Ab ins sichere Winterquartier: Vogelexperte Pierre Fingermann nimmt die flugunfähigen Enten bei sich auf. | Foto: Wachholz

„Evakuierung“ in Gernsbach

Kolbenenten vor dem Hungertod gerettet

Der städtische Bauhof Gernsbach hat am Montagnachmittag unter Anleitung des Vogelexperten Pierre Fingermann die zuletzt noch verbliebenen drei Enten auf dem oberen Kurparksee eingefangen. Fingermann nimmt die Tiere in seinem „Winterquartier“ in Rastatt auf. Damit wurde mutmaßlich das Leben der flugunfähigen Tiere gerettet. Die Tiere waren vom Eis eingeschlossen und hätten bald keine Nahrung mehr gefunden. Naturschutzexperte Stefan Eisenbarth, der auch CDU-Gemeinderat in Gernsbach ist, kritisiert im BNN-Gespräch die Stadtverwaltung Gernsbach scharf.

BNN-Nachfrage bringt Rettung in Gang

Die Stadt Gernsbach, die viele Tage untätig geblieben war, reagierte am  Montag, nachdem die BNN-Redaktion Gaggenau am Sonntag (per Mail) kritische Fragen zur Situation der Tiere an das Rathaus gerichtet hatte. Vogelexperte Fingermann, der auch Naturschutzwart des Landkreises ist, war umgehend vom Landratsamt Rastatt nach Gernsbach entsandt worden, nachdem die BNN am Montagmorgen auch die Kreisbehörde – speziell das für den Tierschutz zuständige Veterinäramt – um eine Bewertung der Situation gebeten hatten. Die Folge war die Evakuierung der Tiere noch am Nachmittag.

„Gefangen“ im Eis

Der Lebensraum für die Tiere – zuletzt waren es nur noch drei Enten – war in den letzten Tagen auf rund drei Quadratmeter eisfreier Wasserfläche im Kurparksee zusammengeschrumpft. Viel zu wenig, um überleben zu können. Passanten hatten am Kurparksee in den vergangenen Tagen wiederholt versucht, mit Hilfe eines langen Astes von der Mauer herab die eisfreie Fläche für die hilflosen Tiere ein wenig zu vergrößern.  Die Schmuckenten sind in der Vergangenheit allesamt von der Stadt Gernsbach gekauft und am See eingesetzt worden. Zuletzt hat sich aber offenkundig niemand von Rathaus oder Bauhof um die Tiere gekümmert.

Tiere waren flugunfähig gemacht worden

Die drei Enten (zwei Kolbenenten und eine „Mischung“) waren quasi auf der geringen eisfreien Wasserfläche unterhalb der Ufermauer gefangen; sie waren früher allesamt widerrechtlich kupiert, also flugunfähig gemacht worden – von wem, ist noch unklar.  Zum Ufer, wo sie ihre Nahrung finden, konnten sie nicht mehr zurück. Die drei Tiere hätten an dieser Stelle nicht mehr lange überlebt, weil sie keine Nahrung gefunden hätten, sagte Experte Fingermann am Montag auf BNN-Nachfrage. Zudem wären sie dort zur leichten Beute für einen Fuchs oder Hund geworden.

„Die Stadt soll die Finger davon lassen“

„Die Enten kommen jetzt in meine Voliere und werden bei stabiler, frostfreier Witterungslage von mir persönlich wieder hierher zurückgebracht,“ so Fingermann im Kurpark im Anschluss an die Einfangaktion. Die Rückkehr ist aber so sicher nicht: Naturschutzexperte und CDU-Gemeinderat Stefan Eisenbarth sagte am Montag im Anschluss an die Aktion zu den BNN: „Die Stadt soll sich entweder um die von ihr angeschafften Tiere kümmern oder die Finger davon lassen. Dann sind die Enten woanders besser aufgehoben.“

Stockenten können wegfliegen

Für Stockenten (Wildenten) ist ein zugefrorener See im Übrigen kein Problem: Sie fliegen weg und finden beispielsweise an der Murg Nahrung und Unterschlupf. Vor dem Wintereinbruch hatte eine bunte Mischung aus Kolben- und Stockenten ihren Platz am oberen Kurparksee in Gernsbach gefunden.

Veterinäramt prüft den Sachverhalt

Mit Netz und Kescher wurden am Montagnachmittag die Enten von vier Mitarbeitern des Bauhofs und Pierre Fingermann eingefangen. Was bei zwei Tieren gut gelang, wurde bei der dritten Ente zur Geduldsprobe: Sie entwischte dem Netz und flüchtete auf die Eisfläche. Erst nach rund 45 Minuten konnte man das leicht erschöpfte Tier einfangen. „Alle drei Enten sind kupiert, also flugunfähig, was gesetzlich verboten ist“, sagte Fingermann. Leider komme es immer wieder vor, dass Züchter dem Wunsch von Käufern entsprechen und die Flügelenden bereits im Kükenalter präparieren. Das Rathaus hierzu gestern: „Die Tiere wurden von der Stadt Gernsbach nicht flugunfähig gemacht.“ Das Veterinäramt will diesen Sachverhalt nun prüfen.