Daniel Müller, Werkstattleiter des Unimog-Museums, war im Dezember an einem Höhenweltrekord beteiligt, zwei Unimogs aus seiner Werkstatt fuhren in der Atacama-Wüste bis auf 6.694 Meter.
Daniel Müller, Werkstattleiter des Unimog-Museums, war im Dezember an einem Höhenweltrekord beteiligt, zwei Unimogs aus seiner Werkstatt fuhren in der Atacama-Wüste bis auf 6.694 Meter. | Foto: Unimog-Museum

Werkstattleiter aus Gaggenau

Mit dem Unimog auf den Vulkanberg: Daniel Müller auf gefährlicher Exkursion

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Es ist eine unglaublich spannende Geschichte, die der Werkstattleiter des Unimog Museums, Daniel Müller zu erzählen hat. Im vergangenen Jahr brach er auf zum Abenteuer seines Lebens: Eine Exkursion auf den Vulkanberg Ojos del Salado in Chile.

Von unserer Mitarbeiterin Christiane Krause-Dimmock

Den Anstoß für diese Exkursion in die Atacama-Wüste gab Matthias Jeschke von Extreme Events. Er war 2014 aufgebrochen, um einen Höhenrekord aufzustellen. Ziel war es, diesen Rekord einzustellen und den 6.694 Meter hohen Vulkanberg Ojos del Salado zu erklimmen. Eine Höhe, die bis dahin noch kein Radfahrzeug erreicht habe.

Jeschke nahm Verbindung zur Unimog-Werkstatt in Wörth auf. Und tatsächlich stellte man ihm dort zwei Fahrzeuge der Baureihe 5023 zur Verfügung. „Nackt“, wie Daniel Müller erklärt. Diese beiden Unimogs gewissermaßen zur Allroundwaffe umzubauen, das kam ihm zu. Denn das Unimog-Museum mit seiner auf individuelle Lösungen eingestellten Werkstatt erschien geradezu perfekt.

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Die Vorbereitungen für die Unimog-Exkursion dauerten anderthalb Jahre

Anderthalb Jahre lang wurde vorbereitet und geplant, vor allem aber gebaut, damit das Basis-Rüstzeug für den angestrebten Rekordversuch optimal gerüstet sein würde. Der Kraftstofftank wurde versetzt, auch der Batteriekasten, eine Zehn-Tonnen-Seilwinde wurde installiert und verschiedenes anderes gezaubert, um Hitze, Eis, Sand und Wind zu trotzen.

Auf acht Tonnen pro Fahrzeug belief sich letztlich das Eigengewicht. Mit an Bord befand sich selbstredend auch der „Vater“ der beiden Fahrzeuge, Daniel Müller. Nichtsahnend, auf was für ein Abenteuer er sich da eingelassen hatte.

In der Werkstatt des Unimog-Museums entstanden die Umbauten für die spektakuläre Expedition in die extremen Höhenlagen der chilenischen Anden.
In der Werkstatt des Unimog-Museums entstanden die Umbauten für die spektakuläre Expedition in die extremen Höhenlagen der chilenischen Anden. | Foto: Unimog-Museum

Allein der Umstand, dass er dafür Sorge tragen sollte, dass die beiden Unimogs auf eine Höhe von über 6.800 Metern fahren sollten – über Geröll, Gletscher und Sand, war eine enorme Herausforderung. Temperaturschwankungen von 30 Grad tagsüber, die in der Nacht auf minus 25 Grad absinken, gehörten zum normalen Ablauf.

Das größte Problem lag in der Luft

Das allergrößte Problem, so erklärt Daniel Müller, war die dünne Luft, die in diesen extremen Höhen herrscht. Die Fahrzeuge erreichten teilweise noch 50 Prozent ihrer eigentlichen Leistung. Dass diese überhaupt erbracht werden konnte, in Bereichen in denen andere Wagen längst aufgeben, sei dem besonderen Getriebe, dem UG 100 welches in Gaggenau gebaut wird, geschuldet.

Neben vielen Ausrüstungsgegenständen, Ersatzteilen, Treibstoff, Wasser und vielem mehr, was für die Tour die rund sechs Wochen in Anspruch nahm, benötigt wurde, hatte die Gruppe auch Funksysteme mit an Bord. Diese wollte Matthias Jeschke in den Anden montieren. Auf diese Weise sollte ein Sicherheitsfaktor für Bergsteiger in dem Gebiet geschaffen werden. Wie wichtig diese Installation ist, erfuhr das Team noch am gleichen Tag, als ein kanadischer Bergsteiger in Not geriet.

Solche Dinge passieren eben.

Daniel Müller über seinen vermissten Exkursionspartner

Beim Abstieg hatten sein Partner und er sich getrennt. Während der kräftigere der beiden im Basislager eintraf, wurde sein Kumpan vermisst. Dank des Funksystems vermochte man sehr schnell herauszufinden, wo der Vermisste zuletzt gesehen wurde, wo er schließlich nicht angekommen war. Die Nacht in den Bergen hätte er zweifellos nicht überlebt, wäre er nicht gefunden worden.

Solche Dinge passieren eben, hat auch Daniel Müller festgestellt, wie fatal die Auswirkungen der dünnen Luft auf Körper und Geist sind. Das gilt auch für die hervorragende Technik, die ihm dank seiner Versiertheit und großer Kreativität nicht im Stich ließ. Die extrem dünne Luft machte allerdings selbst den Unimogs zu schaffen. Am Ende mussten die Wagen mehrere Tage lang durchlaufen. „Wir hätte sie sonst nicht mehr zum laufen bekommen.“

Die Exkursions-Unimogs stehen im Sommer im Museum

Pünktlich zu Weihnachten kam Daniel Müller erschöpft wieder zu Hause an. Über seine Abenteuer hat er ein Tagebuch geschrieben. In der Sommerausstellung im Unimog-Museum werden die beiden umgebauten Fahrzeuge zu sehen sein. Sie wurden von Chile aus eingeschifft und treffen in diesen Tagen in Rotterdam ein.

Eines der Fahrzeuge wird wieder umgerüstet, damit es straßentauglich wird, denn es soll zu verschiedenen Veranstaltungen und Ausstellungen mitgenommen werden. Das andere wird im Museum bleiben. Gegenwärtig feilt man an einem Bildband und auch die Tagebuchaufzeichnungen werden aufgearbeitet.

Selbstredend werden Fans auf ihre Kosten kommen, weil es passende Vorträge gibt, in denen Daniel Müller vom Abenteuer in den Anden und von zwei großartigen Unimogs erzählen wird. Natürlich auch von dem Rekord, der aufgestellt wurde. Tatsächlich wäre der Unimog sogar noch weiter nach oben gekommen. Müller: „Aber bei 6.694 Höhenmetern ging uns das Gelände aus.“