Das Kriegerdenkmal thront seit 1936 über Gernsbach. | Foto: Christiane Widmann

NS-Zeit im Murgtal

Kriegerdenkmal in Gernsbach soll Mahnmal werden

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Das Kriegerdenkmal auf dem Rumpelstein, ein weithin sichtbarer Rundbau oberhalb der Gernsbacher Stadtmitte, soll zum Mahnmal für die NS-Zeit werden. Das hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen.

Geplant ist, Informationstafeln, Hintergrundmaterial (via QR-Code) und Bilder zur Verfügung zu stellen. Letztere sollen dem imposanten Bau Eindrücke der Kriegsschrecken und NS-Verbrechen entgegenstellen. Das Stadtarchiv soll Bildungsarbeit leisten, also beispielsweise Führungen und Schulkooperationen anbieten.

Eine neue Gedenkstätte wird an einem noch unbestimmten Standort eingerichtet. Bei der Umwidmung und der Standortsuche sollen die Bürger einbezogen werden.

Bürgermeister von Gernsbach will NS-Zeit aufarbeiten

Im Hintergrund des Vorhabens steht das Bemühen von Bürgermeister Julian Christ, die nationalsozialistische Vergangenheit der Stadt aufzuarbeiten. „Es ist wichtig, einen Umgang damit in der Neuzeit zu finden“, sagte er in der jüngsten Gemeinderatssitzung.

Deshalb ist beispielsweise auch ein Stolperstein-Projekt aufgenommen worden, das an die jüdische Bevölkerung erinnern soll. Derzeit laufe die Abstimmung mit den Schulen, sagte Christ. Zu klären sei beispielsweise, wer die Steine pflegen wird.

Es ist an der Zeit, dieses Thema anzugehen

Sabine Katz (FBVG)

Die Ratsfraktionen begrüßten das neue Vorhaben. Sabine Katz (FBVG) betonte, es sei „der richtige Weg“. Ein Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewalt sei „aktueller denn je“.

Frauke Jung (CDU) regte an, die Grünpflege am Rumpelstein zu verbessern, da dort immer wieder Müll herumliege. Ein neues Denkmal wolle die CDU nicht: „Das brauchen wir nicht.“

Grüne wollen äußerliche Veränderung am Kriegerdenkmal

Birgit Gerhard-Hentschel (Grüne) schlug vor, auch die Opfer der Partnergemeinden zu benennen. Sie fragte außerdem an, ob eine äußere Veränderung des Denkmals möglich sei. Es sei „ziemlich martialisch da oben“.

Dem widersprach Volker Arntz (SPD). „Es in irgendeiner Weise baulich zu verändern, halte ich für kritisch.“ Sinnvoller sei die Einordnung. Er regte an, bei der Vorbereitung das Fachwissen der Bürger einzubeziehen.

Ernst-Dieter Voigt (AfD) plädierte ebenfalls darauf, die NS-Bezüge nicht zu verdrängen oder auszuradieren. Das Denkmal solle als „Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung“ erhalten bleiben.

Als Kriegerehrenmal errichtet
1936 ist das „Kriegerehrenmal“ für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs errichtet worden – gespickt mit Referenzen an nationalsozialistisches Gedankengut. Über die Jahre wurde es um die Namen von Kriegstoten des Zweiten Weltkriegs und eine Gedenktafel für Heimatvertriebene ergänzt. Erst in den 1980er-Jahren folgten die Namen jüdischer Gefallener des Ersten Weltkriegs.