Fleißig am Werk: Pappdeckel, Schalldämpfer, Werbedisplays und mehr stellen die Mitarbeiter in den Produktionsräumen her. In allen Bereichen läuft der Betrieb.
Fleißig am Werk: Pappdeckel, Schalldämpfer, Werbedisplays und mehr stellen die Mitarbeiter in den Produktionsräumen der Katz-Werke her. In allen Bereichen läuft der Betrieb. | Foto: Slobodan Mandic

Lage verbessert sich

Katz-Werke in Weisenbach setzen weiter auf Kurzarbeit wegen Corona-Auswirkungen

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Die Corona-Krise und ihre Auswirkungen auf die Gastronomie treffen auch die Katz-Werke in Weisenbach. Ihr Hauptprodukt sind Getränke-Untersetzer in allen Formen und Farben, auf Wunsch sogar mit Duft. In guten Zeiten kommt die Fabrik auf fünf bis sechs Millionen Stück pro Tag, sagt Geschäftsführer Karsten Beisert. Derzeit sind solche Zahlen nicht zu erreichen. Deshalb greift das Unternehmen der Koehler Paper Group seit April auf Kurzarbeit zurück. Wie lange sie andauern wird, ist noch unklar.

„Sicher benötigen wir nach vielen Feiertagen und den vorsichtigen Lockerungen noch Zeit, bevor wir diese Ausnahmesituation beenden können“, sagt Beisert. Für das international agierende Unternehmen spielt es auch eine Rolle, wie sich die Märkte entwickeln.

Doch die Lage habe sich verbessert. Beisert geht davon aus, dass vorsichtige Bestellungen die Beschäftigung im Werk erhöhen und die Auftragsvolumen zunehmen werden. Ideal wäre eine starke Biergartensaison bei bestem Sommerwetter: „Davon würden wir sehr, sehr stark profitieren.“

Kunden vergeben kreative Aufträge

Doch auch kreative Ideen schaffen Chancen. „In der Druckvorstufe sehe ich lustige Motive von Großbrauereien, die die Einhaltung von Vorsichtsregeln sehr anschaulich darstellen“, berichtet Beisert. Kasteneinleger und Gutscheine seien weitere „tolle Aktivitäten von Brauereien für den Gastrobereich“.

Nebenprodukte wie Duftbäume, Puzzle und Postkarten machen nur rund fünf Prozent des Geschäfts aus. Aber auch sie bringen Arbeit. Trittschalldämpfer etwa laufen zurzeit gut, den Heimwerkern sei Dank.

Unser Ziel ist: so viel Normalität wie möglich.

Karsten Beisert, Geschäftsführer der Katz-Werke Weisenbach

Die Belegschaft – insgesamt 140 Angestellte – arbeitet in Teams und Schichten. In der Verwaltung kommt Homeoffice zum Einsatz, in der Produktion können Arbeitspakete gebündelt werden. „Unser Ziel ist: so viel Normalität wie möglich“, sagt Beisert.

Wie sich die Krise langfristig auf das Unternehmen auswirkt, ist noch nicht absehbar. „Für mittelfristige Prognosen ist es zu früh.“ Die Geschäftsleitung tauscht sich in den kommenden Wochen weiter mit den Kunden im Werbeträgermarkt, der Industrie und der Baubranche aus. Auf dieser Basis wird geplant.

Der Betrieb produziert nicht auf Halde

Klar ist jedoch schon jetzt: Arbeit um der Arbeit willen wird es nicht geben. „Wir wollen Untersetzer nicht ohne Abnahmeverpflichtung auf Lager produzieren“, sagt Karsten Beisert.

Mehr als 900 Tonnen Pappe auf Vorrat zu halten findet er ebenfalls nicht sinnvoll. „Unsere Bestandsmenge an Offsetpappe auszuweiten ist nicht wirtschaftlich. Deshalb arbeiten wir kundenbedarfsorientiert.“

Zugehörigkeit zur Koehler Paper Group stärkt die Firma

Auch Dirk Schmitz-Steinert von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie in Karlsruhe tut sich mit einer langfristigen Prognose schwer. Die Auslastung im Gastronomie-Bereich ist nach wie vor reduziert, die Entwicklung in den kommenden Monaten unklar.

Hinzu komme die allgemeine Tendenz, dass weniger Getränkehersteller als früher Untersetzer als Werbeträger an Wirte verschenken. „Es gibt natürlich große Unternehmen, die sich immer noch erlauben, Bierdeckel zu besorgen.“

Einen Vorteil für die Katz-Werke sieht Schmitz-Steinert in ihrer Zugehörigkeit zur Koehler Paper Group. Diese kann der Firma in der Corona-Krise den Rücken stärken.

Gewerkschaft nimmt Verunsicherung in der Belegschaft wahr

Bei der Belegschaft nimmt Schmitz-Steinert dennoch Verunsicherung wahr. 2009, als Katz noch nicht zu Koehler gehörte, musste der Betrieb Insolvenz anmelden. „Wenn man einmal in einer solchen Situation gewesen ist, herrscht natürlich Unsicherheit.“

Den Mitarbeitern steckt noch die Erfahrung in den Knochen, dass die Existenz ihres Brötchengebers auf der Kippe stand. Auch die Frage, wie lange noch Kurzarbeit angewandt wird, treibt die Angestellten um.