Stellvertretend für die Interessengemeinschaft überreichte Marita Großmann im kleinen Sitzungssaal des Rathauses die gesammelten Unterschriften an Oberbürgermeister Christof Florus. | Foto: Mandic

Wiesenweg

Gaggenauer Interessengemeinschaft übergibt Unterschriften

Anzeige

Eine Liste mit 130 Unterschriften, die für weniger Autoverkehr in ihrer Straße stehen, hat die Gaggenauer Interessengemeinschaft Wiesenweg am Freitag im Rathaus an Oberbürgermeister Christof Florus übergeben. Florus versprach dabei, „den besten Weg zu suchen und zu finden“. Wie von den BNN berichtet, hatte der Gemeinderat im Februar mit seiner Standortentscheidung Wiesenweg den Weg für eine weitere städtische Kindertageseinrichtung mit 70 Plätzen frei gemacht. Die Interessengemeinschaft argumentiert, jetzt schon durch den Autoverkehr übermäßig belastet zu sein und befürchtet eine weitere Verschärfung. Die aber könnte weit weniger dramatisch ausfallen als erwartet.

Judith Feuerer, Pressesprecherin der Stadt Gaggenau, sagte am Freitag auf BNN-Nachfrage, „dass der Fußweg von der Hebelschule kommt“. Damit wird ein Vorschlag von CDU-Gemeinderat Rudi Drützler umgesetzt, der in der Gemeinderatssitzung eine fußläufige Querung von der Hebelschule hinunter zum künftigen Kindergarten, der in einem derzeit leeren Trakt der Schule eingerichtet wird, vorgeschlagen hatte. Die Umsetzung dieses Vorschlags bedeutet konkret: Eltern, die ihre Kinder bringen oder abholen, werden dann die Wahl zwischen dem Wiesenweg und der Körnerstraße haben, der Verkehr dürfte sich verteilen.

130 Unterschriften wurden überbracht

Brigitte Seiser, Marita Großmann und Harry Schneider wiesen bei der Übergabe der Unterschriftenliste daraufhin, dass 100 Unterschriften im Wiesenweg und 30 in der Gaß gesammelt worden seien. Schneider betonte, dass auch der Lützowweg und der Freiligrathweg betroffen seien.

Seiser spricht von chaotischen Zuständen

Brigitte Seiser sprach mit Blick auf den jetzt schon bestehenden Hol- und Bringverkehr der Eltern im Wiesenweg beim Kindergarten St. Josef und der Kita „Spielwiese“ von „chaotischen Zuständen“: Eltern würden oft viel zu schnell fahren, dabei wie selbstverständlich den Gehweg überfahren. So könnten die Eltern im Wiesenweg ihre Kinder nicht mehr alleine auf die Straße lassen, ältere Radfahrer würden sich nicht mehr auf die Straße trauen.

Beeinträchtigung der Lebensqualität wird befürchtet

„Mit Beschluss des Gemeinderats vom 25. Februar, die Kinderbetreuung im Wiesenweg um eine Kindertageseinrichtung … zu erweitern, wird sich diese Situation nochmals erheblich verschärfen“, heißt es auf dem Blatt zur Unterschriftenaktion. Befürchtet wird eine „massive Beeinträchtigung der Lebensqualität durch Verkehrslärm und Feinstaubbelastung durch mehr als 500 Pkw-Fahrten täglich in der Sackgasse Wiesenweg“, schreibt die Interessengemeinschaft.

Belastung durch Hol-und-Bring-Dienste

Schließlich sei man jetzt schon durch den Hol-und-Bring-Dienst für die Grundschüler sowie die Kinder der „Spielwiese“ und des Kindergartens stark belastet; hinzu kämen die abendlichen Veranstaltungen in der angrenzenden Sporthalle, zudem sei das Ende der Sackgasse ein beliebter Treffpunkt für Jugendliche.

Florus verspricht Lösungen

Die Interessengemeinschaft legt auch aktuelle Zahlen vor. So hat Brigitte Seiser nach eigener Angabe am Mittwoch, 20. März, zwischen 7.30 und 8.30 Uhr, also zur üblichen Bringzeit, vor dem Kindergarten St. Josef 168 Autos gezählt. Tags darauf seien es zur selben Zeit in der Körnerstraße nur 73 Pkw gewesen. Marita Großmann hat am 20. März zwischen 13.25 bis 14.45 Uhr im Wiesenweg 138 Pkw registriert. Oberbürgermeister Florus versprach, das Anliegen „ernst zu nehmen und Lösungen zu finden“. Die Situation im Wiesenweg werde mit anderen ähnlichen Orten – Dachgrub, Merkur- und Hans-Thoma-Schule – verglichen werden. Auch würde es verstärkt Tempomessungen geben.

Kommentar
Foto: ©jd-photodesign - stock.adobe.com

 

St. Florian lässt grüßen

Beim ersten Hinsehen ist der Ärger der Wiesenweg-Anwohner in Gaggenau ja verständlich: In der Sackgasse herrscht zu den Bring-und-Hol-Zeiten für die Sprösslinge des Kindergartens St. Josef, der „Spielwiese“ und der Hebelschule bereits jetzt emsiger Pkw-Verkehr. Der wird noch zunehmen, wenn die neue städtische Kindertageseinrichtung mit 70 Plätzen nach dem Umbau des leeren Hebelschultraktes erst einmal in Betrieb sein wird. Nur: Der Vorschlag, den zu erwartenden zusätzlichen Verkehr möge doch bitte die parallel verlaufende Körnerstraße aufnehmen, ist zu einfach, da lässt das St. Florians-Prinzip („Heiliger St. Florian, verschon’ mein Haus, zünd’ andre an!“) gehörig grüßen.
Auch die Behauptung der Wiesenweg-Initiative, die Standortentscheidung für die neue Kindertageseinrichtung sei grundsätzlich falsch, lässt sich kaum belegen: Erstens kann die Stadt nunmehr den (derzeit leer stehenden) Gebäudeteil der Hebelschule sinnvoll nutzen. Zweitens darf davon ausgegangen werden, dass viele Kindergartensprösslinge später nahtlos vom neuen Kindergarten Wiesenweg auf die benachbarte Hebelgrundschule wechseln werden. Drittens hilft der Vorschlag der Initiative, das Areal Hilda-/Luisenstraße sei der bessere Standort, nicht weiter, weil das Bebauungsplanverfahren für diese Fläche erst ganz am Anfang steht und man – sollte dieser Standort überhaupt in Betracht kommen – erst in vielen Jahren dort eine neue Tagesstätte haben könnte. Das ist deutlich zu spät für den aktuellen Bedarf und für den Rechtsanspruch der Eltern.
Und nicht zuletzt: Der Gemeinderat, der das Wohl der Gesamtstadt im Auge haben muss, hat sich im Februar nahezu einstimmig (eine Enthaltung) für den Standort ausgesprochen – in Kenntnis der Proteste aus dem Wiesenweg. Anwohner besuchten in großer Zahl die Ratssitzung, die Initiative hat am gestrigen Freitag mit einer Unterschriftensammlung „nachgelegt“. Dabei ist der Protest ja nicht ungehört verhallt: Die von CDU-Stadtrat Rudi Drützler vorgeschlagene fußläufige Querung von der Hebelschule zum Kindergarten wird realisiert. Ist die Pkw-Situation im Wiesenweg tatsächlich so schlimm, wie von der Initiative geschildert, werden viele Eltern auf die Körnerstraße ausweichen, folglich wird sich der Verkehr aufteilen. Damit sollte es die Initiative dann auch gut sein lassen. Thomas Dorscheid