Es sind die kleinen Dinge, wie ein schönes Gernsbacher Weinfest im Kreis der Familie und Freunde, die gerade in diesen Zeiten wieder mehr an Bedeutung gewinnen. | Foto: be

Murgtäler ziehen Bilanz

Mehr Gemeinschaft in unruhigen Zeiten

Von Joachim Kocher und Susanne Dürr

Das war’s mal wieder: Das Jahr 2016 ist Geschichte. Und wie in jedem Jahr gab es Momente des Glücks und Momente der Trauer. Auch viele Murgtäler haben in den vergangenen zwölf Monaten dieses Wechselbad erlebt. Eine BNN-Umfrage zeigt die persönlich wichtigsten Ereignisse des Jahres auf.

„Das war Gänsehaut pur“

Claudia Peter, erste Bevollmächtigte IG Metall Gaggenau sagt: „Noch nie haben sich bei uns so viele Beschäftigte in einer Tarifrunde an Warnstreiks beteiligt wie in diesem Frühjahr: nämlich 15 200.“ Das sei „Gänsehaut pur“ gewesen, und sie sei stolz auf die Aktiven, die sich mobilisieren ließen. Negativ bewege sie die zunehmende Aggressivität und Intoleranz in Diskussionen. „Trotz unterschiedlicher Positionen gehören Menschlichkeit und Respekt zum Miteinander“, findet Peter.

„Traurigster Tag für ganz Gaggenau“

Für den SPD-Fraktionsvorsitzenden im Gaggenauer Gemeinderat, Gerd Pfrommer, gab es nicht das eine Highlight des Jahres 2016. „Es waren viel mehr die vielen kleinen, privaten Aktivitäten mit der Familie und mit Freunden, die das Jahr für mich persönlich zu einem guten Jahr gemacht haben.“ Auf der negativen Seite stehen für ihn die Wahlergebnisse in den USA, beim Brexit und bei einigen Landtagswahlen. „Diese Ereignisse ließen mich zum ersten Mal seit langem wieder ernsthaft darüber nachdenken, ob wir als Gesellschaft tatsächlich so dumm sein könnten, um die Werte und die Rahmenbedingungen, die uns Frieden, Freiheit und einen noch nie da gewesen Wohlstand beschert haben, aufs Spiel zu setzen“.
Manfred Striebich, Vorsitzender der Sportvereinigung Ottenau, und Sprecher des Aktionskreises Lärmschutz in Ottenau: „Eigentlich gab es für mich zwei schönste Ereignisse im Jahr 2016: Der Aufstieg unserer Ersten Fußballmannschaft der Spvgg Ottenau in die Landesliga sowie der schnelle Einbau der Lärmschutzmaßnahmen auf der B 462 bei der Siedlung Ottenau. Das traurigste Ereignis in 2016 war für mich auf jeden Fall die Überflutung unseres Kellers am 12. Juni in der Amalienbergstraße aufgrund der Starkregenfälle an diesem Tag. Das war im Hinblick auf das überflutete und beschädigte Waldseebad sicherlich auch der traurigste Tag für ganz Gaggenau“.

„Gewaltpotenzial stimmt traurig“

Dorothea Maisch, CDU-Fraktionsvorsitzende, betont im Rückblick auf das Jahr: „Glück bedeutet für mich immer, wenn ich meine Freude mit anderen teilen kann. Da fällt mir spontan mein Segeltörn bei Mallorca ein. Wir hatten richtig kräftigen Wind, dann wieder Delfine um uns herum und Sonnenschein.“ Ganz besonders war für sie auch ein Augenblick bei einer Bergtour mit ihrem Mann. Nachdenklich und traurig macht sie „das momentane Gewaltpotenzial ganz nah bei uns, in Europa und der Welt“. In Frieden und Freiheit leben zu dürfen, sei ein besonders wertvolles Gut, das man nur gemeinsam schützen könne. „Ganz persönlich war für mich der Tod meiner Schwiegermutter, der ich viel zu verdanken habe, sehr schmerzlich.“

Die vermeintlich kleinen Dinge des Lebens weiß auch Arthur Haitz, Ortsvorsteher in Sulzbach, besonders zu schätzen: „Eine große Freude für mich und meine Frau sind unsere Familientreffen mit unseren Kindern und Enkelkindern. Im August war das Ehepaar außerdem mit einer Reisegruppe zu Besuch in Indien. „Hierbei überraschte uns die Gastfreundschaft, die herzliche Aufnahme und Dankbarkeit bei unseren indischen Freunden.“ Als Ortsvorsteher freut ihn insbesondere das Engagement der vielen Ehrenamtlichen, die sich für die Flüchtlinge oder im Ort und für den Ort einbringen. „Besonders traurig im zurück liegenden Jahr war der Tod meiner Schwester Helma Wessel“.

Schulleiter freut sich über Gebäudeausbau

Von traurigen Ereignissen ist Joachim Schneider dieses Jahr glücklicherweise verschont geblieben, äußerte der Schulleiter der Realschule Gernsbach. Sorge hingegen bereitet ihm der Vormarsch der Populisten in Europa und den USA und die Tendenzen zur Auflösung der Europäischen Union, sowie die Verbreitung von Fake-News, die eine ganze Gesellschaft zum Wackeln bringen können. Jeden Morgen aufs Neue begeistert den Schulleiter die neue Ganztagsschule mit ihrem vielfältigen Betreuungsangebot, wie auch der im Zeitplan liegende Ausbau des Schulgebäudes. Große Freude bereitet Pfarrer Ulrich Eger, mit welchem Mut und Ideenreichtum einige der Kirchenältesten in den Fusionsprozess der evangelischen Gemeinden im mittleren Murgtal einsteigen. Auch dass es dieses Jahr der ganzen Familie samt Partnern gut ging, sei schön und durchaus keine Selbstverständlichkeit, freut sich der Pfarrer. Traurig sei hingegen der Wandel in der Flüchtlingsfrage mit der Tendenz, in den Menschen auf der Flucht zunehmend Täter sehen.

Zwei Todesfälle in der Familie

Die am 25. Juli im Gemeinderat gefällte Sanierungsentscheidung für das Freibad in Obertsrot war der Moment der größten Freude im vergangenen Jahr für Gemeinderat Eckehard Hilf. Viel Spaß gemacht hat dem Vorstandsmitglied vom Kirchl auch die Uraufführung der Sonate des Berliner Komponisten Michael Lundt im Kirchl sowie der jährliche Sommerurlaub nach Alassio mit der Lebenspartnerin und deren Sohn. „Richtig wehgetan“ hingegen hat Hilf die Entscheidung, dass sein persönliches Geschenk, ein Flügel für klassische Konzerte im Kirchl nicht angenommen wurde, sondern das Instrument nach vier Konzerten aus „Platzgründen“ wieder abtransportiert wurde. Der groß angelegte Fitnesstag am 24. September war das persönliche sportliche Highlight des Vorstandsmitglieds des TV Gernsbach, Jürgen Maisch. Auch das Engagement der Scheuerner bei den Vorbereitungen zur großen 750-Jahrfeier im Juli 2017 gehören zu den Glanzlichtern des auslaufendes Jahres, ebenso wie der Sommerurlaub mit der Ehefrau nach Saar-Mosel und die Volljährigkeit der Tochter. Traurigerweise fallen in die Adventszeit zwei familiäre Todesfälle, sagte Maisch und der schreckliche Terroranschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt.

Weidefest als kleines Highlight

„Toll war unsere diesjähriges Weidefest, das sogar einen Kurzauftritt in der Landeschau hatte“, freut sich der Reichentaler Ortsvorsteher Bernhard Otto Wieland. Auch die Geburtstagsfeier seiner 89-jährigen Mutter kurz vor Weihnachten sorgte für familiäre Glücksmomente, wenngleich die Mutter aufgrund von Krankheit nicht so fit sei, wie man es sich wünschen würde. Traurig sei, dass der Ortsteil in diesem Jahr seine beiden ältesten Einwohner im Alter von knapp 93 und 94 Jahren verloren habe.