Für einen Heidenspaß sorgten die Gruppen beim fastnachtlichen Treiben in Bad Rotenfels. Einige Gruppen haben lange Anreisen in Kauf genommen, um beim Umzug in dabei zu sein. | Foto: Krause-Dimmock

Umzug in Bad Rotenfels

Kunterbunter Lindwurm zieht durch die Straßen

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Im Murgtal war der Teufel los. Und nicht nur der. Hexen, Dämonen und andere Unholde sorgten am Samstagnachmittag bei äußerst umzugstauglicher Witterung für einen Heidenspaß, an dem Groß und Klein ihre Freude hatten.

Von Christiane Krause-Dimmock

Ausgefallene Maskeraden

Dass hier die echten Fastnachter am Start waren, zeigte sich auf beiden Seiten: Nicht nur die Aktiven marschierten kreativ aufgezwirnt durch die Straßenzüge. In bester Tradition hielten die Gäste mit teilweise sehr ausgefallenen Maskeraden dagegen. Ganze Gruppen präsentierten ihr närrisches Potenzial etwa, indem sie mit beeindruckend vielen Details als kriegsbemalter Indianerstamm oder als Einhornherde, bestehend aus „Tieren“ beiderlei Geschlechts, die Straßen säumten.

Donald Trump wird parodiert

Bären, Giraffen, Zebras, Ballerinas, Bonbons haschende Kinder, lachende Erwachsene waren das Resultat des kunterbunten Lindwurms, an dem deutlich mehr als 100 Gruppen beteiligt waren. Kleine Besonderheiten boten dabei etwa die „Rotenfelser Penner“, die einzige Zwei-Mann-Gruppe, die längst zu den Stammteilnehmern gehört. Sie thematisierten den entgleisten US-Präsidenten.

„Lustig Musig“ aus Annemasse

Ein weiteres Highlight nahm mit lautstarken Sounds an der Veranstaltung teil und hatte vor allen Dingen eine beachtliche Anreise hinter sich gebracht. Aus Gaggenaus Partnerstadt Annemasse war „Lustig Musig“ am Start, eine eindrucksvolle große Formation, die ganz vom in Baden vorherrschenden Fastnachtsvirus infiziert zu sein scheint. Optisch und klanglich kaum anders als die einheimischen Könner, wie etwa der örtliche Musikverein oder der Spielmannszug, der den Umzug eröffnete, waren die Michelbacher Haffe-Riewer, die Oostalfetzer aus Lichtental, der Fanfarenzug Schutterwald sowie der FFZ Kehl.

Integration bei der Fastnacht

Besonderen Eindruck machten auch die Vogelscheuchen, die mit Muskelkraft einen mächtigen gezierten Landwirtschaftswagen zogen. Denn die Teilnehmer gehören zum Gehörlosenverein und zeigten, dass Integration gar nicht so kompliziert sein muss. Dabei sein ist alles. Ein Motto, dass sich offenbar auch die Neuenburger Brunnenputzer und die Hochdorfer Dalba Hexen auf die Fahnen geschrieben haben. Denn sie nahmen Anreisen von 155 und 130 Kilometern in Kauf, um in Bad Rotenfels mit dabei zu sein.

Zwei Stunden närrisches Treiben

Das Publikum feierte die Gruppen mit lautstarken Rufen, wie sie zu den einzelnen Zünften gehören, vom klassischen „Brotsack – Helau“ über „Kra-Kra Hurra“ und „Dreimal dunkel – ischs“ bis hin zu „Selbach – Hajo“ und „Michelbach – Schäg-Schäg“. Nach rund zwei Stunden war der zauberhafte Spuk weitestgehend vorüber und manche Stimme unüberhörbar heiser, die Straßen voll von den Überresten der an Ort und Stelle verzehrten Süßigkeiten, von Konfetti und Getreide, das böse auf der Haut juckte, nachdem die übermütigen Zünfte manchen Passanten darin unfreiwillig baden ließen.