Großprojekt mit vier Jahren Bauzeit: In den Berg hinein nahe der B462 bei Forbach will die EnBW in Sichtweite ihres jetzigen Werks einen Kavernenwasserspeicher mit einem Volumen von 200.000 Kubikmeter bauen. | Foto: Deck

Wichtig für die Energiewende

Im Schwarzwald soll riesiger Wasserspeicher entstehen – 7,2 Hektar Wald müssen gerodet werden

Anzeige

Der Regionalverband Mittlerer Oberrhein (RMO) heißt das Großvorhaben „Neues Pumpspeicherwerk Forbach“ im Grundsatz gut, regt aber für die Umsetzung weitere umweltschonende Maßnahmen an. Kern des EnBW-Projektes ist ein riesiger Wasserspeicher, der mittels Sprengungen im Fels entstehen soll. Für die Lagerung des Ausbruchmaterials nahe der Schwarzenbachtalsperre sollen 7,2 Hektar Wald gerodet werden. Das entspricht einer Fläche von rund zehn Fußballfeldern. Die Bauzeit soll vier Jahre betragen.

Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte in seiner Funktion als Planfeststellungsbehörde den Regionalverband um eine Einschätzung des 130-Millionen-Euro-Projektes gebeten. „Für die Energiewende ist die Speichertechnologie enorm wichtig.

Hierfür müssen wir als Region einen Beitrag leisten“, sagte Verbandsdirektor Gerd Hager nach der Ausschusssitzung gegenüber den BNN. Auf der anderen Seite müssten aber die Belastungen durch das Großprojekt für Mensch und Umwelt so gering wie möglich ausfallen.

Wichtig für die Energiewende

Das über 100 Jahre alte Rudolf-Fettweis-Werk in Forbach soll durch eine neue Unterstufe mit einem unterirdischen Kavernenspeicher zu einem modernen Pumpspeicherkraftwerk ausgebaut werden. In der vom Ausschuss jetzt gebilligten Stellungnahme heißt es: „Der Regionalverband Mittlerer Oberrhein bekennt sich zum Ziel des Ausbaus der regenerativen Energien in der Region.

Mehr zum ThemaVattenfall plant Stellenabbau in Wasserkraftwerken

Mit dem Ansteigen des Anteils volatiler erneuerbarer Energien im Stromsektor ergibt sich die Notwendigkeit der Zwischenspeicherung. Die Entwicklung des beantragten Pumpspeicherwerks Forbach – Neue Unterstufe – ist geeignet, größere Mengen Energie zu speichern und bei Bedarf ins Netz einzuspeisen.“

Vier Jahre Bauzeit

Hintergrund: Mit dem neuen Pumpspeicherwerk will die EnBW Energie Baden-Württemberg die bestehenden Anlagen des Fettweis-Werkes in Forbach an die heutigen Leistungsansprüche anpassen.

Das Gesamtprojekt sieht zwei Stufen vor: Die neue Unterstufe in Kavernenbauweise soll nunmehr planerisch vorangetrieben werden; nur um sie geht es in dem aktuellen Verfahren. Nach letztem Sachstand soll bis zum Jahresende die Genehmigung vorliegen, die Bauzeit ist auf vier Jahre veranschlagt.

Oberstufe zurückgestellt

Die Oberstufe, also der zweite Teil des Gesamtprojekts, sieht ein neues Oberbecken auf dem Seekopf – und damit erhebliche und noch größere Einschnitte ins Landschaftsbild im Höhengebiet – vor, ist aber von der EnBW aus wirtschaftlichen Gründen zurückgestellt worden; einen Zeitplan für die Oberstufe gibt es derzeit nicht.

Ursprünglich größer geplant

Herzstück der aktuellen Planung „Pumpspeicherwerk – neue Unterstufe“ ist der unterirdische Kavernenwasserspeicher mit einem Speichervolumen von rund 200.000 Kubikmetern, ursprünglich war er sogar noch größer geplant.

Alte Pläne von 2016: So sollte der Speicher früher einmal aussehen.
Alte Pläne von 2016: So sollte der Speicher früher einmal aussehen. | Foto: Archiv

Beim Bau fallen rund 380.000 Kubikmeter Felsausbruch an, das Material soll per Lkw via B 462 und L83 zu den Auffüllplätzen Heiligenwald und Seebachhof im Höhengebiet – das ist wenige Kilometer von der Schwarzenbachtalsperre entfernt – gebracht werden.

116 Lkw-Fahrten täglich

Vorgesehen ist die Abfuhr des Ausbruchmaterials ab dem B462-Parkplatz nahe der Rohrbahn bei Forbach, wo das Material über einen Stollen nach oben gebracht wird. Der Kernort Forbach bleibt somit weitgehend vom Baustellenverkehr verschont.

Mehr zum ThemaDroht der Windkraft auf dem Karlsruher Energieberg das Aus?

Dennoch gilt: „Durch den Baulärm und Baustellenverkehr ist von erheblichen Auswirkungen auf das Schutzgut Mensch auszugehen“, heißt es in der aktuellen Unterlage des Regionalverbands. Für die Ausbrucharbeiten mittels Sprengungen unter Tage sind rund 20 Monate veranschlagt. Für den Abtransport des Materials ist eine durchschnittliche Transportfrequenz von 116 Lkw täglich ermittelt worden.

7,2 Hektar Wald werden gerodet

Hinzu kommt ein Verlust von rund 7,2 Hektar Wald im Bereich der Aufschüttung Seebachhof. Für die Pflanzenwelt kommt es durch die Auffüllflächen zum Verlust von rund 2,3 Hektar wertvoller Biotope. Grundsätzlich soll ein Großteil des Materials für den späteren Bau der Oberstufe am Seekopf verwendet, also nur vorübergehend gelagert werden.

Da aber ungewiss ist, ob und gegebenenfalls wann diese zweite Stufe kommt, regt der Regionalverband die Prüfung an, ob eine Verwertung des Felsausbruchs bereits früher und an anderer Stelle möglich ist. In diesem Falle solle für den Transport die Möglichkeit der Schienennutzung untersucht werden.