Nicht mehr wegzudenken ist der 1527 Meter lange Gernsbacher Tunnel: Im Spätjahr soll nunmehr Teil zwei der vorgeschriebenen Nachrüstung beginnen. Der Großteil der Arbeiten dürfte den fließenden Verkehr nicht behindern.
Nicht mehr wegzudenken ist der 1527 Meter lange Gernsbacher Tunnel: Im Spätjahr soll nunmehr Teil zwei der vorgeschriebenen Nachrüstung beginnen. Der Großteil der Arbeiten dürfte den fließenden Verkehr nicht behindern. | Foto: Preuss-Fieting (Archiv)

In Gernsbach

Im Tunnel entstehen vier neue Rettungswege

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Im Spätjahr 2019, eventuell ab September, soll mit der vorgeschriebenen Nachrüstung des 1997 eröffneten Gernsbacher Tunnels begonnen werden. Dieses Zeitfenster nennt Jürgen Genthner, beim „Bauherr“ Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe Leitender Baudirektor im Baureferat Mitte, im BNN-Gespräch. 15 bis 18 Monate könnte die Maßnahme beanspruchen, runde 14 Millionen Euro aus Bundesmitteln sind veranschlagt. Die Maßnahme war mehrfach verschoben worden.

Im Kern geht es um den nachträglichen Einbau von vier Rettungstreppenhäusern. Die Tunnelsanierung stellt die zweite große Baumaßnahme in diesem Jahr entlang der B462 im Murgtal neben der baulichen Vorbereitung des Pilotprojekts „eWayBW“ zwischen Kuppenheim und Gernsbach-Obertsrot dar (wir berichteten mehrfach).

Baubeginn im Sommer

Während die Bauarbeiten für „eWayBW“ mit dem Stellen der Masten und der Montage der Ausleger an der Bundesstraße – Baubeginn ist voraussichtlich in den Sommerferien – Verkehrsbeeinträchtigungen mit sich bringen werden, dürften die Tunnelarbeiten den fließenden Verkehr nur punktuell einschränken.

Verbesserte Rettung im Gernsbacher Tunnel

Zur Vorgeschichte der Tunnelsanierung: Mehrere schwere Brände mit Katastrophenszenarien vor allem in den Alpentunneln haben in Deutschland zur Neufassung der „Richtlinien für die Ausstattung und den Betrieb von Straßentunneln“ geführt. Leitidee war und ist es, die Chance zur Selbstrettung der Verkehrsteilnehmer bei einem Notfall im Tunnel deutlich zu verbessern, weil es immer eine gewisse Zeit braucht, bis Rettungskräfte in einer engen Röhre vor Ort sind.

Erster Abschnitt ist abgeschlossen

Die bautechnischen Maßnahmen zur Verbesserung der Selbstrettung gliedern sich mit Blick auf den exakt 1527 Meter langen Gernsbacher Tunnel in zwei Abschnitte: Das erste Maßnahmenbündel bestand vor allem aus einer Nachrüstung der Betriebstechnik (vor allem Lüftung, Beleuchtung, Brandmeldung, Notrufanlagen, Beschilderung) und wurde bereits im Jahr 2013 abgeschlossen.

Zweite Maßnahme verschoben

Der nun für das zweite Halbjahr 2019 anstehende zweite Abschnitt ist aus unterschiedlichen Gründen mehrfach verschoben worden und hatte sich zuletzt nach Problemen mit der Ausschreibung um ein weiteres Jahr verzögert: Das (vorgeschriebene) europaweite Ausschreibungsverfahren musste laut RP aufgehoben werden – es gingen keine Angebote ein, die den Ausschreibungsbedingungen entsprachen. Aktuell läuft die zweite öffentliche Ausschreibung, die Prüfung und Bewertung der Angebote ist bis zur Jahresmitte vorgesehen, sodass laut aktualisiertem Zeitplan im Spätjahr 2019 die Bauarbeiten am Tunnel beginnen sollen.

Treppenhäuser sollen helfen

Vier gut ausgeschilderte zusätzliche Ausgänge sollen im Notfall, beispielsweise bei einem Brand mit Rauchentwicklung, den Pkw- und Lkw-Fahrern das schnelle Verlassen des Tunnels ermöglichen. Die vier künftigen Rettungstreppenhäuser enden oberirdisch in einem kleinen Betriebsgebäude am Bahnhof Gernsbach (Park-and-ride-Parkplatz Schwarzwaldstraße), am Hotel „Stadt Gernsbach“, ferner am Kurparkeingang und in der Obertsroter Landstraße bei der Info-Tafel.

Wir werden so wenig wie möglich in den Verkehr eingreifen.

Die Bauzeit beträgt zwar bis zu 18 Monaten, im Wesentlichen erfolgen die Arbeiten aber außerhalb der Tunnelröhre, sodass der fließende Verkehr nicht beeinträchtigt werden soll. Erst wenn der Durchstich der Tunneltreppen zum Tunnel ansteht, gibt es Einschränkungen für den Verkehr. Laut Genthner („Wir werden so wenig wie möglich in den Verkehr eingreifen“) bewegen sich diese aber in einem engen zeitlichen Rahmen.

Tunnel hält Verkehr aus Stadt

Der Gernsbacher Tunnel wurde als „Gernsbacher Jahrhundertbauwerk“ nach fünfjähriger Bauzeit am 6. Oktober 1997 feierlich eröffnet. Heute ist er nicht mehr wegzudenken, hält er doch den Großteil des Durchgangsverkehrs aus der Innenstadt heraus. Wie viel das ist, lässt sich an den Tagen der Tunnelsperrung sehen: Dann sind die innerstädtischen Achsen Bleich- und Igelbachstraße sowie Gottlieb-Klumpp-Straße regelmäßig verstopft.