Der Kölner Künstler Gunter Demnig, Initiator der Stolpersteine, die an die im Dritten Reich ermordeten deutschen Juden erinnern, bei der Verlegung von Stolpersteinen in Kuppenheim im Jahr 2013.
Der Kölner Künstler Gunter Demnig, Initiator der Stolpersteine, die an die im Dritten Reich ermordeten deutschen Juden erinnern, bei der Verlegung von Stolpersteinen in Kuppenheim im Jahr 2013. | Foto: Keller

Denkmal für jüdische Familien

Kuppenheimer will keine Stolpersteine vor seinem Haus

Anzeige

An die im Dritten Reich vertriebenen und ermordeten Kuppenheimer Juden erinnern bislang insgesamt 68 Stolpersteine an zwölf Verlegestellen in Kuppenheim. Der Arbeitskreis Stolpersteine plant zusammen mit dem Kölner Künstler Gunter Demnig fünf weitere Stolpersteine vor den früheren Wohnhäusern von Juden. Die heutigen Hauseigentümer stimmten der Verlegung von Stolpersteinen vor ihrem Anwesen bereits zu. Lediglich ein angrenzender Hauseigentümer willigt nicht ein.

Von unserem Redaktionsmitglied Georg Keller

In dem Haus in der Rheinstraße lebten bis zu ihrer Vertreibung die Familien Nathan Kahn und Maier Kahn. Insgesamt 15 Stolpersteine mit den Namen der verstorbenen Familienmitglieder sollen hier verlegt werden. „Stolpersteine geben den Familien ihren Namen zurück, entreißen sie der Anonymität“, betont Heinz Wolf vom Arbeitskreis. „Es wäre schade, wenn an diese beiden Familien nicht mit Stolpersteinen gedacht werden könnte“.

Hausbesitzer schweigt

Die Stolpersteine werden im Gehweg, also im öffentlichen Raum, verlegt. Im November 2009 hat der Kuppenheimer Gemeinderat nach langer Vorgeschichte beschlossen, Stolpersteine grundsätzlich zuzulassen, wenn die Hauseigentümer zustimmen.

Mehr zum Thema: Putzaktion für Stolpersteine: Ein Zeichen des Mitgefühls

Der Arbeitskreis hat den betreffenden Hauseigentümer angeschrieben und dieser seine Position schriftlich der Stadt Kuppenheim zur Kenntnis gegeben. Gegenüber den BNN wollte der Hausbesitzer nichts sagen. Laut Aussage des Arbeitskreises handelt es sich nicht um den Ersterwerber der Immobilie von dem jüdischen Besitzer.

„Wo der systematische Naziterror stattfand“

Die jüdischen Familien lebten in Kuppenheim in friedlicher und oft freundschaftlicher Nachbarschaft, verrichteten ihre Arbeit und bezahlten Steuern, waren in Vereinen und Organisationen engagiert und pflegten ihren Glauben. „Stolpersteine zeigen, wo der systematische Naziterror stattfand: Im Alltag, im Nachbarhaus“, so Wolf.

Auch interessant: Späte Ehre: Straße in Gaggenau nach jüdischem Arzt benannt

Die von Gunter Demnig initiierten Stolpersteine gelten als weltweit größte dezentrale Gedenkstätte. Rund 75.000 Stolpersteine wurden bisher in mehr als 2.000 Städten und Gemeinden in 24 Ländern verlegt. Sollte der Anwohner das Projekt weiter ablehnen, setzt der Arbeitskreis auf einen fraktionsübergreifenden Antrag im Gemeinderat, um die bisherige Praxis zu ändern.

Zuletzt hatten die politischen Gremien in Ettenheim und Schriesheim so entschieden. Kuppenheims Bürgermeister Karsten Mußler will es dagegen gar nicht erst so weit kommen lassen und kündigt an, gemeinsam mit Vertretern der Gemeinderatsfraktionen ein persönliches Gespräch mit dem Hausbesitzer zu suchen, um die Angelegenheit zu klären.

Service
Der Arbeitskreis dokumentiert das Schicksal der jüdischen Familien Kuppenheims im Internet unter der Adresse www.juedisches-kuppenheim.de.