Als Puppenspieler hat sich Frieder Kräuter einen guten Namen gemacht. Als künstlerischer Leiter betreut er die Puppentheaterwoche, die am Freitag, 16. März, in der Gernsbacher Stadthalle ihren Auftakt hat. | Foto: pr

Puppentheaterwoche wird 30

Marionetten erzählen Geschichten

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Mitte März geht’s wieder los: Dann ist Gernsbach das Zentrum des Puppentheaters. Zum 30. Mal kommen Bühnen aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland in die Alte Amtsstadt, erwecken ihre Handpuppen und Marionetten zum Leben und lassen sie Geschichten erzählen.
Vor genau drei Jahrzehnten hat der Puppenspieler Frieder Kräuter die Puppentheaterwoche ins Leben gerufen, deren künstlerischer Leiter er ist und die sich mittlerweile als feste Institution im Gernsbacher Kulturleben etabliert hat.

Feste Institution im Kulturleben

Angefangen hat alles mit dem AKV, dem Alternativen Kulturverein Kleinkunst, der Angebote für die ganze Familie im Programm hatte. „Von Oktober bis März gab es eine Puppentheaterreihe in der Stadthalle“, erzählt Frieder Kräuter. Daraus entwickelte sich die Puppentheaterwoche, deren Geburtsstunde aus verschiedenen Gründen allerdings nicht in Gernsbach, sondern im Gaggenauer klag schlug.

Erste Puppentheaterwoche im klag

Aus dem Versuchsballon von damals hat sich eine Veranstaltung entwickelt, die heute aus dem Kulturleben der Region nicht mehr wegzudenken ist. Entsprechend ist auch die Resonanz in der Branche. „Wir müssen uns nicht davor fürchten, kein interessantes Programm anbieten zu können“, sagt Frieder Kräuter.
„Die Puppenspieler bewerben sich bei uns, oder wir sehen bei anderen Veranstaltungen Kollegen, die wir zu uns einladen.“ Die Puppentheaterwoche sei zwar mit viel Arbeit verbunden, aber es mache immer wieder Spaß, neue Aufführungen zu sehen, die zum Teil mit aufwendiger Bühnentechnik einhergehen, sagt Frieder Kräuter.

Frieder Kräuter ist seit über 30 Jahren Puppenspieler

Kräuter selbst tourt inzwischen seit über 30 Jahren als Puppenspieler durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Das Geschäft mit dem Puppenspiel geht gut. Dies war allerdings nicht immer so: „Am Anfang war es schwierig, davon zu leben“, erinnert sich Kräuter, ein gelernter Erzieher. Anfang der Siebziger arbeitete er im Jugendhaus am Mühlburger Tor in Karlsruhe und hatte tagtäglich hautnah mit Problem-Jugendlichen zutun. „Ein hartes Brot“, sagt er heute. Und:„Wer draußen nicht mehr konnte oder wollte, der kam ins Büro.“

Hobby, Passion und Broterwerb

Für Kräuter, den Künstler, keine Alternative: „Das wollte ich nicht.“ Dann half das Schicksal nach; Kräuter wurde zu einem Puppenseminar für Pädagogen geschickt und kam dort erstmals mit dem in Berührung, was schon sehr bald Hobby, Passion und Broterwerb werden sollte. Kurzum: „Die Erfüllung, die ich in meiner Arbeit bis dato vermisst hatte“, so Kräuter. Für den Gernsbacher stand schnell fest, dass er sich als Puppenspieler versuchen wollte. Zumal er das Risiko für überschaubar hielt.
„Noch weniger als vorher zu verdienen, ging ja kaum“, sagt Kräuter lachend. Kurzerhand machte sich der hoffnungsfrohe Anfänger daran, Handpuppen zu basteln und erste Stücke einzustudieren. Als Premierenpublikum musste die Kindergartengruppe von Ehefrau Annette – ebenfalls Erzieherin – herhalten.

Handpuppenspiel ist anspruchsvoll

Der Nachwuchs blieb für längere Zeit seine Zielgruppe. Kräuter spielte vor allem in Kindergärten, zu Beginn meist in Baiersbronn, wo er auf Interesse der dortigen Leitung gestoßen war. „Reich wurde man davon nicht“, blickt Kräuter zurück auf die Anfänge.
Die entscheidenden Impulse holte sich der Gernsbacher schließlich in einem, einer Art Fortbildung für Puppenspieler. Dort spielte er vor den kritischen Blicken einiger„Vollprofis“, von denen er sich viel habe abschauen können. Besonders, was die „Puppenführung“ anginge.
„Eine Handpuppe zu leiten, ist viel anspruchsvoller als beispielsweise Marionetten, bei denen man durch die vielen Fäden bessere Möglichkeiten hat“, erklärt Kräuter, „jede Bewegung muss sitzen.“ Schließlich kam ihm die Idee, auch Stücke für Erwachsene umzusetzen; den Anfang machte vor gut 20 Jahren Goethes„Faust“. Längst schreibt Kräuter auch eigene Stücke. „Die besten Ideen kommen mir beim Waldlauf“, erzählt er.
Dann schreibt Kräuter ein Skript und entwickelt im Keller seines Hauses in Gernsbach eigenhändig die Figuren. Etwa 200 Puppen lagern dort mittlerweile ein. Und ein Ende ist nicht in Sicht. „Ich werde noch lange weitermachen“, hat sich Frieder Kräuter vorgenommen.