Lange Autoschlangen, in denen Menschen darauf warten, ihren Müll auf einem Wertstoffhof loszuwerden - das ist aktuell kein seltenes Bild in der Region.
Lange Autoschlangen, in denen Menschen darauf warten, ihren Müll auf einem Wertstoffhof loszuwerden - das ist aktuell kein seltenes Bild in der Region. | Foto: juwel

Entrümpeln in Corona-Zeiten

Lange Schlangen vor den Wertstoffhöfen in Karlsruhe und der Region

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Seit die Wertstoffhöfe wieder geöffnet sind, herrscht überall großer Andrang. Von Karlsruhe bis zum Ortenaukreis haben viele Menschen die Corona-Zeit offenbar genutzt, um ihre Keller und Gärten aufzuräumen: Von Gerümpel bis zu Gartenabfällen ist in ihren Anhängern und Kofferräumen alles dabei. Die Warteschlangen sind stellenweise enorm. Grund sind nicht zuletzt die Sicherheitsmaßnahmen.

„Andrang gibt es bei uns auf den Wertstoffhöfen auch“, erklärt Uwe Bartl, der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs im Landkreis Karlsruhe. In dieser Jahreszeit sei das eigentlich immer der Fall. „Da arbeitet man im Garten, baut sein Haus um“, so Bartl. Seit Corona wird aber auch etwas mehr Sperrmüll abgegeben als üblich – wohl, weil mehr Menschen jetzt ihre Keller und Wohnungen entrümpeln würden.

26 Wertstoffhöfe und 69 Grünabfallplätze gibt es im gesamten Landkreis Karlsruhe, der 32 Städte und Gemeinden umfasst. Die meisten davon haben seit Anfang April wieder geöffnet. Die relativ hohe Dichte an Wertstoffhöfen sorge dafür, dass meist alle Menschen, die an einem Tag kommen, ihren Abfall auch loswerden können, sagt Bartl. Trotzdem gibt es auch hier häufig Warteschlangen.

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Schlangestehen vorm Wertstoffhof geschieht meist im Auto

Das sei vor allem dem Umstand geschuldet, dass nur eine bestimmte Anzahl von Personen zu gleicher Zeit auf den Hof darf. Diese Zahl hängt wiederum davon ab, welche Abladestellen gerade besetzt sind und wird durch zusätzliches Personal koordiniert. Die Mitarbeiter auf den Wertstoffhöfen müssen außerdem darauf achten, dass die Menschen, die ihre Abfälle dort abgeben, den Mindestabstand zueinander einhalten – auch während sie warten.

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Laut Bartl klappt das meistens reibungslos. „Die Leute sind in der Regel sehr diszipliniert. Sie haben sich inzwischen auch ans Schlangestehen gewöhnt“, sagt er. Da die Menschen in der Regel in ihren Fahrzeugen warten würden, gebe es auch keine Kontaktmöglichkeiten untereinander.

Sicherheitskräfte achten auf Einhaltung der Abstandsregeln

In der Stadt Karlsruhe gebe es keinen sonderlich großen Andrang an den geöffneten Wertstoffstationen, erklärt Tina Döpfert, eine Sprecherin des Amts für Abfallwirtschaft. Dadurch, dass sich aber nur eine begrenzte Anzahl Menschen auf den Höfen aufhalten dürfe, könne es auch hier zu Wartezeiten kommen. In dieser Woche sorgen Sicherheitskräfte auf den geöffneten Wertstoffstationen dafür, dass Abstände korrekt eingehalten werden. Ab kommender Woche sollen diese Aufgabe eigene Mitarbeitende des Amts für Abfallwirtschaft übernehmen.

Mitarbeiter sorgen auf den Wertstoffhöfen dafür, dass sich dort nicht zu viele Menschen aufhalten und dass die Abstandregeln eingehalten werden.
Mitarbeiter sorgen auf den Wertstoffhöfen dafür, dass sich dort nicht zu viele Menschen aufhalten und dass die Abstandregeln eingehalten werden. | Foto: juwel

Ab Dienstag, 28. April, werden fast sämtliche Wertstoffstationen im Karlsruher Stadtgebiet wieder zu den regulären Öffnungszeiten öffnen, vermeldet die Stadt außerdem. Einzige Ausnahme bleibte die Station Neureut Waldsportplatz, so die Stadt. Auch die beiden Schadstoffannahmestellen Maybachstraße 10a und Nordbeckenstraße 1 sowie die beiden Kompostierungsanlagen Grötzingen und Knielingen sollen dann wieder zu den üblichen Zeiten zugänglich sein.

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Ausnahmesituation auf Wertstoffhöfen im Ortenaukreis

Seit Montag sind alle zehn Wertstoffhöfe im Ortenaukreis wieder von Montag bis Freitag geöffnet. Um die fünf Personen dürfen gleichzeitig aufs Gelände der zehn Wertstoffhöfe. Die genaue Anzahl hängt von den jeweiligen Örtlichkeiten ab, ihrer Größe und Aufteilung.

Der Montag war überall heftig.

Günter Arbogast, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft im Ortenaukreis

Auf jedem Hof sei ein Mitarbeiter mehr im Einsatz als sonst, insbesondere um den Einlass zu regeln, sagt Günter Arbogast, Geschäftsführer des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft im Kreis. „Jeder verfügbare Mann ist da.“

„Der Montag war überall heftig“, berichtet Arbogast. Um den Andrang zu bewältigen, hätten die Mitarbeiter keine Mittagspause gemacht und auch Überstunden in Kauf genommen, um alle Wartenden zum Zuge kommen zu lassen.

Autos stauen sich bis auf die Straße hinaus

Diese hatten „je nach Deponie und Uhrzeit“ nur wenige Minuten oder bis zu eineinhalb Stunden lang vor den Deponien ausgeharrt. Je nach Länge der Zufahrt standen die Autos stellenweise bis auf die Straße hinaus.

„In der Summe waren die Leute sehr verständig.“ Verärgert seien vor allem die Fahrer gewesen, die gar nicht zu den Wertstoffhöfe wollten, aber auf der Straße in den Stau geraten seien.

Betrieb normalisiert sich bereits

Die aktuelle Lage sieht Arbogast aber als „Ausnahmesituation“. „Der Betrieb wird sich in den kommenden Tagen normalisieren.“ Schon am Dienstag und Mittwoch sei es spürbar besser geworden.

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Trotzdem bittet er Menschen, die etwas abgeben wollten, Geduld mitzubringen und zu prüfen, ob die Abgabe derzeit wirklich notwendig ist.

Wartende Autos und vollbepackte Anhänger, so weit das Auge reicht: Großer Andrang herrscht dieser Tage auch an der Entsorgungsanlage „Hintere Dollert“ in Oberweier, einem Stadtteil von Gaggenau. Anfang der Woche hat der Landkreis Rastatt sie nach mehrwöchiger Schließung wieder von Montag bis Freitag geöffnet.

Eine lange Warteschlange hat sich am Dienstagnachmittag auf dem Weg zur Entsorgungsanlage „Hintere Dollert“ in Gaggenau gebildet.
Eine lange Warteschlange hat sich am Dienstagnachmittag auf dem Weg zur Entsorgungsanlage „Hintere Dollert“ in Gaggenau gebildet. | Foto: Bernd Kamleitner

Sicherheitsvorgaben sorgen am stärksten für Verzögerungen

Trotzdem ist an der Deponie nicht mehr los als üblich. „Die Fahrzeuge stauen sich hauptsächlich wegen der Schutzmaßnahmen“, teilt der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises auf Nachfrage hin mit. In Oberweier werden maximal drei Anlieferer auf einmal an die Abladestelle gelassen.

Etwa zwei Stunden betrage deshalb die Wartezeit – obwohl es sich wie sonst auch um etwa 250 Auto-Anlieferungen pro Tag handle und sechs Mitarbeiter im Einsatz seien.

Auch mengenmäßig sei es nicht mehr als sonst. Schwerpunktmäßig werde in Oberweier Sperrmüll abgegeben, außerdem gebe es kreisweit viele Grünschnitt-Anlieferungen.

Nicht alle Menschen reagieren verständnisvoll

Insgesamt berichtet der Abfallwirtschaftsbetrieb von viel Verständnis, auch wenn es länger dauert als üblich. Der Landkreis hatte von vorneherein empfohlen, sich auf Wartezeiten einzustellen und als Corona-Sicherheitsmaßnahme bei Rückstau im Auto zu bleiben.

Bei der Anmeldung und beim Anlagen sollen die Kunden außerdem Abstands- und Hygieneregeln einhalten. Dazu gehört auch, möglichst einen eigenen Kugelschreiber zum Unterschreiben bereithalten.

Nichtsdestotrotz schimpfte so mancher über die Wartezeit, besonders, wenn er unverrichteter Dinge wieder davonfahren musste.

Kurz vor dem Ziel zur Umkehr gezwungen

Ein Mann berichtet, er sei am Dienstagnachmittag nach fast zwei Stunden Wartezeit nicht einmal mehr an die Reihe gekommen.  Als die Schließung näherrückte, habe ein Mitarbeiter ihn und andere Fahrer bereits vorgewarnt, dass es für sie eng werden könnte. Und so war es dann auch, obwohl einige in der Schlange zwischenzeitlich kehrt gemacht hatten.