Ingrid Merkel verlässt nach 17 Jahren die Akademie Schloss Rotenfels. | Foto: ane

Ende einer Ära in der Akademie

Ingrid Merkel hinterlässt gut bestelltes Haus

Anzeige

Es war kein Wunsch, der in Erfüllung ging, als Ingrid Merkel vor 17 Jahren ihre Funktion als Fortbildungsreferentin im Oberschulamt Karlsruhe aufgab und die Leitung der Landesakademie für Schulkunst, Schul- und Amateurtheater in Gaggenau-Bad Rotenfels (Akademie Schloss Rotenfels) übernahm. „Ich wollte das eigentlich gar nicht“, sagt Ingrid Merkel. Heute, rückblickend, weiß sie, dass es ein Glücksfall war. „Ich habe hier so viel machen und bewegen können.“

Am Anfang alles Improvisation

Die letzten Tage ihrer Amtszeit sind angebrochen, eigentlich ist Ingrid Merkel schon im Ruhestand, aber bis Ende Juli bleibt sie noch. So einfach kann man das Haus, die Akademie, die Mitarbeiter nicht verlassen. Es gibt noch einiges zu erledigen.
17 Jahre ihres Lebens, ihre Kreativität, ihr Organisationstalent und ihre Hingabe hat Ingrid Merkel in die Akademie investiert, denn „als ich kam, war das hier alles andere als ermutigend.“ Am Anfang sei alles Improvisation gewesen, das Gebäude marode, keine Visionen, keine Strukturen. „Es war eine Herausforderung.“

Vorzeigeeinrichtung im Land

Bis ins Jahr 2005 habe sie gebraucht, so Merkel, um der Akademie zum Durchbruch zu verhelfen. Heute ist sie eine Vorzeigeeinrichtung, um die Baden-Württemberg innerhalb Deutschlands und auch im Ausland beneidet werde. Das Haus, sagt Ingrid Merkel, lebe von Ideen und Impulsen. Ihre Zielsetzung sei von Anfang an gewesen, vielfältige kulturelle Angebote zu entwickeln, die für einen komplexen Bildungszusammenhang stehen, in dem Faktenwissen und ästhetische Bildung sich mit Kulturtechniken, kreativen und kommunikativen Angeboten wechselseitig ergänzen und dabei Freiräume zum Experimentieren und Erforschen ermöglichen.

Hochwertiges Bildungsangebot

Die Vision sei gewesen, Kinder und Jugendliche zu befähigen, sich mit Kunst und Kultur, dem jeweiligen eigenen kulturellen Kontext und seinen kulturellen Wurzeln auseinanderzusetzen, um sie mitgestaltend an den dynamischen Wandlungen, Veränderungen und Schaffungen von Kunst zu beteiligen, sagt Ingrid Merkel.
Die Akademie biete Lehrerinnen und Lehrern sowie Schülerinnen und Schülern ein hochwertiges Angebot an kultureller Bildung und hat sich über die Jahre zu einem besonderen Treffpunkt für Kunst und Kultur entwickelt. Denn neben den Zielgruppen aus dem schulischen Bereich steht die Akademie Schloss Rotenfels allen Kunst- und Kulturinteressierten offen.
Neben Fort- und Weiterbildungen umfasst das Programm Symposien, Workshops, Sommerschulaktionen, Ferienakademien, länderübergreifende Austauschprogramme und Ausstellungen. Landes- und bundesweit pflegen Institutionen und Akteure Kontakte mit der Akademie Rotenfels.

Positive Bilanz nach 17 Jahren

So etwa die Geschäftsstelle des Kleinkunstpreises Baden-Württemberg, die Koordinierungsstelle des Internetportals „Kultur und Schule“ in Baden-Württemberg, die Kulturakademie der Baden-Württemberg Stiftung und vieles mehr. Die Akademie hat viel Engagement von Ingrid Merkel gefordert. „Ich sitze hier an meinem Schreibtisch wie in meinem Wohnzimmer“, sagt sie. Auch ein Hinweis darauf, dass sie ihr Heim in Weingarten in den vergangenen Jahren mehr oder weniger nur als Schlafstatt wahrgenommen hat.
Ingrid Merkel verlässt ein bestelltes Haus „Hier sieht alles gut aus“, zieht sie Bilanz. „Die Gestaltungsmöglichkeiten waren sehr groß und ich hatte sehr viel freie Hand.“

Noch kein Nachfolger in Sicht

Wie es weiter geht, liegt in den Händen ihres Nachfolgers oder ihrer Nachfolgerin. Wer es sein wird, ist noch offen, aber „die Bewerbersituation ist gut“. Für ihre Zukunft hat Ingrid Merkel noch keine konkreten Pläne. Sie will weitermachen im Bereich Weiterbildung, Kunst und Kultur. Vielleicht mit Flüchtlingen, auch Inklusion liegt ihr am Herzen. Man wird sehen. Einen Traum allerdings gibt es : „Wenn ich einen Sechser im Lotto hätte, würde ich das Haus hier kaufen.“