Zum Abschluss minutenlanger Applaus im Stehen für den Mann am Rednerpult: Dies war einer der vielen emotionalen Momente bei der Verabschiedung von Bürgermeister Dieter Knittel in der voll besetzten Gernsbacher Stadthalle. | Foto: Dürr

Bürgermeister verabschiedet

Landrat Bäuerle über Knittel: „Du bist kein Basta-Typ“

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Drei Dinge bleiben nach der Verabschiedung von Bürgermeister Dieter Knittel in der voll besetzten Gernsbacher Stadthalle haften: Zum einen war es ein Abend, der von vielen Emotionen geprägt war; dann wurde von fast allen Rednern die menschliche Art und Weise, mit der Knittel sein Amt 24 Jahre versehen hat, herausgestellt. Und drittens bleibt in Erinnerung, dass der so mannigfach Gewürdigte tief bewegt Abschied nahm, sich aber auch in dieser Stunde kurz vor seinem Ruhestand treu blieb und das auf ihn eingeprasselte Lob „nicht nur auf mich, vor allem auf die Mannschaft beziehen“ wollte. Die solle sich mitgeehrt fühlen. Zentrale Aussage von Knittel: „Es ist nicht meine Bilanz, es ist unsere Bilanz.“ Am Schluss seiner Rede gab es minutenlang stehenden Applaus.

„Die Stadt nicht nur verwaltet“

Äußerst stimmungsvoll wussten sowohl die Stadtkapelle Gernsbach wie auch ein Instrumentalensemble der Musikschule Murgtal den Abend zu begleiten und erhielten hierfür starken Beifall. Die Rednerliste begann mit Bürgermeister-Stellvertreter Friedebert Keck, der zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens begrüßte, darunter Bürgermeisterkollegen in zweistelliger Zahl aus dem gesamten Landkreis. Knittel habe die Stadt nicht nur gut verwaltet, sondern aktiv gestaltet und weiterentwickelt – mitunter auch gegen Widerstände, lobte Keck. Als „ausgesprochener Familienmensch“ habe Knittel einen Schwerpunkt auf Bildung und Erziehung, auf Kinder und Familien gelegt. Beim Städtebau sei die größte Änderung die „neue Mitte“ mit der Umgestaltung des Salmenplatzes („Der Salmengassendurchstich wird heute von jedem begrüßt“).

Eine Gartenhütte als Geschenk

Bürgermeister Knittel habe sich Verdienste um den Naturschutz, um den Erhalt der Streuobstwiesen und um das Infozentrum Kaltenbronn („Er ist einer der Väter“) erworben, so der ihm freundschaftlich verbundene Bürgermeister-Stellvertreter Keck weiter. Mit der Pflege der Städtepartnerschaften mit Baccarat und Pergola werde ein Stück weit „Europa von unten aufgebaut“. Das Abschiedsgeschenk der Verwaltung an den jetzigen Ruheständler Knittel ist eine Gartenhütte, Keck überreichte symbolisch ein Modell.

Viel Lob vom Landrat

„Zum ersten Mal nach fast einem halben Jahrhundert beendet ein Bürgermeister in Gernsbach heute eine dritte Amtszeit. Das allein ist schon Ausdruck eines dauerhaften Vertrauens der Bevölkerung“, würdigte Landrat Jürgen Bäuerle den aus seinem Amt Scheidenden. Die Liste seiner Verdienste sei lang und beeindruckend; fast 60 Millionen Euro seien in seiner Ära investiert worden. Bäuerle sprach von einer „hundertprozentigen Identifikation, die viel ausgehalten hat und Dich im Laufe der Jahre einen waschechten Gernsbacher werden ließ.“ Der Landrat stellte die Art und Weise, wie Knittel das Amt führte, besonders heraus: „Du hast Gefühle und Sensibilität gezeigt. Sensibilität für die Bedürfnisse, Probleme und Ängste der Menschen. Du bist kein Basta-Typ, sondern hast auf Konsens gesetzt, auch Kritik verkraftet, Rat angenommen und das Miteinander in der Verwaltung, im Gemeinderat, mit den Nachbarkommunen war Dir stets ein großes Anliegen.“

„Du warst und bist ein feier Kerl“

Zwischenapplaus erhielt Landrat Bäuerle für den Satz: „Du warst und bist ein feiner Kerl.“ Die Stadt Gernsbach sei eine der ersten Kommunen gewesen, die den Landkreis bei der vorläufigen Unterbringung von Flüchtlingen unterstützt habe. „Und die Gernsbacher haben mitgezogen.“ Das Fazit des Landrats: „Lieber Dieter, Du hast Gernsbach geprägt und Gernsbach Dich. Sicherlich freut es Dich, dass mit Julian Christ ein Nachfolger gewählt wurde, der das Vertrauen der Menschen so deutlich gewonnen hat.“

Grußwort aus der Partnerstadt

Für die Bürgermeister des Landkreises sprach Toni Huber aus Weisenbach „als Nachbarkollege und guter Freund“. Das Mitmachen und Miteinander sei eine Stärke des Bürgermeisters Dieter Knittel, ebenso dessen ruhige und sachliche Art. Die privaten Sommerfeste der Familien der Bürgermeister Knittel, Huber und Steigerwald (von Huber scherzhaft als „Murgtäler Kleeblatt oder Murgtäler Mafia“ bezeichnet) solle es auch in Zukunft geben. Aus der französischen Partnerstadt Baccarat war Bürgermeister Christian Gex gekommen, dessen Worte die SPD-Fraktionsvorsitzende Irene Schneid-Horn übersetzte. Knittel habe in seiner Amtszeit „vier französische Bürgermeister überstanden“, so Gex, der Knittel „seit 2013 kennt und ihn auf Anhieb sympathisch fand“; vor allem schätze er seine Menschlichkeit. Für die Religionsgemeinschaften sprach Pfarrer Ulrich Eger ein Grußwort und bedankte sich für das offene Ohr, das Knittel für die Kirchen gehabt habe.

Zwei Ehrungen durch die Feuerwehr

Im Namen von über 100 Gernsbacher Vereinen sprach der Staufenberger Fred Bender Worte des Dankes und der Anerkennung. In seiner humorvoll-spritzigen und mit Zwischenapplaus bedachten Rede skizzierte er Knittel als Familienmensch, der immer um Harmonie bemüht sei und eine menschlich-freundliche Art habe. Knittel sei ein Förderer von Vereinstätigkeiten und wisse um die Bedeutung der Vereine für das soziale Umfeld. Kommandant Volker Steimer würdigte, dass Bürgermeister Knittel sich „immer für die Feuerwehr eingesetzt hat“.  Steimer ernannte Knittel zum ersten Ehrenmitglied in der Geschichte der Feuerwehr Gernsbach. Und noch eine Feuerwehr-Auszeichnung stand an: Frank Rieger vom Kreisfeuerwehrverband zeichnete den jetzigen Altbürgermeister mit der Ehrenmedaille in Silber des Landesfeuerverbandes Baden-Württemberg aus.

Die Abschiedsrede

„Es fällt mir so schwer.“ Mit diesen Worten begann Dieter Knittel seine Abschiedsrede. „Das Amt des Bürgermeisters ist wirklich ein Traumberuf, hat es mir doch ermöglicht, für meine Stadt und die Bürger zu arbeiten.“ Er bedankte sich bei vielen und stellte unter den Rathausmitarbeitern doch eine Person heraus: Mit „seiner“ Sekretärin Gülay Karagöz-Döner habe er „ein unglaublich enges Vertrauensverhältnis“ gehabt.