältnisse übernommen.

Wo ein Fenster aufgeht, versuchen wir, eine längerfristige Vereinbarung hinzubekommen

Im Benz-Werk Gaggenau freut man sich, dass das zugehörige Presswerk Kuppenheim weiter wächst. „Wo ein Fenster aufgeht, versuchen wir, eine längerfristige Vereinbarung hinzubekommen“, wurde die Strategie umschrieben, zukunftsfeste Produktionen innerhalb der Werksgrenzen fest zu verankern; jüngstes Beispiel ist hier die Ausweitung des Klappenteilegeschäftes. Innerhalb nur eines Jahres, so wurde bekanntgegeben, haben 900 Mitarbeiter im Werk Gaggenau einen komplett anderen Arbeitsplatz erhalten.

Viele Projekte bei Siemens

Bei Siemens in Rastatt laufen über 40 Einzelprojekte zu den Großthemen Digitalisierung und Automatisierung. Aus dem Zukunftsfonds des Konzerns fließen rund 840.000 Euro in Qualifizierungsmaßnahmen für den Standort Rastatt.