Damit auch seine Kinder noch Freude an den alten Aufnahmen haben können, hat Hansjörg Kurz sie bereits digitalisieren und auf DVD brennen lassen. | Foto: bba

BNN-Projekt Zurückgespult

Mit Muskelkraft die Weiche gestellt: Filmschätze aus Gernsbach

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Drei Stellwerke regelten im Jahr 1967 den Zugbetrieb im Gaggenauer Bahnhof. Ganze 50 Mitarbeiter waren zwischen Gaggenau und Kuppenheim im Einsatz. Wie schweißtreibend die Arbeit von Weichen- und Stellwerkswärtern damals noch war, hat Hansjörg Kurz auf Acht-Millimeter-Film eingefangen.
Der Gernsbacher war im Verwaltungsbereich für die Deutsche Bahn in Gaggenau tätig und beschloss eines Tages, das tägliche Geschehen an seinem Arbeitsplatz festzuhalten. „Als ich dann in den BNN von der Aktion ,Zurückgespult’ las, dachte ich, dieses Video könnte ja auch für andere interessant sein“, so Kurz.

Narren im Pulverschnee

Einen weiteren Film, den er aus seinem persönlichen Video-Schatz von rund 50 historischen Aufnahmen für die Aktion ausgewählt hat, ist eine Fastnachtsfeier der Skiabteilung des TV Hilpertsau in Kaltenbronn. Bunt geschminkt ziehen die Skifahrer selbstgebaute Holzkabinen, in der jeweils ein mutiger Fastnachter Platz nehmen konnte, hinter sich den Hang hinunter. Glitzernder Pulverschnee wirbelt auf, das Gelächter klingt dem Zuschauer trotz fehlender Tonspur im Ohr. „Das war schon eine witzige Truppe“, meint Kurz schmunzelnd.

Die historische Holzbrücke in Forbach wurde 1778–1779 errichtet. Das Fest zu ihrer Renovierung 1976 hielt Rainer Resch fest. | Foto: Bauer

Auch Rainer Resch aus Gernsbach-Hilpertsau wollte andere an seinen Erinnerungen teilhaben lassen und gab insgesamt vier Filmrollen in der Gaggenauer Redaktion der BNN ab. Darauf zu sehen sind unter anderem das Brückenfest in Forbach nach der Sanierung der Holzbrücke im Jahr 1976 und der überschwemmte Schwarzenbach. „Ich kam von der Arbeit nach Hause und sah, dass der Fluss dabei war, über die Ufer zu treten“, erinnert sich der 64-Jährige, der als Zahnrad-Techniker für Daimler tätig war. „Da bin ich schnell nach Hause und habe meine Kamera geholt.“

Man brauchte wahnsinnig viel Licht

Als er zurückkam, sei dann sogar der Südwestfunk zum Filmen vor Ort gewesen. „Bei diesem Spektakel musste ich natürlich draufhalten“, meint Resch rückblickend. Ein gutes Bild zu bekommen sei damals allerdings ungleich schwieriger als heute gewesen. „Man brauchte wahnsinnig viel Licht, damit eine Aufnahme überhaupt etwas wurde. Und die 15 Meter langen Bänder konnten nur vier Minuten aufnehmen“, betont Resch. Anschließend folgte die aufwendige Schnittarbeit.

Pappeherstellung vor vier Jahrzehnten

Auf einem anderen Film wirft Resch einen Blick hinter die Kulissen eines Forbacher Betriebs: „Direkt gegenüber meines Elternhauses in Forbach war eine Firma, die Lederpappe herstellte“, berichtet er. „Zu sehen sind zum Beispiel die alten Kamine und der Lufttrockner, die irgendwann abgetragen wurden. Heute ist dort der Bauhof der Gemeinde ansässig“, erklärt der 64-Jährige.
Dass diese historischen Bilder nun Teil einer Erinnerungs-Sammlung aus der gesamten Region werden, findet Resch eine „spitzenmäßige Aktion“. „Ich bin froh, dass mein Bruder mich auf das Projekt aufmerksam gemacht hat“, meint er. Gemeinsam hätten sie rund zwei Stunden in dem über Jahre gesammelten Material „gekruschtelt“ und ausgewählt.

Werden Sie Teil eines zeitgeschichtlichen Filmprojekts, das nicht nur Karlsruhe, sondern das gesamte BNN-Verbreitungsgebiet zu einer anderen Zeit erlebbar macht. Noch bis Samstag, 29. April, können Sie Ihr Filmmaterial bei den Geschäftsstellen der BNN abgeben oder versenden an: Badische Neueste Nachrichten, Aktion: Zurückgespult, 76147 Karlsruhe. Legen Sie eine kurze Beschreibung sowie Name, Anschrift, Telefonnummer und Mail-Adresse bei. Zusätzlich zum Original erhalten Sie nach einigen Wochen Bearbeitungszeit ihre digitalisierte DVD nach Hause. Weitere Infos unter Telefon (08 00) 1 11 02 11 oder online auf www.zurückgespult.de.