Ob und wann die Freibäder im Murgtal in diesem Sommer öffnen, das ist noch völlig unklar. Hier schauen im Montana-Badezentrum Forbach Schwimmmeister Sven Schneider (links) und Ortsbaumeister Oliver Dietrich nach dem Rechten.  | Foto: Reinhold Bauer

Die Vorbereitungen laufen aber

Wegen Corona: Start in Freibadsaion im Murgtal ungewiss

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Maske tragen und Abstand halten – das sind die Gebote der Stunde. Ein Besuch im Freibad, Handtuch an Handtuch auf der Liegewiese, ein Sprung ins kühle Nass – unter diesen Umständen nur schwer vorstellbar. Wann die Freibadsaison im Murgtal mit seinen vielen attraktiven Einrichtungen beginnen kann, oder ob sie in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie ins Wasser fällt, ist nach wie vor offen.

Bei den jüngsten Beratungen von Kanzlerin Merkel mit den Ministerpräsidenten der Länder an diesem Donnerstag stand das Thema Bäder nicht auf der Agenda. Der Bund will erst bei der nächsten Schaltkonferenz am 6. Mai entscheiden, ob ein weiterer größerer Öffnungsschritt bei den strikten Corona-Beschränkungen möglich ist.

Kommunen und Schwimmbadvereine wollen Klarheit

Gibt es dann auch Klarheit über die Freibadsaison? Ob in Gaggenau, Gernsbach, Weisenbach oder Forbach: Die Kommunen und Schwimmbadvereine eint der Wunsch nach einem raschen, klaren Bescheid.

„Wir müssen abwarten inwieweit und inwiefern der Dreistufenplan umgesetzt wird, der ja auch das Thema Bäder enthält. Wir können konkretes dazu erst dann sagen und umsetzen, wenn die Landesvorgaben vorliegen“, so die Pressesprecherin der Stadt Gaggenau, Judith Feuerer, auf Anfrage der BNN.

In der sechsten Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg vom 23. April regelt Paragraf 4 des ersten Artikels die Schließung einer ganzen Reihe von Betrieben. Darin ist festgelegt, welchen Einrichtungen der Betrieb bis Sonntag, 3. Mai, für den Publikumsverkehr untersagt ist. Dazu gehören laut Absatz vier die Schwimm- und Hallenbäder sowie Thermal- und Spaßbäder , außerdem Saunen. Die Verordnung gilt bis 15. Juni. Dann tritt sie außer Kraft.

Sollte, unter welchen Bedingungen auch immer, Grünes Licht von der Politik kommen, die Bäder im Murgtal wären bereit. Allerdings: Sie bräuchten dann nochmal einige Tage Zeit. Nicht nur, um alle Auflagen zu erfüllen und den Rahmen für einen Bäderbetrieb unter Pandemie-Bedingungen zu schaffen. Auch um zum Beispiel die technischen Anlagen „hochzufahren“.

Das sanierte Bernsteinbad soll bis Pfingsten fertig

Gaggenau: Beim Bernsteinbad im Gaggenauer Stadtteil Sulzbach sind die Sanierungsarbeiten auf der Zielgeraden. Hier wurde in das vorherige Becken aus Beton eines aus Edelstahl eingesetzt. Weil die Arbeiter aus Österreich kommen, gab es durch die Corona-Krise zeitliche Verzögerungen. „Doch jetzt sind die Experten wieder da und die restlichen Bodenteile wurde mit einem 40-Tonner angeliefert“, so Jürgen Kohm, Vorstandsmitglied des Schwimmbadverein Sulzbach. Erfreulich sei, dass man es bei dem 1,1 Millionen-Euro-Projekt schaffen werde, im Budget zu bleiben.

Baustelle Bernsteinbad: Aktuell werden die Bodenbleche ins Becken eingebaut und abschließende Arbeiten an der Außenanlage durchgeführt. Die Eröffnung könnte aus Sicht des Schwimmbadvereins Sulzbach zum Pfingstwochenende stattfinden. | Foto: Jürgen kohm

Am Vatertag (21. Mai) war eine große Eröffnungsfete geplant, daraus wird nichts. „Dann feiern wir eben später“, meint Ortsvorsteherin Josefa Hofmann. „Ich denke es braucht noch zwei Wochen, bis wir das Wasser einlassen und einen ersten Dichtigkeitstest machen können. Bis Anfang Juni werden wir fertig sein“, sagt Jürgen Kohm. Wie es weitergehe, müsse man sehen: „Wir werden alle Mitglieder anschreiben, dass das Bad fertig ist. Sollte es keine oder eine verkürzte Saison geben, bieten wir eine entsprechende Beitragsrückerstattung an.“

Während der Umbau des Waldseebads zu einem kombinierten Natur- und Technikbad (Wiederöffnung geplant für die Saison 2021) trotz Corona-Einschränkungen „planmäßig verläuft“, so Gaggenaus Stadtsprecherin Judith Feuerer, wird das Kuppelsteinbad in Ottenau „in Einzelaktionen technisch in Betrieb gebracht, da wir damit auch unsere technischen Anlagen schützen“, ist auf der Homepage des Schwimmbadvereins zu lesen. Sobald es neue Regelungen seitens der Landesregierung gebe, werden man weitere Informationen bekannt geben.

Das Kuppelsteinbad in Gaggenau-Ottenau. Zuständig dafür ist der Schwimmbadverein Kuppelsteinbad. | Foto: pr

„Da die beiden Bäder in Sulzbach und Ottenau in Vereinsträgerschaft sind, werden wir uns mit den Vereinen abstimmen und diese unterstützen“, sagt Feuerer.

In Gernsbach laufen die Unterhaltungsarbeiten regulär

Gernsbach: Im  Igelbachbad beziehungsweise den Stadtteilbädern Lautenbach, Obertsrot und Reichental werden zurzeit die Becken und Pflaster gereinigt, Bänke gestrichen. „Die Unterhaltungsarbeiten laufen regulär“, sagt Nicoletta Arand, Pressesprecherin der Stadt Gernsbach.

Vier Wochen Vorlaufzeit bis zur Öffnung

„Arbeiten wie Grünpflege, die im normalen Betrieb durch Fördervereine oder den Bauhof übernommen werden, erledigen im Moment die Bademeister. Noch nicht in Betrieb genommen wurden allerdings die technischen Anlagen.“ Unter anderem um dies zu tun, so Arand, wäre eine Vorlaufzeit von etwa vier Wochen bis zur Öffnung notwendig. Unter normalen Umständen würde das Igelbachbad am 16. Mai und die Stadtteilbäder am 23. Mai in die Saison starten.

Das war noch vor Corona-Zeiten: Badespaß im Igelbachbad Gernsbach. | Foto: Stadt Gernsbach

Wie lange aber könnte beispielsweise der Saisonstart des Igelbachbades, das im vergangenen Sommer 121 Betriebstage und insgesamt knapp 29.000 Besucher zählte, nach hinten in den Juni, Juli oder gar August verschoben werden, damit eine Öffnung betriebswirtschaftlich noch wenigstens halbwegs einen Sinn macht? Arand: „Das Sozialministerium hat angekündigt, zum Juni über eine Aufnahme der Badesaison zu entscheiden. Ebenso wird die Stadt Gernsbach dementsprechend zum gegebenen Zeitpunkt über eine Inbetriebnahme der Bäder beraten und entscheiden.“

Was ein Ausfall der Freibadsaison finanziell für die Stadt als Betreiber bedeuten würde, diese Frage lasse sich, so Arand weiter, heute noch nicht seriös beantworten.

Momentan gehe ich noch davon aus, dass wir irgendwann an den Start gehen können.

Klaus Burkhardt, Vorsitzender des Vereins „LatschigBadWeisenbach“

Weisenbach: „Wir können zwar immer nur mit zwei Leuten arbeiten, aber es läuft die standardmäßige Vorbereitung, damit das Latschigbad startklar ist“, erklärt der Erste Vorsitzende des Vereins „LatschigBadWeisenbach, Klaus Burkhardt. „Momentan gehe ich noch davon aus, dass wir irgendwann an den Start gehen können, das ist aber auch davon abhängig, welche Vorgaben wir erfüllen müssten.“

Das Latschigbad in Weisenbach wurde in den vergangenen Jahren saniert. Träger ist der Verein „LatschigBadWeisenbach“. | Foto: pr

Geplant war der Saisonstart Mitte Mai. Noch sei nichts verloren, noch sei es finanziell egal, aber er kalkuliere mit einer Vorlaufzeit von vor Wochen, so Burkhardt, und „irgendwann müssten wir dann schon rechnen, ob eine Öffnung noch wirtschaftlich ist.“

Forbach: Das Montana-Badezentrum in Forbach sei immer betriebsbereit zum 1. Mai, verdeutlicht Ortsbaumeister Oliver Dietrich. „In den vergangenen Jahren ist es um diese Zeit aber oft noch mal kalt geworden, so dass die Eröffnung meist Mitte Mai erfolgte.“ Um keine unnötigen Kosten zu generieren, laufe derzeit auch alles etwas gebremst auf Sparmodus, man sei aber einsatzbereit. „Grundsätzlich sind wir technisch so weit wie möglich vorbereitet“, versichert Dietrich.

Ab dem Zeitpunkt, wenn das „Go“ von der Landeregierung komme, brauche man eineinhalb bis zwei Wochen, um auf zu machen. „Unter anderem muss dann noch die Chlor-Dosierung gecheckt und Wasserproben gezogen werden“, so Dietrich. „Das braucht fünf, sechs Tage, bis Ergebnisse vorliegen.“

An heißen Juli-Tagen tummeln sich bis zu 900 Abkühlung suchende in dem von der Gemeinde betriebenen Montana-Badezentrum, das 2019 seinen 40. Geburtstag feierte und in den vergangenen Jahren immer wieder technisch überholt worden ist. Die Saison endet mit den Sommerferien, also in diesem Jahr Mitte September. Eine Öffnung erst ab Mitte August wäre wirtschaftlich nicht  mehr zu vertreten, meint Dietrich.