Reges Treiben: Der Mehliskopf ist ein beliebtes Skigebiet im Nordschwarzwald. Besonders wichtig für den Umsatz sind die Feiertage. | Foto: Fabry

Konstante Schneedecke

Jahresanfang rettet die Liftbetreiber

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Grüne Pisten statt Schneezauber: Der Klimawandel macht es den Skiliftbetreibern in der Region nicht leicht. Gerade in der Ferienzeit an Weihnachten und Fasching fällt die Bilanz enttäuschend aus. Durch neue Konzepte wollen sich die Betreiber auf die Zukunft einstellen. Trotzdem bleibt die allgemeine Frage: Hat das Skilift-Geschäft noch eine Zukunft?

Saisonauftakt erst am 6. Januar

Aus der Sicht von Jens Kleinert, Liftbetreiber am Kaltenbronn, war der Winter trotz allem „überraschend gut“. Die Piste konnte sieben Wochen lang am Stück befahren werden. So bildete die konstante Schneedecke eine „gute Unterlage“. Der Haken: Erst am sechsten Januar lag genug Schnee, um die Saison zu eröffnen.

Natur statt Schneekanone

Mittlerweile stehen die Lifte seit Anfang März still. Durch den Temperaturanstieg sei der Boden schon zu stark erwärmt, um eine stabile Schneedecke bei Niederschlag zu garantieren. Am Kaltenbronn setzt man voll und ganz auf die Natur: Eine Schneekanone gibt es aufgrund der hohen Anschaffungskosten nicht. „Letztes Jahr war es lange Zeit kalt, aber es gab keinen Niederschlag. Da wäre Kunstschnee nicht schlecht gewesen“, erklärt Kleinert. Insgesamt verschiebe sich die Skisaison nach hinten – Januar und Februar statt November und Dezember.

Schneekanone: Der Einsatz hilft bei geringen Niederschlagsmengen. | Foto: mar

Aktion für Schlittenfahrer

Mit der neuen Aktion „Bergaufrodeln“ locke man auch Schlittenfahrer an. „Für den Sommerbetrieb ist aktuell nichts geplant“, resümiert Kleinert. Er leitet den Betrieb nebenberuflich mit Marc Bopp und Sven Schlegel. Am Mehliskopf herrscht dagegen ein entgegengesetztes Verhältnis: Das Freizeitzentrum nahm im Sommer 2018 mehr ein als diesen Winter. Im BNN-Gespräch betont der Geschäftsführer Andreas Kern, dass die Winter- und die Sommersaisons eigentlich jeweils 50 Prozent des Umsatzes ausmachen sollten. Bobbahn, Klettergarten und Downhill-Strecke: Sommer-Attraktionen sind mittlerweile entscheidende Einnahmequellen. „Insgesamt haben wir die gleiche Bilanz wie 2018. Die zehn Tage zwischen dem 23. Dezember und dem 6. Januar sind entscheidend. Da muss es laufen“, fügt Kern hinzu. Man könne in diesem Zeitraum mit einem drei- bis vierfachen Umsatz rechnen.

Weihnachten trübt Winterbilanz ein

Doch gerade an Weihnachten fehlte der Schnee, was ein „unwiederbringliches Loch“ in die Winterbilanz gerissen habe. Nur an sechs von zehn Tagen war der Skibetrieb möglich. Dieser konnte im Januar und Februar dagegen durchgängig stattfinden. „Wir haben sind sehr stark wetterabhängig. Unsere Schneekanonen helfen auch nur, wenn es kalt genug ist, dass der Schnee liegen bleibt,“ so der Geschäftsführer.

Alternative Konzepte

Trotzdem sehe er eine Zukunft, wenn man in Alternativen investiert und sich breiter aufstellt. So kann die Bobbahn mittlerweile mit einer VR-Brille auf eine neue Art erlebt werden. Dadurch soll die Attraktivität erhöht werden. „Es gibt immer noch kalte Tage. Entscheidend ist, dass sie zum richtigen Zeitpunkt kommen“, erklärt Kern. Seit Anfang März steht der Skiliftbetrieb still. Nach 50 Betriebstagen wird nun schon die Sommersaison vorbereitet.

 

Kommentar
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Neue Ideen

Mehr Sommer, weniger Winter: Die Schwarzwälder Liftbetreiber spüren den Klimawandel längst in ihrem Geldbeutel. Selbst die alpinen Hochburgen des Wintersports schießen aus allen (Schnee-)Kanonen, um ihrer verwöhnten Kundschaft akzeptable Bedingungen zu bieten. Wie lange geht das noch gut?
Am Mehliskopf hat man die Zeichen der Zeit erkannt und sich mit neuen Sommer-Angeboten breiter aufgestellt. Zuletzt machten die Betreiber am bekanntesten Wintersport-Standort im Nordschwarzwald ihren Hauptumsatz in der warmen Jahreszeit. Am Kaltenbronn oder Ruhestein, wo keine Schneekanonen zum Einsatz kommen, wäre man gut beraten, es den Kollegen vom Mehliskopf gleich zu tun – zumal selbst eine technische Beschneiung nur bei konstanter Kälte möglich ist.
Die wirtschaftliche Abhängigkeit vom Winter ist gefährlich, weil der Hauptumsatz in einem schmalen Zeitfenster erzielt werden muss: in den Weihnachts- und Fastnachtsferien. Bleibt dann der Schnee aus, fällt die Saison ins Wasser. Die Natur nimmt darauf keine Rücksicht. Neue Ideen tun deshalb not.  Dominic Körner