Bewegte Geschichte: Das Gernsbacher Kornhaus brannte Ende des 18. Jahrhunderts gleich zweimal nieder. Nachdem die AOK ihre Räume gekündigt hat, soll in dem Gebäude nun ein Gründerzentrum angesiedelt werden.
Bewegte Geschichte: Das Gernsbacher Kornhaus brannte Ende des 18. Jahrhunderts gleich zweimal nieder. Nachdem die AOK ihre Räume gekündigt hat, soll in dem Gebäude nun ein Gründerzentrum angesiedelt werden. | Foto: Dürr

Kornhaus in Gernsbach

Gründerzentrum erhält Rückenwind

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Das Gernsbacher Kornhaus wird künftig als Haus der Gründer, der Begegnung und der Generationen genutzt. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Gemeinderat am Montag einstimmig. Das Gremium ermächtigte die Stadtverwaltung, das Projekt bestmöglich zu unterstützen. Nachdem die bisherige Mieterin, die AOK Mittlerer Oberrhein, die Räumlichkeiten gekündigt hat, steht das von Friedrich Weinbrenner entworfene Gebäude leer. Eine Initiative junger Gernsbacher Gewerbetreibender und Start-up-Unternehmer war mit dem Wunsch an die Verwaltung herangetreten, im Kornhaus ein Gründer- und Begegnungszentrum zu etablieren. Ihr Ziel ist es, die Altstadt zu beleben, Synergieeffekte zu generieren und jungen Menschen in Gernsbach eine Perspektive aufzuzeigen. In das Projekt soll auch die Handelslehranstalt (HLA) mit einbezogen werden.

Austauch im Kornhaus

Unter dem Motto „Meet – Work – Share“ (Treffen – Arbeiten – Teilen) sollen sich Jungunternehmer im altehrwürdigen Gebäude begegnen und vom gemeinsamen Austausch profitieren. „In größeren Städten gibt es meist Gründerzentren, die von der Kommune betreut werden“, erklärte Bauamtsleiter Jürgen Zimmerlin bei der Vorstellung des Projekts im Gemeinderat. In Gernsbach fehle eine solche Einrichtung bislang.

Synergien für Gründer

Von ihr versprechen sich Initiatoren und Verwaltung mehrere positive Effekte. Zimmerlin betonte, man hoffe, die Altstadt durch das Begegnungszentrum wieder etwas zu beleben. Gründer und Jungunternehmer könnten unter einem Dach zusammenkommen und im Dialog miteinander Synergien nutzen.

Kaffee und Büro

Nach Vorstellung der Ideengeber sollen im Kornhaus Büroräume entstehen, die gemeinsam genutzt werden können. Im Erdgeschoss, so Zimmerlin, seien Workshops, Ausstellungen und Schulungen denkbar. Dort soll auch ein sogenanntes „Coffice“ angesiedelt werden, eine Art Kaffeeecke, in der von den Unternehmern entwickelte Produkte der interessierten Bevölkerung vorgestellt werden. Darüber hinaus könnten im Erdgeschoss kleinere Kulturveranstaltungen stattfinden.

„Große Chance“ für Stadt und Gründer

Nach Auskunft von Zimmerlin soll sich das Projekt mittelfristig selbst finanzieren, etwa durch die Gründung eines Vereins. Zu Beginn soll es eine Starthilfe von der Stadt erhalten, die den Jungunternehmern eine günstige Miete in Aussicht stellt. Auch die HLA soll – wie weitere Schulen – am Projekt partizipieren. Angedacht ist unter anderem eine Kooperation mit Schülerfirmen. „Gerade an der HLA gibt es bereits einige, die erfolgreich arbeiten“, erklärte Zimmerlin. Bürgermeister Julian Christ sieht im Begegnungszentrum eine „große Chance“ für die Stadt und die Gründer.

Unterstützung vom Gemeinderat

Rückenwind erhielt das Projekt auch aus Reihen des Gemeinderats. „Es steht Gernsbach gut zu Gesicht“, findet Uwe Meyer (Freie Bürgervereinigung). CDU-Rätin Sylvia Felder begrüßt die Gelegenheit, in dem historischen Fachwerkhaus „Altes und Modernes miteinander zu verbinden“. Volker Arntz (SPD) sprach von einem „schönen Startimpuls“. Nun benötige das Projekt „Zeit und Raum, um sich zu entwickeln“. Auf die „nicht in allen Gebäudeteilen gegebene Barrierefreiheit“ wies Grünen-Stadtrat Thomas Hentschel hin. Er kann sich eine Begegnungsstätte dieser Art nach eigener Aussage künftig auch auf dem neu gestalteten Pfleiderer-Areal vorstellen.