Unerfreulicher Trend: Die Zahl der Ladendiebstähle im Murgtal ist gestiegen. Nach Polizeiangaben stammen die meisten Täter aus Osteuropa.
Unerfreulicher Trend: Die Zahl der Ladendiebstähle im Murgtal ist gestiegen. Nach Polizeiangaben stammen die meisten Täter aus Osteuropa. | Foto: Kästle

Region belegt Spitzenplatz

Das Murgtal ist laut Kriminalstatistik ein sicheres Pflaster

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Viel Licht, wenig Schatten: Die Kriminalstatistik 2018 fällt für das Murgtal überwiegend positiv aus. Laut dem Zahlenwerk, das Polizeirevierleiter Jörn Hinrichsen der Presse vorstellte, ist das Murgtal die sicherste Region im Landkreis Rastatt. Im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Offenburg teilt es sich den Spitzenplatz mit dem Kinzigtal.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche sank auf ein Fünf-Jahres-Tief, auch die Fälle von Körperverletzungen und Sachbeschädigungen nahmen ab. Dagegen verzeichnet die Statistik einen deutlich Anstieg der Drogenkriminalität und Ladendiebstähle. Im Bereich des Gaggenauer Polizeireviers ging die Anzahl der Straftaten im Vergleich zu 2017 um 55 (zwei Prozent) zurück, innerhalb von fünf Jahren sogar um 406. 64 Prozent der Delikte werden aufgeklärt – für Jörn Hinrichsen eine „Traumquote“.

Keine Randzentren im Murgtal

Mit 3543 Straftaten pro 100.000 Einwohnern liegt das Gaggenauer Revier deutlich unter dem Landes- (5191) und Präsidiumsschnitt (5849). „Wir haben im Murgtal eine stabile Wirtschaftslage und keine Randzentren, in denen sich eine bestimmte Klientel ansiedelt“, erklärt Hinrichsen. Auch stehe man bei der Prävention in einem „engen Austausch mit den Schulsozialarbeitern“. Auffällig: Die Zahl der Wohnungs- (-38 Prozent) und Firmeneinbrüche (-47 Prozent) ging zurück. Gleiches gilt für die Gewaltkriminalität (-28 Prozent).

Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Offenburg für das Murgtal.
Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Offenburg für das Murgtal. | Foto: BNN (Infografik)

Polizei hellt Dunkelfeld auf

Einen sprunghaften Anstieg gab es indes bei der Drogenkriminalität (+72 Prozent). Hinrichsen führt ihn auf intensivere Ermittlungen zurück. Man habe „das Dunkelfeld aufgehellt“. Die beliebteste Droge sei noch immer Cannabis. Auch die Häufigkeit von Ladendiebstählen (+47 Prozent) hat deutlich zugenommen. Die Täter stammten häufig aus Osteuropa, erklärte Hinrichsen.

Flüchtlinge spielen in diesem Zusammenhang nur eine untergeordnete Rolle.

Die Zahl der Sexualdelikte hat sich von 2017 auf 2018 verdoppelt. Hier machen sich nach Aussage des Revierleiters auch die Missbrauchsfälle durch einen Schwimmlehrer bemerkbar, der vom Baden-Badener Landgericht im November zu einer zwölfjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Die Auswirkungen der Zuwanderung auf die Kriminalitätsstatistik seien gering: „Flüchtlinge spielen in diesem Zusammenhang nur eine untergeordnete Rolle“, betont Hinrichsen.

Gemeinden liegen unter dem Schnitt

Der Blick auf die einzelnen Gemeinden zeigt: Allesamt liegen sie bei der Häufigkeitszahl der Straftaten unter dem Landes- und Kreisschnitt. Spitzenreiter ist Loffenau mit 1988 Delikten auf 100.000 Einwohner, gefolgt von Bischweier (2443) und Kuppenheim (3069). Die höchste Zahl weist die Statistik für Gernsbach (4241) und Weisenbach (4018) aus. Im Fall der Gemeinde Weisenbach sei dies auch auf eine Serie von Sachbeschädigungen zurückzuführen.

Meistens kennen sich Täter und Opfer.

Bis auf Kuppenheim (55 Prozent) liegt die Aufklärungsquote in allen Murgtal-Kommunen über 60 Prozent. Am höchsten ist sie in Loffenau und Forbach mit jeweils 71 Prozent. Bei Körperverletzungen werden die Täter fast immer ermittelt – die Aufklärungsquote in Gaggenau liegt etwa bei 93 Prozent. „Das hat zwei Gründe: Meistens kennen sich Täter und Opfer, außerdem ermitteln wir in diesen Fällen noch intensiver als bei Bagatelldelikten.“

Engpass bleibt

Die personelle Ausstattung der Polizei, räumte Hinrichsen bei dem Pressetermin ein, sei noch immer „verbesserungswürdig“. Zwar habe die Politik mittlerweile auf den Engpass reagiert, allerdings dauere die Ausbildung der Beamten drei Jahre. Die Auswirkungen der bisherigen Einstellungen lassen also noch auf sich warten.