Bewusst einkaufen: Für einen Tag versorgt sich BNN-Redakteur Dominic Körner beim „Unverpackt“-Laden in Gaggenau mit ausschließlich veganen Erzeugnissen aus der Region. | Foto: Müller

BNN-Redakteur im Selbstversuch

Mein Tag als Klimaretter

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Das K-Wort ist in aller Munde: Eine schwedische Aktivistin wird zur Ikone der jungen Generation, die Politik bei „Fridays For Future“ nimmermüde an ihre Versprechen erinnert. Die anhaltenden Debatten um die Klimakrise hat BNN-Redakteur Dominic Körner zum Anlass für einen Selbstversuch genommen. Sein Auftrag: Einen Tag (weitgehend) klimaneutral leben. Geht das aus dem Stand überhaupt? Nach Angaben des Umweltbundesamtes entfallen 25 Prozent der schädlichen Treibhausgas-Emissionen auf den Bereich Heizen und Strom, 23 Prozent auf Mobilität und 14 Prozent auf Ernährung. Hier setzt der Redakteur an.

Mobilität

Fahrrad statt Auto: Auch auf dem
Arbeitsweg lässt sich CO2 sparen.
| Foto: Müller

Bislang: Mit dem Auto zum Supermarkt ums Eck, argentinisches Steak, spanische Beeren und Bananen aus Costa Rica kaufen.
Praxistest: Das Auto bleibt stehen. Mit dem Fahrrad zur Arbeit, 25 Kilometer und zurück. Bei fast 30 Grad eine schweißtreibende Angelegenheit. Zwei Stunden sitze ich im Sattel. Im Büro gibt es keine Dusche und auf einigen Feldwegen keine Beschilderung.
Alltagstauglichkeit: Gering. Radfahren macht Spaß, es ist gesund – aber es kostet mich viel Zeit, die ich lieber mit meiner Tochter verbringen will. Auch die Ehefrau murrt: „Das machst du aber nur einen Tag!“ Hinzu kommt der Job: Ein Redakteur muss bei aktuellen Ereignissen schnell vor Ort sein. Das Fahrrad genügt diesen Ansprüchen im hügeligen Murgtal nicht.
Vorsatz: Häufigeres Radfahren, vor allem auf kurzen Strecken. Zur Arbeit aber weiterhin old school mit dem Verbrennungsmotor. Sorry, Greta.

Konsum

Bislang: Überwiegend tierische Produkte, die mit hohen CO2-Emissionen verbunden sind. Mitunter absurde Bestellungen im Internet, etwa Zahnzwischenraumbürsten aus Hongkong – wenn auch aus Versehen.
Praxistest: Der Online-Handel ist tabu. Ich kaufe ausschließlich vegane und regionale Lebensmittel. Einfach ist das nicht: Am Ende landen Karotten-Mohn-Brötchen, Gemüse, Beeren und gelatinefreie Marmelade im umweltschonenden Einkaufsnetz. Dafür zahle ich 16,89 Euro, im Supermarkt wären es 12,50 Euro gewesen. Aber: Es schmeckt. Ich trinke Leitungswasser und wasche meine Hände mit veganer Seife.
Alltagstauglichkeit: Hoch. Auch eine Frage des Geldbeutels, aber möglich.
Vorsatz: Bewusster einkaufen – mehr Gemüse, weniger Fleisch. Auf dem Grill landen künftig überwiegend regionale Produkte.

Energie

Bislang: Netflix auf dem Flatscreen, Festbeleuchtung im Wohnzimmer, das Smartphone am Ladekabel.
Praxistest: Der Fernseher ist aus, Kerzenschein statt Glühbirne. Der Handyakku geht in die Knie, auch nicht verkehrt. Eine eiskalte Dusche – das Wasser wird nicht beheizt – weckt neue Lebensgeister. Bei der Arbeit bleibt einer der beiden Bildschirme schwarz. Der PC aber läuft, die Schreibmaschine ist keine praktikable Option.
Alltagstauglichkeit: Mittel. Auf elektrisches Licht und Fernsehen will ich nicht verzichten. Genauso wenig auf den Laptop. Außerdem bin ich bekennender Warmduscher. Auch im Sommer.
Vorsatz: Weniger Licht, weniger Elektronik-Konsum, weniger heizen – kein Problem. Aber ganz ohne? Nicht mit mir.

Fazit

Jeder einzelne kann, so er den wirklich will, seinen Beitrag für den Klimaschutz leisten. Der Selbsttest zeigt, man muss dazu nur an einigen Stellschrauben drehen. Für den radikalen Verzicht auf den Alltagsluxus unserer westlichen Welt braucht es indes viel Überzeugung und noch mehr Disziplin.